Zölle, hohe Kosten, fehlende Fachkräfte und Bürokratie: Auch die Wirtschaft in der erfolgsverwöhnten Region München durchlebt schwierige Zeiten. Die aktuelle Befragung der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK) bei Unternehmern in der Stadt München sowie in den Landkreisen Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, München und Starnberg zeichnet ein differenziertes Bild. Die Mehrzahl der Firmenchefs hofften auf leicht verbesserte Geschäfte, berichtet die IHK. Aber die Herausforderungen blieben groß: Jede fünfte Firma plane einen Job-Abbau.
110 Punkte
Der regionale IHK-Konjunkturindex steigt einer Mitteilung der Unternehmer-Vereinigung zufolge im Vergleich zum Frühjahr um vier Zähler auf 110 Punkte, bleibt aber unter dem langjährigen Durchschnitt von 118 Punkten. Eine Trendwende ist laut IHK nicht erkennbar, eine spürbare Verbesserung der Lage nicht messbar. Stattdessen bewege sich die Wirtschaft in der Region weiter „seitwärts“. So bezeichnen 26 Prozent der Betriebe ihre Lage als gut, 18 Prozent als schlecht. Einen Hoffnungsschimmer macht die IHK darin aus, dass 24 Prozent mit einer Belebung des Geschäfts rechnen und nur 13 Prozent mit einer Verschlechterung. IHK-Vizepräsident Otto Heinz meint, es müsse sich erst noch zeigen, ob das für einen Stimmungswandel reiche. Er kommt zu dem „ernüchternden“ Schluss: „Die Unternehmen werden weiter durch viele Herausforderungen auf einmal ausgebremst.“
Hinter der anhaltenden Misere steckt nach Angaben von 70 Prozent der Firmen in der Region München die fehlende Nachfrage, und damit mehr als im Frühjahr, als dies noch 66 Prozent angaben. Konkret bezeichnen 62 Prozent die fehlende Inlandsnachfrage als Geschäftsrisiko. 27 Prozent wollen mehr investieren, 19 Prozent weniger. Die Investitionen zielten aber vor allem darauf ab, die Effizienz zu steigern, und nicht darauf, die Kapazitäten auszuweiten, berichtet die IHK. Den Personalmangel gäben nur noch 45 Prozent als großes Problem an, damit zehn Prozent Punkte weniger. Nur zwölf Prozent der Firmen wollten Personal aufbauen, 20 Prozent planten Stellenstreichungen. Das Fazit aus Sicht der IHK: „Die Arbeitslosigkeit in der Region wird damit weiter zunehmen.“
Forderung nach Entbürokratisierung
Bei der Ursachenforschung nennen 59 Prozent der Unternehmer nach der aktuellen Erhebung die schwierigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Der IHK-Vizepräsident sieht deshalb die Bundesregierung in der Verantwortung, die selbst gesteckten Ziele zur Stärkung der Wirtschaft entschlossen zu verfolgen. Otto Heinz appelliert, die massive Neuverschuldung gezielt in zusätzliche Investitionen zu stecken. Er fordert mehr Anstrengungen bei der Entbürokratisierung, bei den Energiepreisen und bei der Vollendung des EU-Binnenmarkts. Die Chance der Region München für einen weiteren wirtschaftlichen Aufstieg ist aus seiner Sicht aber weiter gegeben. „Die Region München hat ein riesengroßes Zukunftspotenzial!“
So sieht die IHK einen Vorteil darin, dass die Landeshauptstadt schon heute bei Gründungen und Entwicklungen im „Tech- und im Defence-Bereich in Europa ganz vorne dabei“ ist. Davon profitiere auch das Umland. Diese Spitzenposition gelte es zu halten und weiter auszubauen, sagt Otto Heinz. „Dass wir bei den Zukunftstechnologien ein Top-Standort sind, stimmt mich optimistisch – wenn wir unsere Hausaufgaben machen!“ Die aktuelle Erhebung lief von Mitte bis Ende September. Dreimal im Jahr wird der IHK-Konjunkturbericht veröffentlicht.

