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Plädoyers im Solln-Prozess:Was sagen die Angeklagten?

Was sagen Sebastian L. und Markus Sch. selbst zu den Vorwürfen?

Markus Sch. hat eine Stellungnahme abgegeben, in der er zugibt, am S-Bahnhof Solln falsch reagiert zu haben. Er gesteht die Tat. "Mir tut der Tod des Herrn Brunner so unendlich leid, ich kann es nicht beschreiben." Dann reden nur noch seine Anwälte. Im Vergleich zu ihm ist der Mitangeklagte Sebastian L. gesprächsbereiter. Auch er entschuldigt sich vor Gericht für seine Tat - und beschreibt das Geschehen am Bahnsteig. Dominik Brunner, so Sebastian L. mit leiser, monotoner Stimme, habe seinen Kumpel Markus zuerst ins Gesicht geschlagen - eine Aussage, die später noch von Zeugen bestätigt wird. Möglicherweise könnte sich L.s Kooperation bei der Bewertung des Gerichts positiv auswirken.

Zur Tatzeit war Sebastian L. 17 Jahre alt. Wegen Drogenproblemen lebte er in einem Haus der Suchthilfeeinrichtung Condrobs. Sein Jugendpsychiater beschreibt ihn als jungen Mann mit geringem Selbstbewusstsein und einer ausgeprägten depressiven Störung. Der Tod seines Vaters hat ihn stark mitgenommen. Die Mutter ist ein Pflegefall.

Markus Sch., inzwischen 19 Jahre alt, hat eine enge Bindung zu seinem älteren Bruder aufgebaut. Als dieser ins Gefängnis muss, wird dies für Markus zu einer großen Belastung. Briefe an seinen Bruder zeigen, wie wichtig er für ihn als Bezugsperson ist: "Ich brauch' dich mehr als Essen und Trinken, mehr als Freiheit und Geld, ich stehe immer hinter dir, mein bester Freund, mein Vorbild, du bist alles, was ich habe", schreibt Markus Sch. Seinen Traum von einer Karriere als Rapper hat er auch im Gefängnis nicht aufgegeben. Das psychiatrische Gutachten spricht von kindlichem Verhalten.