bedeckt München 13°

Kunstverein Ottobrunn:Bilder über die Liebe

In der Ausstellung wurden einige Bilder verkauft, ein Erfolg für die Maler.

(Foto: Claus Schunk)

In der Jahresgaben-Ausstellung sind auch Gemälde von Geflüchteten zu sehen.

Von Cristina Marina, Ottobrunn

Bemalte Papierfiguren sind an Stäben befestigt, die Arme und Beine bewegen sich, sobald an den dünnen Metallfäden gezogen wird: So sehen die Protagonisten im "Theater des Lebens" aus, das Melat Johannes, Hossein Hosseini und ihre Kollegen in ihrem Malkurs erschaffen haben. Die 25-jährige Johannes stammt aus Eritrea, der 70-jährige Hosseini aus Afghanistan. Sie wohnen in der Gemeinschaftsunterkunft in Putzbrunn. Die Malerin Friederike Hofmann leitet dort seit zwei Jahren den Kurs an. Fünf Werke sind nun in der Jahresgaben-Ausstellung des Kunstvereins Ottobrunn bis 20. Dezember zu sehen. Davon waren auf der Vernissage am Donnerstag drei bereits nach einer Stunde verkauft.

"Ein schönes Zeichen an die jungen Künstler", sagt Helmut Buchwitz. Es zeige ihnen, dass nicht nur die Alteingesessenen erfolgreich sein können. Buchwitz ist selbst mit zwei Werken auf der Jahresgaben-Austellung vertreten: "Mobile Spuren" und "Spazieren gehen" - das erste abstrakt gehalten, eine weiß-grüne Reifenspur, das zweite naturalistisch, Maisfeld und Wald, beides in Pastellkreide gemalt. Der Haarer Künstler hatte im vergangenen Jahr eine eigene Ausstellung in Ottobrunn.

Die Geflüchteten hatten Themen wie "Leben", "Spiel", "Sicherheit" oder "Zukunft" behandelt. Diese Wörter stehen in verschiedenen Sprachen unter den Bildern. Als 2015 die ersten Flüchtlinge in der Unterkunft ankamen, sprachen sie kein Deutsch. Die Gemeinde fragte Friederike Hofmann, ob sie ihnen bei der Integration helfen könne. Malen würde auch den Spracherwerb voranbringen, war die Hoffnung der Gemeinde.

Wegen der vielen Dialekte fiel den Bewohnern auch untereinander die Verständigung schwer, erinnert sich Hofmann. Im Malkurs fingen sie an, sich über die Wörter auszutauschen: "Was ist für dich Liebe?". Die Themen haben sie interessiert, also klappte der Austausch auch. Die Kunst ersetzte eine gemeinsame Sprache. "Es sollte in erster Linie Freude machen", sagt Hofmann. "Dass trotzdem so etwas Gutes dabei herauskommt, wundert mich manchmal auch."

Zwischendurch kam Hofmann aber auch an ihre Grenzen. Sie vertrug es nicht gut, wenn ihr die Flüchtlinge von dem erlebten Leid erzählten. "Ich merkte, dass ich keine Traumatherapeutin bin", sagt sie heute. Seitdem schaue sie mit den jungen Künstlern vor allem auf die Zukunft.

Die Bilder verändern den Blick auf die anderen

Seit 20 Jahren gibt es den Kunstverein Ottobrunn. Etwa neun bis zehn "gute und sehr gute" Ausstellungen kuratiert der Verein jedes Jahr, so der Vorsitzende, Ewald Mertes. Die Jahresgaben-Ausstellung ist seit sieben Jahren eine von den "sehr guten". Dabei bieten Künstler ihre Bilder zu einem günstigen Verkaufspreis an. Praktisch würden sie die Bilder spenden, sagt Mertes. Der so erzielte Erlös kam bisher SOS-Kinderdörfern zugute - seit dem vergangenen Jahr geht das Geld an das Malprojekt für Flüchtlinge. Mit den Spenden werden die Materialkosten finanziert. Bei der feierlichen Übergabe auf der Weihnachtsfeier in der Gemeinschaftsunterkunft haben ihn die fröhlichen Gesichter, die Herzlichkeit, die "von Herzen kommende Dankbarkeit" tief berührt, erzählt Mertes. "Da haben wir beschlossen, damit weiterzumachen".

Der Erlös der Bilder in der Jahresgaben-Ausstellung des Kunstvereins kommt dem Malprojekt mit Geflüchteten zugute.

(Foto: Claus Schunk)

Die Jahresgaben umfassen knapp fünfzig Bilder in Öl, Acryl, Pastellkreiden oder Aquarell, die sich auf zwei Etagen erstrecken. Doch die Kunst der Flüchtlinge verändert den Raum und verschafft dem Besucher einen neuen Zugang zu den gezeigten Werken. Die naiv anmutenden Bilder verändern den Blick auf die anderen. Man nimmt sie aus einer anderen Perspektive wahr. Vielleicht aus der Perspektive der Fremde.

Die Jahresgabenausstellung in der Galerie "Treffpunkt Kunst", Ottobrunn, dauert bis zum 20. Dezember. Geöffnet ist die Galerie mittwochs bis freitag von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr.

© SZ vom 11.12.2017
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema