Wakeboarden„Man muss es nur probieren wollen, und dann ist man begeistert“

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Elena Holzwarthat hat erst spät zum Wakeboarden gefunden und ist dennoch bereits zweifache Deutsche Vize-Meisterin.
Elena Holzwarthat hat erst spät zum Wakeboarden gefunden und ist dennoch bereits zweifache Deutsche Vize-Meisterin. (Foto: Sebastian Gabriel)

Sie sei eigentlich nicht besonders mutig, sagt Elena Holzwarth. Trotzdem zeigt sie waghalsige Sprünge auf dem Wasser. Die 46-Jährige aus Feldkirchen bei München ist vor Kurzem erneut Deutsche Vizemeisterin der Wakeboarderinnen in ihrer Altersklasse geworden.

Interview von Thomas Schimmer, Aschheim

Seit das Wakeboarden in den 1980er-Jahren in den USA und Australien aus dem Wasserski und Surfen heraus entstanden ist, gilt es eher als Nischensportart. In Deutschland erfreut sich das „Snowboarden im Wasser“ jedoch stetiger Beliebtheit. Nicht umsonst gibt es hier die meisten Cable-Anlagen der Welt, so nennt man die Konstruktionen, an denen Wakeboarder sich von einem Zugseil durch Seen ziehen lassen. Kürzlich wurde Elena Holzwarth Zweite bei der Deutschen Meisterschaft und das, obwohl sie erst spät zu dem Sport fand. Im Interview erklärt sie, wie sie ihn mit dem Job vereinbart, wie sie mit Verletzungen umgeht und warum Wakeboarden für sie „Lebenseinstellung“ ist.

SZ: Frau Holzwarth, Sie sind vor ein paar Wochen zum zweiten Mal in Folge Deutsche Vizemeisterin im Wakeboarden geworden, richtig?

Elena Holzwarth: Richtig, ich bin tatsächlich auch erst vergangenes Jahr zum ersten Mal mitgefahren. Ich habe einen Deal mit einer Freundin gemacht, die auch wakeboardet. Wir haben gesagt: entweder jetzt oder nie, und haben es einfach mal probiert. Man braucht immer ein paar Punkte, um sich überhaupt zu qualifizieren. Deshalb habe ich davor bei einem kleineren Contest in Sachsen-Anhalt teilgenommen. Da hatte ich gleich Glück und bin auf dem ersten Platz gelandet und so durfte ich dann bei der Deutschen Meisterschaft dabei sein.

Zum besseren Verständnis: Was macht man beim Wakeboarden eigentlich?

Ich sage immer, das ist wie Snowboarden auf dem Wasser. Der große Unterschied ist nur, dass man von einer Hantel mitgezogen wird. Es gibt zwei Arten, das Cable-Wakeboarden, was man hier in Aschheim sieht. Dabei wird man von einem Umlauf-Seil um den See gezogen. Und es gibt das Wakeboarden hinter dem Boot. Ich würde sagen, die Boot-Fahrer müssen mehr einstecken, was Einschläge angeht. Aber man kann natürlich über die Welle, die so ein Boot generiert, gut Sprünge und Drehungen machen.

Elena Holzwarth winkt während einer Trainingsrunde auf der Wassersportanlage in Aschheim.
Elena Holzwarth winkt während einer Trainingsrunde auf der Wassersportanlage in Aschheim. (Foto: Sebastian Gabriel)

Wie sind Sie zum Wakeboarden gekommen?

Ich habe Bekleidungstechnik studiert und arbeite als Business-Partnerin in der IT bei einer Firma in Putzbrunn. Ich bin 46 Jahre alt und fahre dementsprechend in der Ü-40 Kategorie mit. Eigentlich war es aber Zufall, dass ich beim Wakeboarden gelandet bin. Ich habe es eigentlich überhaupt nicht so mit Wasser. (lacht). Aber ich habe eine Schulfreundin, die schon ewig wakeboardet, und die hatte sich zum Geburtstag gewünscht, dass ich einen Anfängerkurs mache. Damit ich dann auch wirklich mit Begründung sagen könnte: „Das taugt mir nicht“. Aber das Gegenteil ist passiert: Es hat mich angefixt und ich war dann voll „in Love“. Das ist jetzt elf Jahre her. Tatsächlich habe ich meine ersten Runden genau an der Anlage in Thannhausen, an der dieses Jahr auch die Deutsche Meisterschaft war, gedreht.

Kommen Sie aus der Umgebung von Thannhausen?

Ursprünglich komme ich aus der Stuttgarter Gegend. Aber jetzt wohne ich mit meinem Freund in Feldkirchen bei München. Ich lebe also keine fünf Minuten von der Anlage in Aschheim weg und kann hierher radeln. Nach Thannhausen bin ich damals gekommen, weil meine Schulfreundin in Stuttgart wohnt, und wir haben uns in der Mitte getroffen.

Haben Sie vorher auch schon andere Sportarten betrieben?

