Verkehrsüberwachung:Oberhaching blitzt auch

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Verkehrsüberwachung: In Hohenbrunn und anderen Gemeinden des Landkreises stehen die Blitzgeräte des Zweckverbandes schon länger regelmäßig an der Straße.

In Hohenbrunn und anderen Gemeinden des Landkreises stehen die Blitzgeräte des Zweckverbandes schon länger regelmäßig an der Straße.

(Foto: Claus Schunk)

Die Gemeinde war lange ein weißer Fleck auf der Karte des Zweckverbandes für die kommunale Überwachung. Jetzt will auch sie durch zusätzliche Kontrollen gegen Raser vorgehen

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Rasen kann im Oberland schnell teuer werden. Wirft man einen Blick auf die Karte des für die Verkehrsüberwachung zuständigen Zweckverbands, wird klar: Es gibt südlich von München nur noch wenige weiße Flecken, in denen die Mitarbeiter des Dienstleisters nicht ihre Geräte aufbauen, um für die Gemeinden Verkehrssünder zur Kasse zu bitten. Einer davon war bislang Oberhaching. Hier wurden nur Strafzettel für Falschparker verteilt, aber zu schnelles Fahren nicht geahndet. Das soll nun anders werden. Der Gemeinderat sprach sich am Dienstagabend für eine zunächst zweijährige Zusammenarbeit mit dem Zweckverband aus.

Lange hatte man in Oberhaching gedacht: Das brauchen wir nicht. Auch Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) war in der Vergangenheit der Ansicht, auf solche Kontrollen verzichten zu können. Natürlich gab es immer mal Beschwerden über Autofahrer, die zu flott unterwegs waren, von Paket-Ausfahrern, die Geschwindigkeitslimits ignorierten wurde berichtet und über Leute geschimpft, die sich nicht an das nahezu im gesamten Ort geltende Tempo 30 hielten. Ein Erlebnis allerdings, so Schelle, habe ihn zum Umdenken gebracht.

Als sich der Bürgermeister vor einiger Zeit mit dem Taxi von der Wiesn nach Hause bringen ließ, wunderte er sich doch etwas über den rasanten Fahrstil seines Chauffeurs. "Hier ist fei Tempo 30, habe ich ihm gesagt", erzählte Schelle, der Fahrer allerdings ging deswegen nicht vom Gas, sondern erläuterte dem verdutzten Rathauschef: "Oberhaching nix blitzen." Jetzt hofft Schelle, dass es sich bei den Fahrern herumspricht, dass Oberhaching doch blitzt. Die Gemeinde befindet sich damit in guter Gesellschaft, auch Sauerlach, Aying, Brunnthal, Hohenbrunn, Höhenkirchen-Siegertsbrunn und weitere im Landkreis München schauen den Rasern nicht tatenlos hinterher.

Dass die Gemeinden mit der Verkehrsüberwachung einen Zweckverband beauftragen, liegt daran, dass die Polizei dies nicht leisten kann. In der jüngsten Sitzung des Oberhachinger Umwelt- und Verkehrsausschusses hatten zwei Vertreter der zuständigen Unterhachinger Polizeiinspektion bestätigt, dass aufgrund der begrenzten Zeit-und Personalressourcen zusätzliche Kontrollen nicht möglich seien.

Die übernimmt nun der Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland (ZKD), eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, deren Ziel es ist, die Sicherheit im Verkehr zu erhöhen. Hierzu ahnden und verfolgen die Mitarbeiter Ordnungswidrigkeiten in gleicher Weise wie die Polizei. Alle vereinnahmten Verwarn-und Bußgelder werden zu hundert Prozent an die Kommune weitergeleitet.

Überzeugt von der Arbeit des ZKD hat Schelle zudem eine Erzählung aus Otterfing. Auch dort setzt man seit einigen Jahren auf die Dienstleistung des Zweckverbands, um Raser einzubremsen. Tempo 40 gilt auf einem Streckenabschnitt und ein "bekannter Landwirt", so Schelle, sei dort geblitzt worden, als er exakt 40 fuhr. Weil der das nicht glauben konnte, wendete er und fuhr erneut mit Tempo 40 in die Radarfalle. Er drehte ein zweites Mal um für einen erneuten Test und wurde abermals geblitzt, diesmal mit Tempo 35. Stocksauer soll er gewesen sein. "Er stieg dann aus und beschwerte sich. Da hat man ihm gesagt: Wir blitzen auch, wenn jemand nicht angeschnallt ist", erzählte Schelle dem Gemeinderat, noch immer sichtlich belustigt.

5000 Euro lässt sich die Gemeinde diese "Zweckvereinbarung" mit dem Zweckverband nun im Jahr kosten. Nicht alle im Gemeinderat finden, dass das Geld gut angelegt ist. Martin Schmid (CSU) etwa ist nicht der Meinung, dass man die Autofahrer zur Kasse bitten sollte. Vor allem fragt er sich: "Wenn ich Tempo 30 fahre und der Radfahrer überholt mich dann mit 40, was dann?" Die schnellen Rennradler, die ständig ein Thema sind in Oberhaching, kann die Kommunale Verkehrsüberwachung wohl kaum ausbremsen. Schließlich gibt es für Fahrräder keine Kennzeichnungspflicht. Allerdings hatte sich eine Mehrheit im Verkehrsausschuss für die Forderung einer Identifizierungsmöglichkeit ausgesprochen.

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