Neubiberg:Modernes Gegenstück zum Rathaus

Im Haus für Weiterbildung in Neubiberg sind die 17 Entwürfe für das neue Bürgerzentrum zu sehen. Die Architekten haben den Anschluss des Neubaus an das Bestandsgebäude völlig unterschiedlich gelöst.

Von Daniela Bode, Neubiberg

Dass es sich lohnt, für ein zentrales, wichtiges Gebäude-Ensemble in der Gemeinde einen Architektenwettbewerb auszuloben, zeigt das Beispiel von Neubiberg. Die Kommune hat für ihr Bürgerzentrum, also die Erweiterung des Rathauses, den Freiraum rundherum und eine Tiefgarage, 17 ganz unterschiedliche, teilweise auch überraschende Entwürfe bekommen, auf die ein Architekt allein so nicht gekommen wäre. Das gilt vor allem für den Anschluss zum Altbau, wie der Preisgerichts-Vorsitzende und Architekt Herbert Meyer-Sternberg bei der Eröffnung der Ausstellung der Entwürfe am Dienstag hervorhob. Die Ideen der Architekten sind noch bis 16. März im Haus für Weiterbildung zu sehen, am Dienstag, 13. März, findet von 19 Uhr an eine Informationsveranstaltung für Bürger statt.

Das 13-köpfige Preisgericht entschied sich für einen ersten und zwei dritte Preise. Welcher der drei umgesetzt werden wird, steht noch nicht fest. Nun stehen erst einmal Verhandlungen mit den drei Preisträgern an. Der bestplatzierte Entwurf von den Münchner Büros Spreen Architekten und Terra.nova Landschaftsarchitektur sieht südlich vom alten Rathaus versetzt einen länglichen Baukörper vor, der die Form des Rathauses mit Satteldach aufgreift. Es sei den Verfassern gelungen, den Erweiterungsbau "mit zeitgemäßer Architektursprache" umzusetzen, sagte Meyer-Sternberg.

Er sei dennoch harmonisch mit dem Altbau. Was dem Preisgericht an dem Entwurf ebenfalls gefiel: Der Sitzungssaal im eingeschossigen Verbindungsbau zwischen Rathaus und länglichem Baukörper kann unabhängig von den anderen Büros genutzt werden. Einen Mangel sah das Gremium zwar in der Zufahrt zur Tiefgarage in der Nähe der Fußgängerampel. Doch das kann noch geändert werden.

Einen der dritten Plätze vergab das Preisgericht an das Münchner Büro Thomas Hammer Architekten und den Landschaftsarchitekten Helmut Schmitt aus Reichertsheim. Gut gefiel den Jury-Mitgliedern an dem Entwurf, dass sich östlich an den Altbau ein "relativ bescheidener" zweigeschossiger Baukörper anschließen würde. Interessant fand das Gremium laut dem Preisgerichtsvorsitzendem auch die Idee, von der Hauptstraße aus eine Abfolge mehrerer Plätze samt Marktplatz vorzusehen. Argument dagegen war aber, dass der überdachte Markt den freien Blick auf das Rathaus versperren würde.

Der andere dritte Platz ging an die Berliner Büros Scheidt Kasprusch Architekten und Kubus Freiraumplanung. Obwohl der neue Verwaltungsbau ein dreigeschossiges Gebäude wäre und damit recht markant gegenüber dem Altbau, gefiel der Jury der Vorschlag. Denn weil "das Dach nach hinten abfällt", wie Meyer-Sternberg sagte, entstehe zwischen Alt- und Neubau kein so starker Unterschied. Den Preisrichtern sagte auch die unabhängige Nutzbarkeit des Sitzungssaals zu.

Drei weitere Entwürfe befand das Gremium für so gut, dass die Verfasser Anerkennungspreise erhielten. Bei dem Konzept der Büros Löhle Neubauer Architekten aus Augsburg und Ver.de Landschaftsarchitektur aus Freising ist für den neuen Verwaltungsbau ein fünfeckiges Gebäude östlich vom alten Rathaus vorgesehen. Die "nicht strenge Rechtwinkligkeit" sagte den Juroren zwar zu, nur sei damit eine schlechte Verbindung zum Altbau gegeben, wie Meyer-Sternberg sagte.

Für einen langgestreckten Baukörper mit Satteldach im rechten Winkel zum Rathaus entschieden sich das Architekturbüro Raumzeit und das Büro K1-Landschaftsarchitekten aus Berlin. Es würde ein großzügiger Rathausplatz entstehen. Kritisch sahen die Juroren wegen des geschlossenen Dachs den Saal im Obergeschoss. "Da würde man sich eingeschlossen fühlen", sagte der Preisrichter. Ebenfalls einen frei stehenden, fünfeckigen Erweiterungsbau haben sich die Büros Wörner Traxler Richter Architekten und Micheller und Schalk Landschaftsarchitektur aus München ausgedacht. Zwar würde ein klar strukturierter Platz entstehen, sagte der Preisrichter. Aber der Raumfolge von Rathausplatz, Vorplatz und Korridor zu Hauptstraße fehle die Spannung.

Mit Preisen bedachte das Gremium nicht unbedingt die Entwürfe, die am extravagantesten waren, sondern die die im Wettbewerb gestellte Aufgabe am besten erfüllten. Denn schaut man sich in der Ausstellung um, fällt ein Modell einem besonders ins Auge. Östlich vom Rathaus steht als Solitär ein modernes Gebäude in der Form eines Nierentischs, über einen gebogenen Gang mit dem alten Rathaus verbunden.

Doch beim Entwurf von den Architekten Beer Bembé Dellinger aus München und Terrabiota Landschaftsarchitekten aus Starnberg überzeugte die Juroren mehreres nicht. Einerseits passte der Bau mit seiner freien Form ihrer Ansicht nach nicht zu dem rechteckigen Rathaus. Zudem befanden sie, dass man beim Zugang zum Gebäude - das Obergeschoss ragt einige Meter über das Erdgeschoss hinaus - "im Dunkeln gelassen" werde.

© SZ vom 08.03.2018/wkr
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