Ich habe einige unterschiedliche Sachen ausprobiert. Aber ich sage mal, Wakeboarden ist für mich mehr als Sport, es ist eine Lebenseinstellung. Davor habe ich einige Jahre Taekwondo gemacht, bin immer Ski gefahren. Später bin ich dann durch das Wakeboarden zum Snowboardfahren gewechselt. Ansonsten Radfahren und alles, was man so macht. Das war aber nie wettkampfmäßig. Mich würde auch Mixed Martial Arts (MMA) interessieren. Damit haben einige von den Wakeboardern jetzt angefangen. Auch, weil es die Flexibilität und Beweglichkeit schult.

Die großen Hindernisse aus Plastik, auch Features genannt, auf der Cable-Anlage in Aschheim sind durchaus herausfordernd. Sie sollten nur mit genügend Vorbereitung befahren werden.
Die großen Hindernisse aus Plastik, auch Features genannt, auf der Cable-Anlage in Aschheim sind durchaus herausfordernd. Sie sollten nur mit genügend Vorbereitung befahren werden. (Foto: Sebastian Gabriel)

Sie haben sich vor dem Wakeboarden gerade nicht aufgewärmt. Aber es ist vermutlich generell wichtig, sich fit zu halten.

Ich habe mich heute tatsächlich vorher zu Hause warm gemacht. Sobald man viele Features (Hindernisse) fährt oder Tricks macht, sollte man sich aufwärmen und danach dehnen. Gerade die Bauchmuskeln werden bei den Sprüngen sehr beansprucht. Da ist es wichtig, Übungen zur Stärkung zu machen. Die Arme dagegen merke ich gar nicht mehr so, da bin ich die Belastung durch das Ziehen vom Zugseil schon ziemlich gewohnt.

Wenn Sie schon einige andere Sportarten ausprobiert haben, was fasziniert Sie denn so besonders am Wakeboarden?

Ich glaube, es ist eine Mischung. Wakeboarden ist einerseits Freundschaft für mich. Egal, wo man auf der Welt an eine Wakeboard-Anlage kommt, trifft man eigentlich Bekannte. Und es tönt irgendwo her: „Hey Elli, schön, dass Du da bist.“ Ich war mit dem Wakeboard schon auf Bali, in Thailand, Laos, Kambodscha und der Türkei, immer zum Trainieren. Es verbindet einfach wahnsinnig und man findet überall ein Zuhause. Das ist sicherlich eine Komponente. Das andere ist das Auseinandersetzen mit sich selbst. Man muss sich überwinden, neue Tricks anzugehen. Natürlich ist auch eine Verletzungsgefahr dabei. Ich habe mir schon blaue Augen geschlagen, mir das Trommelfell gerissen oder mich hier an der Anlage ausgeknockt. Mal läuft es gut und mal beschissen. Sich dann immer wieder dem zu stellen, weiterzumachen, auch wenn es schlechte Tage gibt, das hat mich immer fasziniert.

Ist das Nischendasein dieser Sportart auch ein Vorteil, wenn dadurch solch eine Gemeinschaft entsteht?

Ja, ich glaube schon. Dadurch, dass der Sport so klein ist, kennt man sich in der Szene. Tatsächlich kam ich in Bangkok, Thailand, an der Wakeboard-Anlage an und als Erstes hieß es: „Hey, Elli!“ Da stand dann Dominik Gührs hinter mir, mehrfacher Wakeboard-Weltmeister, der auch auch hier in Aschheim fährt.

Wakeboarden ist für Holzwarth eine „Lebenseinstellung“. Sie hat durch den Sport viele Freunde gefunden und schätzt die Gemeinschaft in der Szene.
Wakeboarden ist für Holzwarth eine „Lebenseinstellung“. Sie hat durch den Sport viele Freunde gefunden und schätzt die Gemeinschaft in der Szene. (Foto: Sebastian Gabriel)

Inwiefern hat der Sport Ihr Leben sehr zum Positiven verändert?

Ich würde sagen, ich bin wesentlich entspannter geworden. Ich habe das Wakeboarden in einer Zeit angefangen, wo ich persönlich viel im Umbruch war. Neuer Job, mehr Verantwortung, private Veränderung. Ich war sehr in diesem Kreislauf, viel arbeiten, Karriere machen. Ich habe meine Karriere nie geplant, aber irgendwie habe ich sie dann doch gemacht. Und der Sport hat mich geerdet. Es ist mir sehr wichtig, hier Zeit zu verbringen, Gemeinschaft zu erleben. Wir machen auch im Winter viel miteinander. Wir gehen dann Snowboarden, besuchen Events, treffen uns mal zum Abendessen oder zum Grillen. Und das ist mir ganz viel wert.

Wakeboarden ist ein saisonaler Sport. Macht man dann im Winter als Vorbereitung vor allem Kraftübungen?

