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Werbung für Warn-App:Wellenbrecher gegen Corona

Ernüchternde Bilanz: Nach Meinung von Ulrich Tausend nutzen viel zu wenig Menschen die Corona-Warnapp. Das brachte den Lichtkünstler und Medienpädagogen zusammen mit anderen Wissenschaftlern auf eine Idee.

(Foto: privat)

Ulrich Tausend hat mit anderen ein Youtube-Video entwickelt, in dem sie dazu motivieren, die Warn-App zu nutzen.

Von Annette Jäger, Gräfelfing

Nach rund 100 Tagen Corona-Warn-App sei die Bilanz ernüchternd, stellt Ulrich Tausend aus Gräfelfing im Gespräch mit einem Freund fest. Etwa 18 Millionen Mal wurde sie auf dem Smartphone installiert, aber 50 Millionen Deutsche könnten sie nutzen. "Wie können wir erreichen, dass es zum guten Ton gehört, die App zu nutzen?" fragten sich die beiden - so wie es bereits zum guten Ton gehöre, in die Armbeuge und nicht in die Hand zu husten.

Es war der Startschuss für eine Eigeninitiative: In nur drei Wochen hat der Medienpädagoge und Lichtkünstler gemeinsam mit Theresa Hannig aus Fürstenfeldbruck und Nils Simon aus Berlin, beide Politikwissenschaftler, das Youtube-Video Corona #Wellenbrecher kreiert, das dazu aufruft, die AHA-Regeln einzuhalten: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske. Tausend und seine Mitstreiter fügten ein drittes A hinzu: die App herunterzuladen, also AHAA. "Denn keiner hat Bock auf eine zweite Welle", sagt Tausend.

Saskia Esken mit Erkan und Stefan

Die Idee der privat initiierten Kampagne war, möglichst viele Mitstreiter zu gewinnen, die einen kurzen Text einsprechen und dazu motivieren, die AHAA-Regeln einzuhalten und auch zum Wellenbrecher zu werden. Über private Kontakte und soziale Medien haben sie in kürzester Zeit 50 Mitmacher gefunden. Darunter sind Politiker wie Saskia Esken (SPD-Parteivorsitzende), Toni Hofreiter (Bundestagsfraktionschef der Grünen), Thomas de Maizière (ehemaliger Innenminister), aber auch Youtuber wie Honeyball und Patrick Kren oder die Stand-up-Comedians Erkan und Stefan. "Gleich am ersten Tag wurde das Video etwa 10 000 Mal gesehen, das war ein Raketenstart", sagt Tausend. Inzwischen, nach neun Tagen Online-Verfügbarkeit, wurde das fast dreiminütige Video annähernd 30 000 Mal gesehen.

Neben vielen positiven Rückmeldungen erreichten die Video-Macher auch "unsinnige, bedrohliche oder rechtsradikale" Kommentare, so Tausend, Verschwörungstheoretiker waren darunter, auch Corona-Leugner. "Man macht sich angreifbar, das war klar", sagt der 41-Jährige, der jüngst Vater geworden ist. Er sei dafür, dass diskutiert werde, das sei wichtig für die Demokratie, genauso wie das Demonstrieren. Dass ihnen ständig vorgeworfen werde, Panik zu machen, kann er nicht teilen. Die Maßnahmen würden nichts kosten, seien aber effektiv. "Jeder kann etwas tun, es betrifft uns alle." Ihm gehe es darum, andere zum Mitmachen aufzurufen. Der gesellschaftliche Stresslevel sei niedriger, wenn man einfache Maßnahmen beherzige.

© SZ vom 29.09.2020 / jae/belo

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