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Vogelschutz:Zeit für den Kiebitz

Baden-Württemberg will biologische Vielfalt fördern

Der Kiebitz ist selten geworden.

(Foto: Sina Schuldt/dpa)

Wenn Landwirte im Frühling ihre Felder bestellen, kommt der Wiesenbrüter häufig unter die Räder. Fritz Blersch und Ross Hamilton wollen das verhindern - und werden jetzt vom Landkreis dafür geehrt.

Der Kiebitz ist ein treuer Gefährte. Wenn er sich an einem Ort wohlfühlt, kommt er zum Brüten zurück. Dennoch hat sich der früher in der Mooslandschaft bei Kirchheim, Feldkirchen, Aschheim und Ismaning in großer Zahl heimische Vogel mittlerweile rar gemacht. Vogelkundler befürchten sogar, dass der Kiebitz hier bald ganz verschwinden könnte. Fritz Blersch und Ross Hamilton vom Bund Naturschutz wollen das verhindern. Bei der Umweltehrung des Landkreises wurde ihr Engagement gewürdigt.

Ältere Kirchheimer erinnern sich daran, wie häufig der Kiebitz in den Wiesen rund um die Orte anzutreffen war. Er galt als Charaktervogel, der die Region prägte. Fritz Blersch wohnt seit 40 Jahren in Kirchheim und weiß, wie häufig der schöne, taubengroße Vogel mit der ihn kennzeichnenden Federholle bei Spaziergängen zu beobachten war. Auf 90 Exemplare wurde die Population einmal geschätzt. Heute, sagt Blersch, komme er auf vielleicht zwei, drei Brutpaare. Eine Ursache für den Rückgang sieht Blersch in der intensiv betriebenen Landwirtschaft, die dem Wiesenbrüter weniger Brutflächen lasse.

Idealerweise finden die Kiebitze im März, April noch Wiesen oder Äcker vor, die mit 20, 30 Zentimeter hohem Kraut bewachsen sind und gewissen Schutz für den Nestbau bieten. Bäume oder Büsche dürfen nicht zu nahe stehen, wenn sie sich niederlassen sollen, weil sie sonst Raubvögeln zur Beute werden könnten. "Sie wollen gerne auch Übersicht haben", sagt Blersch.

Bei Kirchheim nutzen die Kiebitze oft durch Ackerschollen aufgegrabenen Boden, in dem sie Schutz finden. Dort brüten sie dann Ende März und im April auf noch unbestellten, verkrauteten oder mit Vegetationsresten besetzten Flächen. Bei einer durchschnittlichen Brutzeit von 28 Tagen aber bräuchten sie noch Ruhe, wenn Landwirte anfangen, ihre Äcker zu bestellen. Viele Brutlegen werden zerstört.

Fritz Blersch und Ross Hamilton vom Bund Naturschutz (von links) sind für ihr Projekt "Kiebitzschutz im Moos" ausgezeichnet worden.

(Foto: Landratsamt)

Fritz Blersch und Ross Hamilton wollen das mit ihrem Projekt "Kiebitzschutz im Moos" verhindern. Doch ihre Möglichkeiten sind eingeschränkt. Sie informieren und suchen den Kontakt mit den Bauern, die sich auch aufgeschlossen zeigen, wie Blersch erzählt. Wenn sie ein Nest vorfänden, sagt er, dann markierten sie es mit weißen Stöcken, damit die Bauern herumfahren könnten. "Die Zusammenarbeit ist nicht schlecht", sagt Blersch, der auch Verständnis äußert für die Belange der Landwirte, die ja produktiv ihre Flächen bearbeiten müssten.

Gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr und anderen Naturschützern bauten Blersch und Hamilton eine so genannte Kiebitz-Seige. Seigen sind Wiesen-Mulden, die sich im Frühjahr und nach Hochwasser mit Wasser füllen. Dort finden die Vögel dann Nahrung und erhalten eine Trink- und Bademöglichkeit. Das war auch messbar erfolgreich, wie Blersch erzählt. Ein Bauer habe daraufhin erste Kiebitzeier dort entdeckt.

Dennoch sieht Blersch, der mit Ross Hamilton viel mit dem Fernglas auf Beobachtungstour unterwegs ist, einen langen Weg vor sich. Und er ist sich bewusst, dass sie gegen gewisse Standortnachteile kaum etwas machen können. Ausgerechnet der Münchner Flughafen hat sich als beliebtes Brutrevier für Kiebitze entwickelt, wo auf weiten Wiesen, die eingezäunt sind und so besonderen Schutz vor Füchsen bieten, mittlerweile 80 bis 90 Brutpaare heimisch geworden sind. Anders als dort müssten laut Blersch in landwirtschaftlich genutzten Bereichen Ausgleichszahlungen helfen, damit Bauern mehr für den Artenschutz tun könnten.