50 Jahre VHS Taufkirchen:Was Vorstädter wissen wollen

50 Jahre VHS Taufkirchen: Geblieben ist die Freude und das Engagement beim Einsatz für geistige und körperliche Fitness.

Geblieben ist die Freude und das Engagement beim Einsatz für geistige und körperliche Fitness.

(Foto: VHS Taufkirchen)

Vor 50 Jahren wurde die Volkshochschule Taufkirchen gegründet. Damals wandelte sich der Ort vom Bauerndorf zur quirligen Gemeinde. Das Verlangen nach Angeboten war plötzlich groß. Heute zählt man bis zu 10 000 Besucher in 500 Kursen.

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

In Deutschland muss sogar das Reklamieren gelernt sein. Und so sitzen an diesem Oktobervormittag fünf Frauen in Raum 1.4 und üben dort im Rahmen des Kurses "Deutsch als Fremdsprache" den korrekten Aufbau eines Beschwerdebriefs - von "1. Absender" bis "8. Unterschrift". Aus dem Zimmer nebenan ertönen derweil die ersten Klänge von "Hotel California": ein Zeichen, dass es gleich losgeht mit der Seniorengymnastik. Ein Stockwerk höher hört man erst Säuglingsgeschrei und sieht dann tiefenentspannte Frauen, die gerade aus "Pilates für Mutter mit Baby" kommen. Und zwei Türen weiter steht Nicole Beck in einer geräumigen Werkstatt inmitten von Lötkolben und Sägen und gibt ihren Kursteilnehmerinnen Tipps, wie sie ihren ganz persönlichen Schmuck schmieden können.

50 Jahre VHS Taufkirchen: Buntes Miteinander: Die Taufkirchner VHS feiert an diesem Montag ihren 50. Geburtstag.

Buntes Miteinander: Die Taufkirchner VHS feiert an diesem Montag ihren 50. Geburtstag.

(Foto: VHS Taufkirchen)

Willkommen in der Volkshochschule Taufkirchen am Ahornring, wo auch an einem gewöhnlichen Werktag schon vormittags reger Betrieb herrscht. Einer der Besucher, der nun im großen Vortragssaal sitzt, ist Anton Schonlau. Der 77-Jährige ist heute weder fürs Goldschmieden noch wegen Pilates hierhergekommen, sondern um zu erzählen. Über die Taufkirchner VHS, die an diesem Montag ihren 50. Geburtstag feiert und deren Anfänge Anton Schonlau nicht nur miterlebt sondern auch mitgeprägt hat. "Es ist großartig zu sehen, wie sich die Volkshochschule in den letzten 50 Jahren entwickelt hat", sagt der gebürtige Münchner, der 1971 nach Taufkirchen zog - just im Gründungsjahr der VHS.

50 Jahre VHS Taufkirchen: Geblieben ist die Freude und das Engagement beim Einsatz für geistige und körperliche Fitness.

Geblieben ist die Freude und das Engagement beim Einsatz für geistige und körperliche Fitness.

(Foto: VHS Taufkirchen)

Sein einstiger Klassenkamerad Peter Seebauer - später erster Vorsitzender der Volkshochschule - habe sich seinerzeit mit einigen Initiatoren zusammengetan, erzählt Schonlau. Zu ihnen zählten der damalige Bürgermeister Josef Geisenhof, sein Nachfolger Walter Riedle sowie er selbst, der den Posten als Zweiter Vorsitzender übernahm. "Diese Gruppe sehr interessierter Leute", so sagt es Schonlau, sei der Meinung gewesen, dass Taufkirchen eine Volkshochschule brauche. Schließlich erlebte die Gemeinde damals einen rasanten Wandel: Durch die Siedlung Am Wald wuchs die Bevölkerungszahl binnen weniger Jahre von 1600 auf mehr als 10 000; aus einem beschaulichen Bauerndorf wurde eine quirlige Vorstadtgemeinde - im Blitztempo. "Es gab eine bescheidene Infrastruktur mit einer Schule und einem Kindergarten", erzählt Schonlau. "Aber es brauchte noch was für die körperliche Ertüchtigung - und für die geistige Ertüchtigung." Und so wurden 1971 der Sportverein DJK Taufkirchen sowie die VHS aus der Taufe gehoben; ein Jahr später folgte die Nachbarschaftshilfe.

