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Wirtschaft:Öko-Gewerbegebiete

Haar will Kriterien zur Ansiedlung von Firmen festschreiben

Von Bernhard Lohr, Haar

Die Aufregung war 2016 groß. Von einem Tag auf dem anderen stand die Gemeinde Haar im Rampenlicht, weil der Autobauer BMW einen Standort für die Entwicklung seines elektrisch betriebenen, autonom fahrenden Autos der Zukunft suchte und Haar in die engere Wahl nahm. Den Zuschlag bekam Unterschleißheim. Haar blieb, nachdem man in kürzester Zeit weitreichende Planungsschritte unternommen und für eine Ansiedlung auf der Finckwiese im Osten der Gemeinde den roten Teppich ausgerollt hatte, die Erkenntnis, dass man sich besser auf so etwas hätte vorbereiten sollen. Das soll nun geschehen.

Seit längerem spricht Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) davon, Gewerbegebiete in Haar ökologisch nachhaltig zu gestalten. Nun hat er einen Leitfaden vorgelegt, der auch Standards im Sozialen, im Ökonomischen und in Fragen der Mobilität setzen soll. Es geht um sogenanntes "klimapositives Bauen" und minimale Versiegelung. Ökologische Ausgleichsflächen sollen direkt auf dem Grundstück ausgewiesen werden. Es soll um Biotope gehen, um Monitoring und Pflegepläne. Bürger sollen durch Informationsveranstaltungen früh in Planungen einbezogen werden. Bestehende Betriebe sollen durch das Gewerbegebiet gefördert werden. Ein Mobilitätskonzept soll es geben, ebenso Fuß- und Radwege.

Vieles ist nicht neu. Längst wird nicht nur in Haar bei Gewerbeansiedlungen auf die ÖPNV-Anbindung geschaut. Doch Bukowski will mehr. Er greift aktuelle Strömungen wie das Prinzip "Cradle-to-Cradle" auf, bei dem eine Kreislaufwirtschaft angestrebt wird. Oder das sogenannte "Animal-aided-Design", bei dem ein Gewerbegebiet im Vorhinein schon so gestaltet würde, dass auch die dort lebenden Tiere bestenfalls profitieren. Bukowski sagte im Gemeinderat, er wolle Gewerbegebiete mit "Mehrwert", die nach Arbeitsschluss nicht verwaisen. Dort solle Leben stattfinden, mit Gastronomie, Kultur und Freizeit. Gebäude sollten mehrfach genutzt werden und das Gebiet in die Gemeinde eingebunden sein.

In der Diskussion im Bauausschuss zeigte sich am Dienstag: Viele finden das gut. CSU-Fraktionschef Dietrich Keymer sagte, solche Klarstellungen könnten helfen, wenn in Zukunft ein Investor wie BMW wissen wolle, was in Haar möglich sei. Wobei Keymer auch sagte, dass im Zweifel Standhaftigkeit gefragt sein könnte, wenn es hart auf hart komme und um Geld gehe. Denn was ist, wenn ein attraktives Unternehmen Ausnahmen fordert. Ton van Lier (Grüne) forderte, den Mut zu haben und im Zweifel Nein zu sagen. Peter Schießl (SPD) regte an, in die Kriterien aufzunehmen, dass Gewerbe möglichst emissionsarm zu sein hat. Und er fand, dass man auf Vereinbarkeit von Wohnen und Arbeiten hinwirken müsse. Nur dann werde man ein belebtes Gewerbegebiet bekommen.

Bisher liegen nur Stichpunkte vor, die locker auf drei DIN-A-4 Seiten passen. Ob das alles am Ende in die Haarer Leitlinien eingewoben wird, oder separat als Leitfaden existieren soll, ist offen. Weitere Debatten sollen folgen, wobei Bukowski angesichts der Fülle der bereits existierenden Arbeitsgruppen nicht von einer weiteren Arbeitsgruppe reden wollte. Der Vorschlag von Peter Siemsen (FDP) wurde begrüßt, das weitere im existierenden Initiativkreis Wirtschaft zu beraten.

© SZ vom 22.04.2021
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