Verkehr:Lieber langsam schweben als schnell fahren

Seilbahn in La Paz

Vielerorts werden Seilbahnen schon als Verkehrsmittel eingesetzt. Das Bild zeigt ein Beispiel aus La Paz.

(Foto: dpa)

Eine Umfrage der Bundeswehr-Universität bescheinigt Seilbahnen hohe Akzeptanz als Verkehrsmittel.

Von Christina Hertel, Neubiberg

Eine Seilbahn - zum Beispiel über die Isar, durch das Hachinger Tal oder zum Oberschleißheimer Uni-Campus - käme bei den Menschen gut an. Das zeigt eine Umfrage des Verkehrsexperten Klaus Bogenberger von der Universität der Bundeswehr in Neubiberg vom Sommer, deren Ergebnisse nun vorliegen. Eine große Mehrheit spricht sich demnach dafür aus, eine Seilbahn im Raum München nutzen zu wollen. Die meisten würden eine Fahrt in einer Gondel die in einem Bus vorziehen - die Hälfte sogar dann, wenn es länger dauern würde.

Bogenberger und sein Team befragten zwischen Mai und Juni mehr als 700 Personen. Und offensichtlich kommt für sie eine Seilbahn als Alternative zu U-Bahn oder Bus in Frage: 87 Prozent gaben an, dass sie eine Seilbahn nutzen würden. 7,3 Prozent der Umfrageteilnehmer fahren generell nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Und lediglich 5,7 Prozent sprachen sich gegen eine Seilbahn aus. Als Hauptgründe für die Ablehnung nannten die Befragten eine Zerstörung des Stadtbilds und Höhen- beziehungsweise Platzangst.

Möglichst ohne Umsteigen

Das Team der Bundeswehr-Uni zeigte den Umfrageteilnehmern außerdem verschiedene Verkehrsszenarien mit und ohne Seilbahn auf der Strecke zwischen Oberwiesenfeld und Studentenstadt auf. Bei gleich langer Fahrtdauer gaben 85 Prozent der Befragten an, für diesen Weg lieber eine Seilbahn als einen Bus zu nehmen. Selbst wenn der Bus bis zu sechs Minuten schneller wäre, würden immer noch die Hälfte eine Seilbahn bevorzugen. Knapp ein Drittel wäre dazu bereit, mit der Seilbahn einmal mehr umzusteigen, um eine Busfahrt zu vermeiden. Die höchsten Zustimmungswerte von mehr als 90 Prozent erreichte die Seilbahn, wenn durch sie ein Umstieg vermieden werden könnte.

Seilbahnen sind derzeit in mehreren Kommunen im Landkreis im Gespräch. Zwischen Pullach und Grünwald etwa wird eine Seilbahnverbindung anstelle einer Fuß- und Radwegbrücke über die Isar geprüft. Auch eine Seilbahn durch das Hachinger Tal ist denkbar. In München wird eine Machbarkeitsstudie für eine Seilbahn am Frankfurter Ring vorbereitet. Und auch der Landkreis Dachau möchte ein Pilotprojekt realisieren und eine Seilbahn vom Dachauer Bahnhof in die Landeshauptstadt schaffen. Die Route könnte über Oberschleißheim laufen. Die bisherige Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte einen Stop am Schleißheimer Uni-Campus zumindest auf dem Merkzettel.

Seilbahnen sind schneller als die Tram

Vor etwa einem Jahr präsentierte Harry Wagner, Professor für Mobiltätsmanagement an der Technischen Hochschule in Ingolstadt, im Münchner Kreistag die Vorteile von Seilbahnen: Der Bau sei günstiger - pro Kilometer Seilbahn würden etwa acht Millionen Euro anfallen. Ein Kilometer Autobahn koste zwischen 20 bis 150 Millionen, beim U-Bahnbau würden bis zu 250 Millionen Euro pro Kilometer fällig. Außerdem komme man mit einer Seilbahn deutlich schneller voran: 21 Stundenkilometer schaffe man damit, in der Tram seien es nur 19 Stundenkilometer.

Damals betonte Verkehrsexperte Harry Wagner auch, wie wichtig es sei, die Bevölkerung mitzunehmen: "Sonst kann das nicht funktionieren", sagte er. Die Umfrage der Bundeswehr-Universität zeigt nun: An der Akzeptanz scheitert solch ein Projekt wohl nicht.

© SZ vom 24.10.2018
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