50 Jahre VHS Taufkirchen: Anfangs lebte die Volkshochschule vor allem vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder.

Anfangs lebte die Volkshochschule vor allem vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder.

(Foto: VHS Taufkirchen)

Anfangs lebte die Volkshochschule vor allem vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder. Die ersten Angebote seien Sprachkurse, Stenografie und Zehnfingerschreiben gewesen, erzählt Silvia Engelhardt, die seit 2015 die VHS leitet und anlässlich des Jubiläums die alten Programmhefte durchforstet hat. Zudem habe es Flötenkurse für Kinder gegeben - mithin der Stein des Anstoßes, der zur Gründung der Musikschule einige Jahre später führte. Schon in den 1970er-Jahren sei das Angebot sukzessive erweitert worden, sagt Silvia Engelhardt. 1978 bezog die VHS ihr erstes festes Büro im Alten Rathaus; Ende der 1980er-Jahre fand die Einrichtung dann zusammen mit Nachbarschaftshilfe und Musikschule ein dauerhaftes Zuhause in der Grundschule am Wald. Zu jener Zeit war Anton Rottenkolber bereits hauptamtlicher VHS-Leiter; der Pädagoge und Volkskundler prägte die Volkshochschule 28 Jahre lang bis zu seinem Ruhestand 2015.

50 Jahre VHS Taufkirchen: Die Impressionen aus fünf Jahrzehnten Volkshochschul- leben in Taufkirchen zeigen, dass sich Mode und Technik ändern.

Die Impressionen aus fünf Jahrzehnten Volkshochschul- leben in Taufkirchen zeigen, dass sich Mode und Technik ändern.

(Foto: VHS Taufkirchen)

Der Einrichtung sogar schon seit fast 40 Jahre verbunden ist Hildegard Rudolph. Sie zog 1982 nach Taufkirchen und gab zwei Jahre später ihren ersten Spanischkurs an der VHS. "Ich hatte Sprachen studiert und wollte etwas machen, das sich auch mit den Kindern vereinbaren ließ", sagt die heute 68-Jährige. "Da hat sich der Unterricht an der Volkshochschule angeboten." Seit jener Zeit ist der Mittwochabend bei Hildegard Rudolph fest für die VHS reserviert. Anfangs unterrichtete sie in der heutigen Mittelschule; inzwischen findet ihr Kurs im VHS-Gebäude am Ahornring statt, das 2003 eröffnet wurde und einen Meilenstein für die Einrichtung darstellte.

Heute besuchen bis zu 10 000 Menschen pro Jahr die circa 500 Kurse und Veranstaltungen der VHS. Das Gros davon stamme aus der Gemeinde, sagt Silvia Engelhardt. Doch auch aus den Nachbarorten wie Unter- und Oberhaching und sogar aus München verzeichne man Anmeldungen.

Wobei sich die genannten Besuchszahlen aufs Jahr 2019 beziehen - also auf eine Zeit, in der die meisten Menschen das Wort Corona noch wahlweise mit der Sonne oder mit Bier in Verbindung brachten. Die Pandemie habe auch der Volkshochschule zugesetzt, räumt Silvia Engelhardt ein. Entsprechend sei ihr Wunsch zum 50. Geburtstag, "dass wir uns nach Corona wieder stabilisieren", sagt die VHS-Leiterin. "Und das wird eine Riesenaufgabe."

Die Volkshochschule Taufkirchen lädt anlässlich von 50 Jahren VHS am Montag, 25. Oktober, zum Jubiläumsfest im Kultur- und Kongresszentrum ein. Es werden musikalische Einlagen geboten und der Autor und Entertainer Rolf-Bernhard Essig tritt auf. Los geht's um 18 Uhr; um Anmeldung per E-Mail an info@vhs-taufkirchen.de wird gebeten.

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