Windkraft:Brunnthal will zurück in die Arge

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Windkraft: Der Hofoldinger Forst rückt nun auch für Brunnthal zum Zwecke der Stromerzeugung wieder in den Blick.

Der Hofoldinger Forst rückt nun auch für Brunnthal zum Zwecke der Stromerzeugung wieder in den Blick.

(Foto: Claus Schunk)

Ein Jahr nach dem Austritt beschließt der Gemeinderat die Rückkehr in die Arbeitsgemeinschaft Hofoldinger Forst.

Von Angela Boschert, Brunnthal

Könnten die Brunnthaler Gemeinderäte die Zeit zurückdrehen, würden ein paar von ihnen wohl den 3. März 2021 wählen: Damals beschloss das Gremium mit elf gegen acht Stimmen, aus der Arbeitsgemeinschaft Windenergie Hofoldinger Forst (Arge) auszutreten. In der Sitzung am Mittwoch erfolgte nun die Kehrtwende: Dieses Mal votierte der Gemeinderat mit elf gegen sieben Stimmen, wieder in die Arge einzutreten, um bei der Aufstellung von Windrädern im Landschaftspark Hofoldinger Forst ein Wörtchen mitreden zu können.

Voraussetzung ist allerdings, dass die anderen drei Arge-Gemeinden Aying, Otterfing und Sauerlach einverstanden sind. Im anderen Fall soll Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU) auf die Staatsforsten zugehen und einen Standortsicherungsvertrag für Windräder aushandeln, um in Form eines Bürgermodells eigene Anlagen zu errichten. Dem stimmten 15 Gemeinderäte zu.

Anlass zu der Diskussion war eine Vorlage des Landkreises München, der die Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet "Hofoldinger und Höhenkirchner Forst" ändern will. Die denkbaren Aufstellflächen für Windräder werden damit deutlich erweitert. Hintergrund ist das sogenannte "Osterpaket" von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), wonach in Deutschland zwei Prozent aller Flächen für die Stromerzeugung mit Windkraft freigehalten werden müssen - Landschaftsschutzgebiete werden einbezogen. Im Hofoldinger Forst sollten die Windräder bevorzugt entlang der Autobahn A 8 oder der Stromtrasse stehen, um das Landschaftsbild so wenig wie möglich zu verändern.

Ob die anderen Gemeinden Brunnthal wieder aufnehmen, ist alles andere als gewiss

Wollte die Mehrheit im Brunnthaler Gemeinderat vor einem Jahr mit dem Arge-Austritt noch ein Windrad an der Autobahn verhindern, zeigten sich viele jetzt ernüchtert. Andreas Langner (CSU) redete den anwesenden 18 Räten ins Gewissen: Windräder im Hofoldinger Forst seien nicht mehr zu verhindern, in zehn Jahren könnten dort rein rechnerisch 150 Stück stehen. Kern sprach von 50. Bayern werde als "Musterschüler" das vom Bundeskabinett beschlossene Wind-an-Land-Gesetz umsetzen, vermutet er. Also müsse Brunnthal die Sache selbst in die Hand nehmen.

"Wir machen aus Waldgebiet ein Industriegebiet", wandte Thomas Mayer (CSU) ein, sah aber keine Handhabe mehr gegen Windräder. Er hatte für den Arge-Austritt votiert. Windkraft-Gegner Martin Rottenhuber (CSU) verwahrte sich zwar gegen die Aussage von Bürgermeister Kern, der Austritt aus der Arge sei "kurzsichtig und falsch" gewesen, räumte aber ein: "Jetzt kommen viele Windradl, dann ist es besser, eines selbst zu machen."

Der Rückkehr Brunnthals in die Arge schlägt unterdessen Skepsis entgegen. Zwar befürwortet der Arge-Vorsitzende und Ayinger Bürgermeister Peter Wagner (CSU), dass Brunnthal weitermachen will; in die GmbH, welche die drei Arge-Gemeinden inzwischen gegründet haben, um drei Windkraftanlagen zu bauen, werde aber keine weitere Kommune mehr aufgenommen. So sieht es auch Sauerlachs Rathauschefin Barbara Bogner (parteifrei). Eine Rückkehr Brunnthals würde zu Verzögerungen beim Bau führen. Otterfings Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) verweist darauf, dass die Arge ohnehin aufgrund der Gründung der GmbH bald abgewickelt werde. Nachträglich in die GmbH einzutreten, sei ein "schwieriges Konstrukt". Auch sei es nicht einfach, den Standortsicherungsvertrag mit den Staatsforsten zu ändern.

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