Erneuerbare EnergienStrom aus dem Forstenrieder Park

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Spatenstich für sechs Windräder (von links): Harald Zipfel, Bürgermeister von Neuried, Landrat Christoph Göbel, Susanna Tausendfreund, Bürgermeisterin von Pullach, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Katharina Habersbrunner, Vorsitzende von Beng, Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten, Christian Fürst, Bürgermeister von Schäftlarn, und Patrick Ott, Bürgermeister von Baierbrunn.
Spatenstich für sechs Windräder (von links): Harald Zipfel, Bürgermeister von Neuried, Landrat Christoph Göbel, Susanna Tausendfreund, Bürgermeisterin von Pullach, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Katharina Habersbrunner, Vorsitzende von Beng, Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten, Christian Fürst, Bürgermeister von Schäftlarn, und Patrick Ott, Bürgermeister von Baierbrunn. Florian Peljak
  • Im Forstenrieder Park beginnt der Bau von sechs Windrädern, die künftig Strom für 20 000 Haushalte liefern sollen.
  • Das Bürgerwindprojekt ist fest in kommunaler Hand mit 450 Bürgern beteiligt, die 2,4 Millionen Euro investiert haben.
  • Trotz einer laufenden Klage und Protesten halten die Verantwortlichen am Zeitplan fest und schließen weiteren Windkraftausbau im Wald aus.
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Sechs Windräder sollen sich an mehreren Standorten im Wald drehen. Zum Spatenstich für das Projekt findet sich auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ein – und auch eine Proteststimme gibt es.

Von Annette Jäger, Baierbrunn/Schäftlarn

Es gab Zeiten, da wurden Windräder zur Stromerzeugung im Forstenrieder Park als unwirtschaftlich eingeschätzt. Das war vor etwa 20 Jahren, als Landrat Christoph Göbel (CSU) noch Bürgermeister von Gräfelfing war. Damals war die Technologie noch nicht so weit, erinnerte der Landrat am Montag bei einem historischen Termin: dem Spatenstich für den Windpark Forstenrieder Park. Sechs Windräder werden sich an verschiedenen Standorten im Wald künftig im Wind drehen und Strom für 20 000 Haushalte liefern. Von Unwirtschaftlichkeit kann keine Rede mehr sein.

So viel Spaß macht es, im nahezu knöcheltiefen Schlamm zu versinken: Freudestrahlend schippten vier Bürgermeister und der Landrat, dazu Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und Vertreter der Bayerischen Staatsforsten sowie der Bürgerenergiegenossenschaften die symbolische Schaufel Erde, die den offiziellen Baubeginn markiert. Es sei ein „Leuchtturmprojekt“, was nun endlich umgesetzt werde, freute sich Pullachs Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne). Nach fünfeinhalb Jahren aufwendigster – und in Augen der Bürgermeisterin deutlich zu langer – Planungs- und Genehmigungsphase erschien der Schaufelstich in die Erde für alle geradezu eine Erlösung zu sein.

Das Windprojekt trägt seine Besonderheit im Titel: Der Bürgerwindpark ist fest in kommunaler Hand mit starker Bürgerbeteiligung. Vier Windräder gehören den vier Kommunen Pullach, Schäftlarn, Neuried und Baierbrunn sowie den beiden Energiegenossenschaften Beng und Fünfseenland und über diese sind wiederum 450 Bürgerinnen und Bürger an dem Projekt beteiligt. Sie haben 2,4 Millionen Euro investiert, die Beteiligung war laut Beng schnell mehrfach überzeichnet. Den Bürgern stehe eine „rechtssichere Rendite“ in Aussicht, wie Tausendfreund betonte.

Beng-Sprecher Benjamin Hahn prognostizierte sie auf SZ-Anfrage mit etwa vier Prozent. Zwei Windräder gehören der ebenfalls kommunal aufgestellten Innovative Energie Pullach (IEP). Die Geothermiegesellschaft ist eine hundertprozentige Tochter der Gemeinde Pullach und nutzt den Strom, um die Geothermiepumpen zu betreiben. Die Bürgerbeteiligung sei „das Geheimrezept, um Windkraft in Schwung zu bringen“, sagte Göbel. Mit anderen Worten: So gewinnt man auch die Skeptiker für ein Projekt.

Werben für die Windenergie: Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (rechts) und Landrat Christoph Göbel.
Werben für die Windenergie: Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (rechts) und Landrat Christoph Göbel. Florian Peljak

Eine Skeptikerin ist dann doch übrig geblieben. Gerade als Susanna Tausendfreund ansetzen wollte, welchen Kraftakt es erfordert habe, das Projekt durchzuziehen, für das allein 1,4 Millionen Euro an „Vorlaufkosten“ unter anderem für Gutachten aufzuwenden waren, ertönte eine Trillerpfeife aus dem Wald und eine Frau rief lautstark in die feierliche Runde: „Keine Windräder im Forstenrieder Park! Herr Aiwanger, Sie sind auf dem Holzweg, zerstören sie nicht unseren Wald!“ Mit Mühe konnte sie beruhigt werden, das Versprechen des Wirtschaftsministers, nach dem offiziellen Akt mit ihr zu sprechen, wirkte dabei.

Doch auch von anderer Seite wird aktuell noch versucht, das Projekt zu verhindern. Über eine Klage des Vereins für Landschaftspflege, Artenschutz und Biodiversität (VLAB) mit Sitz im Oberpfälzer Landkreis Tirschenreuth, ist noch nicht entschieden. Der Verein hat auch gegen das Windkraftprojekt im Höhenkirchner Forst geklagt, bereits zum zweiten Mal. Allerdings gingen beim Bürgerwindpark im Forstenrieder Park die Projektverantwortlichen davon aus, dass die Klage keine Aussicht auf Erfolg habe, so Hahn. Man halte am Zeitplan fest.

Baustelle im Wald: Auf der Fläche für die erste Windkraftanlage ist bereits einiges passiert.
Baustelle im Wald: Auf der Fläche für die erste Windkraftanlage ist bereits einiges passiert. Florian Peljak

Die Klagekultur gegen Windkraft kritisierten Göbel und Aiwanger scharf. „Der Missbrauch des Verbandsklagerechts legt uns lahm in diesem Land“, sagte Göbel, und Aiwanger verwünschte die Klage „in den Papierkorb“. Es könne nicht sein, dass „Berufskläger“ aus anderen Gegenden mitentscheiden würden. Das sollten allein die Betroffenen vor Ort tun.

Die Eingriffe in den Wald erscheinen auf den ersten Blick brachial. Eine Fläche von einem Hektar wurde für das erste Windrad gerodet. Steht die gesamte, rund 250 Meter hohe Anlage, wird renaturiert, sichtbar bleibt nur das 24 Meter breite Fundament des Rads. Klar wurde beim Spatenstich auch, dass es keinen weiteren Ausbau der Windkraft im Wald geben werde, betonte Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten. Mit den sechs Windrädern sei „eine Grenze“ erreicht.

Am Ende kamen die Windkraftgegnerin und der Wirtschaftsminister tatsächlich noch in einen friedlichen Austausch. Der Minister stellte sich ihren Fragen und erklärte an einem Modell, dass die Rotoren längst so beschichtet seien, dass kein Mikroplastik-Abrieb in die Natur gelange.

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