Öffentlicher Nahverkehr:Der Wasserstoffbus ist wendig, aber gewöhnungsbedürftig

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Öffentlicher Nahverkehr: Martin Geldhauser, Hyundai-Nutfahrzeuge-Chef Martin Zeilinger und Josef Ettenhuber (von links) mit einem der Testbusse.

Martin Geldhauser, Hyundai-Nutfahrzeuge-Chef Martin Zeilinger und Josef Ettenhuber (von links) mit einem der Testbusse.

(Foto: Hyundai)

Busunternehmen im Landkreis testen Fahrzeuge aus Südkorea. Das erfordert einige Umstellungen für Fahrer und Schulkinder.

Von Angela Boschert, Brunnthal

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) verlangt, dass zunehmend mehr Fahrzeuge mit alternativen Antrieben eingesetzt werden. Im Zuge der Umstellung auf Elektro- oder wasserstoffbetriebene Fahrzeuge haben die Busunternehmen Geldhauser und Ettenhuber aus Brunnthal den Elec-City-Fuel-Cell-Bus des südkoreanischen Herstellers Hyundai getestet.

Geldhauser und Ettenhuber bedienen im Landkreis viele MVV-Linien und wollen von Oktober 2022 an Wasserstoffbusse einsetzen, wofür sie in ihren Betrieben entsprechende Tankstellen bauen. Sie nutzten die Gelegenheit, jeder einen Hyundai-Bus zu testen und stellten fest: Das Fahrerlebnis war großartig, die Bedienung jedoch gewohnheitsbedürftig, weil die in Serie produzierten Brennstoffzellenbusse nicht den hiesigen Normen entsprechen.

Bei beiden Unternehmen wurde der Bus als Schulbus eingesetzt, mit dem jeweiligen Firmenlogo versehen. Trotzdem habe sein Kraftfahrzeugmeister, der sich selbst hinters Steuer gesetzt hatte, die Kinder extra auffordern müssen einzusteigen, berichtet Busbetriebs-Geschäftsführer Josef Ettenhuber lachend. Weil der Bus so anders aussah, hatten sie sich nicht getraut.

Im Fahrzeug selbst gleichen die Rollgeräusche durch die Rotation der Achse und die Windgeräusche denen eines jeden anderen Busses. Die andere Motortechnik wird nicht spürbar. Bei langsamer Fahrt ist der Brennstoffzellenbus allerdings leiser. Ettenhubers Kfz-Meister war begeistert vom Fahrgefühl: Der Bus fahre sich toll, wie ein Pkw. Er sei wendig, schmal und habe eine gute Leistung. Problematisch seien "die Standards". So sei der Testbus kürzer und schmaler als hiesige Busse, folglich könnten weniger Fahrgäste befördert werden.

Auch ist der Fahrerarbeitsplatz "vollkommen anders als bei uns". So müsse man die Türen mit einem langen Hebel öffnen und nicht mit einem Druckknopf. Viele Kleinigkeiten hätten "nicht gepasst". Bei der Ausstattung - etwa aufgeständerte statt hängende Sitze - gebe es Abweichungen. Ettenhubers und Geldhausers Kfz-Meister haben den Hyundai-Bus genau unters Auge genommen, auch der MVV hat ihn inspiziert und getestet.

Hinsichtlich der Technik hat das Modell überzeugt. Es sei ein am Markt erhältlicher Bus, der zudem an der Autobahntankstelle am Irschenberg betankt werden könne. Doch stellten die Testfahrer verblüfft fest, dass die Tanköffnung links liegt und nicht wie üblich rechts. Nach dem kleinen Missgeschick beim Tanken fuhr der Bus gute 450 Kilometer, nahezu doppelt so weit wie ein Elektrobus mit einer Ladung. "Wir haben den Bus wegen seiner enormen Reichweite getestet", so Ettenhuber. In Südkorea ist er bereits seit 2019 im Einsatz und soll auf das Jahr gerechnet den Kohlendioxidausstoß um die gleiche Menge reduzieren, wie sie von 1500 Hektar Wald gebunden wird. Wie viele Busse dazu benötigt werden, besagt der Pressetext allerdings nicht.

Martin Geldhauser, der Geschäftsführer des gleichnamigen Busunternehmens, ist vom Nutzen der Wasserstofftechnik an sich überzeugt und dankbar, dass seine Firma als Privatunternehmen überhaupt testen konnte. Noch haben die Hyundai-Busse nicht die erforderlichen Maße und Ausstattung für hiesigen Betrieb, doch sind in diesem Jahr Demonstrationsfahrten mit vier weiteren Busunternehmen in Deutschland geplant.

Ob Hyundai vorhat, Wasserstoffbusse auf den hiesigen Markt zu bringen oder nur deren Brennstoffzellen-Technik, ist laut Ettenhuber unklar. Nach Aussage von Nutzfahrzeuge-Chef Martin Zeilinger will Hyundai mit dem Testbetrieb vor Ort beweisen, dass "wasserstoffbetriebene Busse eine praktikable und effiziente Lösung für den kommerziellen Personentransport darstellen."

Damit von Oktober 2022 an im ÖPNV klimafreundliche Busse fahren können, wie vom MVV gewünscht, holen die Busunternehmen Geldhauser und Ettenhuber jetzt europaweit Angebote zur Lieferung von geeigneten Wasserstoffbussen ein. Ob es dann portugiesische Caetano-Busse, belgische Van-Hool-Modelle oder die hybriden Fahrzeuge aus der bei der MVG bekannten polnischen Solaris-Fabrik sind, wird sich zeigen.

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Hofolding, Betriebsgelände / Busdepot der Firma Geldhauser, interkommunales Projekt ãHyBayernÒ,

Brunnthal
:Wasserstoff marsch!

Auf dem Gelände des Busunternehmens Geldhauser in Brunnthal wird eine öffentliche Tankstelle errichtet. Sie soll unter anderem klimafreundlichen Treibstoff für den Einsatz auf MVV-Linien bereitstellen.

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