Verkehr:Im Zweifel für die Machbarkeitsstudie

Der Landkreis lässt die umstrittene Idee einer Autobahnparallele zur A 99 nun doch prüfen

Von Stefan Galler, Landkreis

Der Landrat machte einmal mehr kein Hehl aus seiner Meinung: "Ich glaube nicht, dass diese Straße das Allheilmittel für die Verkehrsprobleme ist. Um ehrlich zu sein, glaube ich, sie kommt nie", sagte Christoph Göbel (CSU) am Montag im Verkehrsausschuss des Kreistags über eine mögliche Parallele zur A 99, die die bisherige Bundesstraße 471 ersetzen könnte. Die Hoffnung der Befürworter ist seit mehreren Jahrzehnten, dass eine solche Autobahnparallele die Ortsdurchfahrten im östlichen Landkreis vom Schwerlastverkehr entlasten könnte.

Auch wenn Göbel nicht an eine Realisierung glaubt, so will er doch "allem nachgehen", das das Verkehrsproblem lindern könnte. Und zwar weil er sich "in jeder Bürgerversammlung und in jedem Bürgermeistergespräch mit dem ständigen Wunsch und Anliegen der Gemeinden" konfrontiert sehe, die immer heftigere Verkehrssituation abzumildern. Deshalb hat sich auch der Landrat der Mehrheit im Ausschuss angeschlossen und dafür ausgesprochen, eine Machbarkeitsstudie zu einer solchen Autobahnparallele in Auftrag zu geben. Sie soll endlich alle Fragen beantworten, wie Göbel in der Sitzung sagte: "Geht es überhaupt? Und wenn ja, wo und wann und zu welchem Preis?"

Nachdem die Studie zu Hochzeiten der Corona-Krise im vergangenen Jahr noch verschoben worden war, um den Landkreis und die betroffenen Kommunen nicht zusätzlich finanziell zu belasten, soll sie nun also kommen - 400 000 Euro sind dafür veranschlagt. Die Kosten werden je zur Hälfte zwischen dem Landkreis auf der einen und den Gemeinden Feldkirchen, Grasbrunn, Haar, Hohenbrunn, Kirchheim und Putzbrunn auf der anderen Seite aufgeteilt. Auf eine Kostenbeteiligung von Aschheim, Ismaning, Ottobrunn, Unterföhring und Vaterstetten wird verzichtet, weil diese Kommunen nicht im direkten Umgriff einer solchen möglichen zukünftigen Entlastungsstraße liegen.

Einige Kreispolitiker sehen die Autobahnparallele so skeptisch, dass sie auch eine Machbarkeitsstudie für überflüssig halten. "Vor 28 Jahren haben wir diese Straße schon auf den Weg gebracht. Während sie damals sinnvoll war, ist die Frage, ob sie heute noch zeitgemäß wäre", sagte etwa Otto Bußjäger (Freie Wähler). Detaillierte Planungen gebe es bereits, dafür brauche es keine Studie, sagte der frühere Grasbrunner Bürgermeister, zumal der Kreis ja überhaupt nicht zuständig sei: "Den Schuh der Zwangsbeglückung sollten wir uns nicht anziehen. Das ist alter Wein in alten Schläuchen."

Göbel ergänzte, dass die Zuständigkeit für die neue Straße tatsächlich eher bei Freistaat oder Bund liege, aber die bisherige B 471 in diesem Fall womöglich zu einer Kreisstraße zurückgestuft werde und dann sehr wohl in die Verantwortung des Kreises fallen würde. Der Grüne Frank Sommer betonte dennoch, dass es absurd sei, eine Studie für eine Straße auf den Weg zu bringen, "die wir nicht als Baulastträger verantworten".

Neben den Freien Wählern und den Grünen stimmte auch Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern gegen die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie: "Auch wenn jede Kommune den Verkehr aus ihrem Ort raushaben will, ist eine weitere Straße aus meiner Sicht der falsche Ansatz", sagte der CSU-Politiker und wies auf die dafür nötige weitere Versiegelung von Grünflächen hin. "Die Autobahnen müssen stattdessen weiter ertüchtigt werden", sagte Kern und meinte damit nicht nur den achtspurigen Ausbau der A 99, sondern auch die A 8, die seiner Meinung nach vom Kreuz München-Süd bis nach Holzkirchen verbreitert werden sollte. "Das wäre eine gute Lösung. Und für den entsprechenden Schallschutz wäre dann wieder der Bund zuständig", so Kern.

© SZ vom 16.06.2021
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