Ja, ich gehe ins Fitnessstudio. Und Snowboarden. Aber ich bin auch ein Splitboarder (ein in der Länge teilbares Snowboard fürs Tourengehen, Anm. d. Red.). Ich gehe dann mit den Tourenski den Berg hoch, klicke sie zusammen und fahre dann mit einem Snowboard runter. Das machen einige von uns hier. Trampolinspringen haben wir nur einen Winter lang gemacht, dann waren zu viele verletzt. 

Wie gefährlich würden Sie Wakeboarden einschätzen? Zumindest hier auf der Anlage gilt ja eine Helmpflicht.

Ich sage mal so, man kann auch beim Duschen ausrutschen und sich den Hals brechen. Man sollte vielleicht realistisch einschätzen können, was man kann. Ich halte den Sport an sich jetzt nicht für besonders gefährlich. Wenn man vielleicht beim ersten Mal gleich Drehungen raushauen will, dann kann es schon wehtun. Und natürlich die Inverts, da erreicht man schon eine gewisse Höhe beim Springen. Misslingen sie, dann kann es wehtun. Aber deswegen gibt es die Helmpflicht und die Prallschutzwesten. Es braucht einfach Übung. Ich versuche, die Tricks in Teilschritten aufzubauen: dass man erst eine 180-Grad-Drehung macht, dann eine um 360 Grad und dann mehr.

Beim Wakeboarden kann es durchaus sein, dass man einiges einstecken muss. Elena Holzwarth bezeichnet sich trotzdem nicht als „super mutig“.
Beim Wakeboarden kann es durchaus sein, dass man einiges einstecken muss. Elena Holzwarth bezeichnet sich trotzdem nicht als „super mutig“. (Foto: Sebastian Gabriel)

Was muss man für ein Mensch sein, um zu Wakeboarden? Sollte man besonders mutig dafür sein?

Jetzt muss ich überlegen, was ich sage, weil ich eigentlich überhaupt kein super mutiger Mensch bin. Aber mich hat es einfach total gefesselt. Es hat mir so mega Freude gemacht und mich auch selber herausgefordert. Ich glaube, man muss es nur einmal probieren wollen und dann ist man begeistert. Davon bin ich überzeugt.

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Wie oft trainiert eine Deutsche Vizemeisterin?

Unterschiedlich. Also, ich versuche immer mindestens dreimal die Woche, wenn ich gut bin, viermal die Woche zu kommen. Es hängt natürlich bei mir auch immer ein bisschen am Job. Also, es kann auch mal sein, dass ich spontan beruflich weg muss. Ins Fitnessstudio, ich gebe es zu, gehe ich nur im Winter. Im Sommer bin ich da ein wenig faul. Aber was ich schon mache, ist EMS, laufen gehen, radeln, einfach Ausdauer trainieren. Das brauche ich als Ausgleich. Und dann wirklich Stretching, Yoga, dass der Körper flexibel bleibt.

Was ist der schwierigste Trick, den Sie je gemacht haben?

Wahrscheinlich schon der Raley, also der Inverttrick. An dem habe ich lange geübt, den sauber hinzubekommen. Aber auch Transfer-Sprünge, also wenn du von einem Rail zum anderen rüberspringst und dann mit Drehungen runterspringst. Das sind wohl die schwierigsten. Aber das gilt jetzt nur für mich. Es gibt natürlich noch ganz andere Level.

Holzwarth zeigt ihren anspruchsvollsten Trick: den Raley, einen sogenannten Invert-Trick, bei dem das Board über den Kopf der Fahrerin gebracht wird.
Holzwarth zeigt ihren anspruchsvollsten Trick: den Raley, einen sogenannten Invert-Trick, bei dem das Board über den Kopf der Fahrerin gebracht wird. (Foto: Sebastian Gabriel)

Wakeboarden ist eine relativ junge Disziplin. Ist mittlerweile ein Trend zu erkennen, dass die Sportart bekannter und beliebter wird?

Ja, also würde ich schon sagen. In München auf jeden Fall – durch das Munich Mash, bei dem Wakeboarden ja eine eigene Kategorie ist. Dann gibt es auch viele Red Bull-Contests, bei denen Wakeboarden als Disziplin mit dabei ist. Das sind schon spektakuläre Events. Da muss man zum Teil bei Red Bull unter Vertrag stehen, um mitzumachen. Es ist aber nicht leicht, davon zu leben, die meisten Athleten haben nebenher noch einen Job. Nur ein paar wenige haben durch Sponsorings vielleicht für eine gewisse Zeit ihrer Laufbahn die Möglichkeit, auch ihren Lebensunterhalt damit zu verdienen.

Was würden Sie machen, wenn Ihnen morgen ein Unternehmen ein Sponsoring anbietet?

Ich glaube, ich würde es nicht machen. Da kann ich einfach leistungsmäßig nicht mitfahren. Da wäre ich realistisch. Aber wenn die jetzt sagen würden: komm Elli, nur zwei Jahre lang, dann würde ich es mir überlegen (lacht).

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