Wahlbeobachter:Eine echte Wahl

Wahlbeobachter: Abdulmunaam Abdulhadi aus Syrien hat "seinen Traumjob" gefunden, wie er sagt.

Abdulmunaam Abdulhadi aus Syrien hat "seinen Traumjob" gefunden, wie er sagt.

(Foto: privat)

Der Syrer Abdulmunaam Abdulhadi schätzt die deutsche Demokratie

Protokoll von  Angela Boschert, Neubiberg

Abdulmunaam Abdulhadi kam nach mehrmonatiger Flucht aus dem vom Bürgerkrieg geschüttelten Syrien im Herbst 2015 nach Neubiberg. Der gelernte Polsterer und Schreiner hatte ein kleines Unternehmen in Damaskus und fand mit Hilfe des Asylhelferkreises Neubiberg schnell eine Arbeitsstelle. Seit 2020 hat er beim Einrichtungshaus Radspieler im Münchner Hackenviertel "seinen Traumjob" gefunden, wie er sagt. Der 47-Jährige lebt mit seiner Frau und vier Kindern in Neubiberg. Dass er in Deutschland nicht wählen darf, bedauert er sehr.

In Deutschland verfügt man über Mitbestimmungsrecht, da es hier freie, geheime, unmittelbare, faire und gerechte Wahlen gibt. Außerdem gibt es in Deutschland verschiedene Parteien mit unterschiedlichen politischen Ausrichtungen, über die sie selbst informieren. Also hat man tatsächlich verschiedene Auswahlmöglichkeiten. Das kenne ich so von Syrien nicht. Dort waren vor Kurzem Wahlen, aber keine fairen, freien und geheimen Wahlen wie hier in Deutschland. Es war von vorneherein bekannt, dass Diktator Baschar al-Assad gewinnen würde. Das war allen klar und daran ließ die Diktatur keinen Zweifel. Ich habe nichts davon gehört, dass in meinem Heimatland eine Art Wahlkampf geführt wurde, der fair und frei gewesen wäre.

In Deutschland sollte man sich vor der Wahl gut informieren, um sich einen Überblick zu verschaffen und dann sein Kreuzchen bei einer Partei zu setzen. Dürfte ich wählen, würde ich mich entsprechend intensiv informieren und dann eine sehr bewusste Entscheidung treffen. Ich möchte nicht sagen, welche Partei ich wählen würde, aber für mich ist natürlich wichtig, dass es meiner Frau und meinen vier Kindern gut geht und wir in Sicherheit hier leben können. Meine Kinder mögen weiterhin eine gute Schulausbildung erhalten und ihren Abschluss so gut schaffen wie meine älteste Tochter Rama, die Chirurgin werden will und sich mit Praktika vorbereitet, bis sie einen Studienplatz bekommt.

Fast ein Fünftel der Bevölkerung im Landkreis München sind keine deutschen Staatsbürger. Viele dieser Menschen leben schon lange hier, zahlen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Doch selbst wenn sie EU-Bürger sind, dürfen sie in Deutschland auf nationaler Ebene nicht wählen. An dieser Stelle erzählen bis Mitte September einige von ihnen, wie sie auf die Bundestagswahl blicken.

© SZ vom 06.09.2021
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