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Windkraft:Brunnthal steigt aus Arge aus

Vorstellung der Berger Windräder, 2019

Windräder wie hier bei Berg im Landkreis Starnberg will die Mehrheit im Brunnthaler Gemeinderat nicht im Hofoldinger Forst.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)
  • Eine Mehrheit der Brunnthaler Gemeinderäte stimmt für den Austritt aus der Arbeitsgemeinschaft Windenergie Hofoldinger Forst
  • Der Standortsicherungsvertrag zwischen den verbleibenden Gemeinden muss damit neu ausgehandelt werden.
  • Etwa 30 Bürger protestieren vor der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend gegen Windräder im Hofoldinger Forst.

Von Angela Boschert, Brunnthal

Nach fast drei Stunden intensiven Argumentierens fiel die Entscheidung in weniger als einer Minute: Elf Gemeinderäte stimmten am Mittwochabend für den Austritt Brunnthals aus der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Windenergie Hofoldinger Forst, nur acht für einen Verbleib im Zweckverbund, der ein offenes und verträgliches Vorgehen bei der Planung von vier geplanten Windrädern im Hofoldinger Forst sichern hätte sollen.

Mit dem Austritt Brunnthals aus der Arge darf vorerst kein Windrad im Süden des Gemeindegebiets errichtet werden. Dazu hatten etwa 30 Bürger mit Plakaten, Pfeifen und Protestrufen vor der Sitzung aufgerufen. Sie demonstrierten vor dem Landgasthof Brunnthal, in dem der Gemeinderat coronabedingt tagte, und machten zwei Stunden lang immer wieder auf sich aufmerksam.

Drinnen im Saal fanden außer dem 19-köpfigen Gremium noch etwa 15 Zuhörer Platz. Sie lauschten der verknappten, aber dennoch ausführlichen Erklärung vom Inhaber des Ingenieurbüros für regenerative Energien, Robert Sing aus Landsberg am Lech.

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Mit Sicherheitsabstand und Masken protestieren etwa 30 Büger während der Sitzung des Brunnthaler Gemeinderats vor dem Sitzungssaal gegen die Aufstellung von Windrädern im Hofoldinger Forst.

(Foto: Angela Boschert)

Die vielen kritischen Rückfragen zur Aussagekraft der Ergebnisse der einjährigen Windmessung, der artenschutzrechtlichen Prüfungen und der Wirtschaftlichkeitsberechnung beantwortete Sing immer sachlich, verwies aber zunehmend auf die Sinnhaftigkeit der Windkraft.

Er versicherte mehrfach, die ermittelten Ergebnisse müssten erneut geprüft und nochmals von einem unabhängigen Büro durchgerechnet werden, aber die "sehr konservative Berechnung auf Basis der aktuellen Situation und langjähriger Erfahrung" zeige, dass der Betrieb von Windrädern im Hofoldinger Forst wirtschaftlich erfolgen kann und ihm keine natur- und artenschutzfachlichen Belange entgegenstehen.

Doch Gemeinderatsmitglieder äußerten tief in den Herzen verwurzelte Erhaltungswünsche für das ehemals höfische Jagdgebiet Hofoldinger Forst. Die 5000 Quadratmeter Bresche, die für eine Windkraftanlage geschlagen werden muss, würde weiter aufreißen. Das schade dem Forst.

Man habe in den Siebzigerjahren dort den Flughafen verhindert, seit 1978 gehöre der Wald zu Hofolding und sei ein Naturschutzgebiet, seit 20 Jahren werde der Wald umgeforstet, damit er den Klimaschwankungen besser widerstehen könne. Ihm jetzt durch eine Windkraftanlage zu schaden, sei ein Verrat an den genannten Bemühungen, sagte Brunnthals Dritter Bürgermeister Robert Huber (Parteifreie Wählergruppe Brunnthal-Hofolding, PWB) und betonte wie andere auch, er sei gegen den Standort und für den Erhalt des Forstes.

Da nützte auch der Vortrag von Helmut Vorleitner nichts, der rein wissenschaftlich Windenergie als die ertragreichste alternative Energie herausstellte und betonte, es bleibe bei vier Windrädern im Hofoldinger Forst, wenn Brunnthal in der Arge bleibe.

Auch dass Bürgermeister Stefan Kern (CSU) auf der Karte etwa drei weitere mögliche Standorte für Windräder fand, bewegte die Windkraftgegner nicht zum Einlenken. Vielmehr bezeichnete Matthias Amtmann (Unabhängige Brunnthaler Wählergruppe, UBW) das erregt als Aufbau eines "Angstszenarios".

Was jedoch heißt der Austritt Brunnthals für die anderen Arge-Mitglieder? Otterfing und Sauerlach haben bereits mehrheitlich für die Fortführung des Projekts Windkraft gestimmt und Aying wird am Dienstag entscheiden. Der Ausstieg der 5800-Einwohner-Gemeinde Brunnthal, zu der der größte Teil des Hofoldinger Forstes gehört, zieht nach sich, dass der Standortsicherungsvertrag einvernehmlich zwischen den verbleibenden Mitgliedern angepasst werden muss, teilte das Landwirtschafts- und Forstministerium am Montag mit.

"Die ausscheidende Gemeinde könnte dann zwar die Errichtung von Windenergieanlagen im eigenen Gemeindegebiet verhindern, würde aber auch auf die durch Mitgliedschaft in der Arge gegebenen Lenkungsmöglichkeiten im verbleibenden Vertragsgebiet verzichten", so Ministerin Michaela Kaniber (CSU).

© SZ
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