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Weiterführende Schulen:Putzbrunn hebt die Hand

Unterricht

Alle Finger nach oben: Putzbrunn wäre grundsätzlich bereit, Standort für ein Gymnasium zu werden.

(Foto: dpa)

Die Gemeinde bewirbt sich offiziell um ein zusätzliches Gymnasium im Südosten des Landkreises.

Die Gemeinde Putzbrunn wird sich offiziell darum bewerben, Standort eines neuen Gymnasiums zu werden. Am Dienstagabend hat sich der Gemeinderat mehrheitlich dafür ausgesprochen, diesen Wunsch innerhalb des Zweckverbands weiterführender Schulen im südöstlichen Landkreis vorzutragen. Sollte die Gemeinde tatsächlich den Zuschlag erhalten, wäre sie der erste Gymnasialstandort ohne S-Bahn-Anbindung im Landkreis München. Die neue Schule soll 2025 in Betrieb gehen, wenn der erste Jahrgang des wieder eingeführten neunjährigen Gymnasiums das Abitur ablegen wird.

Dass der Bau weiterer Gymnasien im südöstlichen Landkreis in naher Zukunft dringend erforderlich ist, hatte Landrat Christoph Göbel (CSU) innerhalb des Zweckverbands vor wenigen Wochen deutlich gemacht. Die Gemeinderäte in Putzbrunn und Hohenbrunn sollten laut Göbel klären, ob die grundsätzliche Bereitschaft sowie die infrastrukturellen Voraussetzungen für ein Gymnasium in ihren Orten vorhanden seien. Göbel machte auch deutlich, dass die Zeit drängt: Die Wiedereinführung des G 9, der anhaltend hohe Zuzug in den Landkreis München und die hohen Übertrittsquoten erforderten den Bau neuer Gymnasien.

Bereits im Januar 2019 müsse sich der Zweckverband für einen der beiden Standorte entscheiden, um so schnell wie möglich in die konkreten Planungen einsteigen zu können, sagte Göbel. Denn nur wenn das Gymnasium zum Schuljahr 2025/26 in Betrieb geht, wird der Freistaat Bayern die Baukosten in Gänze übernehmen, die er aufgrund des Konnexitätsprinzips zu tragen hat.

Bürgermeister spricht von "starkem politischen Signal"

Der Entscheidung des Putzbrunner Gemeinderats zu dieser "prinzipiell positiven" Absichtserklärung, wie es in der Beschlussvorlage heißt, war eine intensive, teils heftig geführte Debatte vorausgegangen. Ein Beschluss pro Gymnasium sei zwar "unverbindlich", aber ein "starkes politisches Signal", sagte Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD). Er persönlich könne sich sehr gut vorstellen, dass die Gemeinde Standort eines Gymnasiums wird. Walter Hois von der Gemeinschaft pro Putzbrunn (GPP) konterte indes, er habe "Bauchschmerzen, jetzt eine Grundsatzentscheidung zu treffen". Ein solch weitreichender Beschluss brauche "die nötige Zeit, Vorberatung und Akribie", sagte Hois und regte einen Arbeitskreis oder Workshop an, "um Vor- und Nachteile abzuwägen".

Diesem Vorschlag erteilte Klostermeier mit Verweis auf den zeitlichen Druck eine klare Absage: "Die Entscheidung drängt. Ich kann Ihnen die Entscheidung heute nicht abnehmen." Unterstützung erhielt Klostermeier von CSU-Gemeinderat Eduard Boger. Der erklärte, dass er "nicht die Meinung eines Bürgerstammtischs abwarten" wolle und appellierte an die Kollegen: "Wir sollten jetzt ein positives Signal geben." Zustimmung kam auch aus Reihen der SPD, Grünen und FDP.

Eigene Grundstücke besitzt die Gemeinde nicht

Josef Jakob von den Freien Wählern warnte dagegen vor den "Folgekosten", die wie ein "Rattenschwanz" auf die Gemeinde zukommen könnten. "Dann brauchen wir vielleicht noch eine Grundschule und einen vierten Kindergarten", sagt er. Jakob stimmte mit den fünf Gemeinderäten der GPP gegen den Grundsatzbeschluss.

Ob die Gemeinde überhaupt das notwendige Grundstück für ein neues Gymnasium wird aufbringen können, steht allerdings noch nicht fest. Eigene Grundstücke besitzt die Kommune laut Klostermeier nicht. "Wir müssten also eines erwerben", sagte der Bürgermeister der SZ. Um welche Fläche es sich dabei handeln könnte, berieten die Gemeinderäte in nichtöffentlicher Sitzung. Klostermeier konnte daher nur bestätigen: "Es ist der Auftrag an mich ergangen, mit Grundstückseigentümern Gespräche zu führen."

Die Notwendigkeit eines neues Gymnasiums ergibt sich aus dem Schulbedarfsplan des Landkreises. Dieser sagt dem Zweckverband Südost, der die Gymnasien in Ottobrunn, Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Neubiberg unterhält, bis ins Jahr 2030 ein Plus von etwa 300 Gymnasiasten voraus - vorsichtig geschätzt. Da aber nur die Schule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn erweitert werden kann, muss neu gebaut werden. Ob sich Putzbrunn trotz eines fehlenden S-Bahn-Anschlusses als Standort tatsächlich eignet, wird im Januar entschieden.

© SZ vom 20.12.2018/hilb
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