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Verkehrspolitik:Parallel-Planungen im Münchner Osten

Die Bundesstraße 471 verbindet Putzbrunn, Haar, Feldkirchen und Aschheim und führt mitten durch die Orte. Das Foto zeigt den Abschnitt beim Haarer Gemeindeteil Ottendichl.

(Foto: Claus Schunk)

Während SPD-Politiker die Verlegung der B 471 aus Feldkirchen, Haar und Putzbrunn fordern, propagieren die Grünen den Bau von Radschnellwegen.

Mit der Diskussion um mögliche Lkw-Fahrverbote auf der Bundesstraße 471, die von den Bürgermeistern der Gemeinden Aschheim, Feldkirchen, Haar und Putzbrunn angestoßen worden ist, rückt auch ein Infrastrukturprojekt wieder in den Fokus: der Bau einer Autobahnparallele als Entlastungsstraße für die B 471 und die Ostumfahrung der A 99. Zuletzt hat Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) darauf gedrungen, die Planungen für eine neue Trasse als Parallelstraße zur A 99 sowie eine Rückstufung der B 471 voranzutreiben. Dies würde das Ortszentrum entlasten, sagte die Rathauschefin.

Gegenwind erhält Müller nun vom Haarer Grünen-Bürgermeisterkandidaten Ulrich Leiner. Zwar unterstützt Leiner den Vorstoß der vier Bürgermeister für Lkw-Fahrverbote auf der B 471 zu Hauptverkehrszeiten, in die neu aufgeflammte Begeisterung für eine Autobahnparallele aber will der Grüne nicht einstimmen. Seit 25 Jahren werde den Menschen in Haar suggeriert, die Schnellstraße neben der Autobahn könne zu einer Verkehrsentlastung auf der B 471 führen, sagt Leiner. Vor allem wenn es auf eine Kommunalwahl zugehe, werde das "Projekt wieder in den Vordergrund geredet".

Leiner schlägt stattdessen alternative Konzepte vor: Statt Autoschnellwegen sollten Radschnellwege in Haar und der Umgebung gebaut werden; diese könnten rascher realisiert werden und würden laut Leiner "den motorisierten Verkehr für alle spürbar verringern statt nur verlagern". Zudem sollte es einen "unüberhörbaren Vorstoß" für einen durchgehenden Zehn-Minuten-Takt auf der Strecke der S-Bahn-Linien S 4 und S 6 geben, sagt Leiner. "Vielleicht müssten wir am Ende den Haarer Bannwald doch nicht für die Zweitautobahn roden", hofft der Grünen-Bürgermeisterkandidat.

Dass es längst an der Zeit sei zu handeln, findet auch der Fraktionssprecher der SPD im Haarer Gemeinderat, Alexander Zill. "Die B 471 muss raus aus den Orten, und solange dies nicht möglich ist, muss zumindest der Verkehr reglementiert werden", fordert Zill. Die Idee, eine Autobahnparallele zu schaffen, sei dabei nicht neu, ergänzt der Fraktionschef, brächte seiner Meinung nach aber Vorteile mit sich: Der Weg für einen Radschnellweg von Aschheim bis Putzbrunn entlang der dann alten B 471 wäre frei - "ein erster Schritt weg vom Automobil", sagt Zill.

Gleichzeitig wäre der Transitverkehr "außen vor den Orten - die Anwohner werden es danken". Dies könnte, so der SPD-Fraktionssprecher, Signalwirkung über die Gemeinde Haar hinaus haben: "Denn dann könnten Fahrverbote im gesamten Landkreis wegweisend werden.

Die Autobahnparallele indes ist kein Hirngespinst von Kommunalpolitikern. Bereits im Jahr 2005 gab es ein Raumordnungsverfahren der Regierung von Oberbayern, das dem Abschnitt nördlich der B 304 in Richtung Feldkirchen und Aschheim samt einer Anbindung der Messestadt enormes Potenzial beschied. Der südliche Abschnitt nach Putzbrunn und Hohenbrunn, hieß es damals, könne allerdings nur bei einer gleichzeitigen Rückstufung sowie "Sperrungen im Verlauf der B 471 für den motorisierten Individualverkehr" realisiert werden. In der Folge wurden die Pläne verworfen; im vergangenen Jahr hat der Landkreis aber eine neue Machbarkeitsstudie für die Autobahnparallele in Auftrag gegeben. Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Für die Verlegung der B 471 spricht sich die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche von der SPD aus. Nur so könnten die betroffenen Gemeinden entlastet sowie schnelle Busspuren und Radschnellwege zwischen Aschheim und Haar realisiert werden. Die Haltung der Grünen kritisiert Ganssmüller-Maluche: Es sei nicht nachvollziehbar, einerseits Lkw-Fahrverbote zu fordern, andererseits aber die Autobahnparallele abzulehnen. Das Beispiel Aschheim zeige, dass die Verlegung der B 471 einen Ort entlasten könne, sagt die Ismaningerin. Dort ist mit der Ortsumfahrung bisher der einige Teilabschnitt der Parallele verwirklicht.

Pläne für die Nutzung der alten B 471 nach einer Verlegung gibt es mittlerweile zuhauf: Neben Radschnellwegen oder Expressbus-Linien brachten Müller und ihre Bürgermeisterkollegen Thomas Glashauser (Aschheim, CSU), Werner van der Weck (Feldkirchen, SPD) und Edwin Klostermeier (Putzbrunn, SPD) im vergangenen Jahr auch den Bau einer Stadt-Umland-Bahn ins Gespräch.

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