Verkehr:Ich glaube, ich steh' im Schilderwald

Neue Fahrradstraße in Ottobrunn

Fahrradstraßen, wie sie Oberhaching aktuell diskutiert, sind in der Regel auch für Autos geöffnet.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Das Beispiel Oberhaching zeigt, wie schwierig es ist, Radfahrern Vorrang einzuräumen - und welche Folgen das hat

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Es gibt echte und unechte Fahrradstraßen. Das klingt kompliziert und das ist es auch. Auf einer unechten Fahrradstraße dürfen nämlich auch Autos oder zumindest Anlieger fahren, Fahrräder sollten trotzdem Vorrang haben. Oberhaching erwägt, die Linienstraße und die anschließende Sauerlacher Straße zu solchen unechten Fahrradstraßen zu machen. Im Rathaus ahnte man aber bereits, dass es nicht reichen wird, einfach ein blaues Radsymbol auf den Asphalt zu malen, daher hat die Gemeinde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Die liegt jetzt vor und bestätigt: So einfach ist das alles nicht. Obwohl sich durch eine solche Umwidmung für die Verkehrsteilnehmer wenig ändern würde, außer dass Radfahrer offiziell nebeneinander fahren dürfen, ließe sich das von heute auf morgen nicht umsetzen.

Insgesamt 48 Seiten hat das Verkehrsplanerbüro Gevas am Dienstagabend dem Oberhachinger Umwelt- und Verkehrsausschuss vorgelegt, jeder Abschnitt, jeder Parkplatz, jede Hauseinfahrt, sämtliche Straßenbreiten, alle Grünstreifen - von der Kugleralm bis zur Einmündung der Sauerlacher Straße in die Dietramszeller Straße wurden untersucht, immer der Bahn entlang, etwa 3,6 Kilometer. Als besonders problematisch werden von den Anwohnern an dieser Strecke die Radfahrer gesehen.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass hier viele vorbeikommen, ist die Strecke doch Teil der neuen Radhauptverbindung zwischen Sauerlach und München, die inzwischen rege genutzt wird. Im Jahr 2017 wurden an einem Werktag noch 421 Fahrräder gezählt, im vergangenen Jahr schon bis zu 1352. In den Ferien sind es noch mehr: Bis zu zweitausend Radler nehmen die Route, die unter Münchner Rennradfahrern mittlerweile als Hauptausfallstraße in Richtung Süden gilt. Die sind es auch, die die Anwohner besonders nerven, weil sie eben so schnell und oftmals nebeneinander fahren.

Würde man die Radler von den übrigen Verkehrsteilnehmern, also den Autos, trennen und eine echte Fahrradstraße einrichten, wäre das Problem vielleicht gelöst. Von vornherein aber war klar: Bauliche Maßnahmen lassen sich aufgrund der Straßenbreite und der Eigentumsverhältnisse nicht umsetzen. Bliebe also die unechte Variante, für die jede Kreuzung geregelt werden müsste, damit Fahrräder auf der Fahrradstraße Vorrang haben, das derzeit geltende Rechts-vor-links also aufgehoben würde.

Ingenieur Christoph Hessel kam in seiner Machbarkeitsstudie zu dem Schluss, dass zumindest auf der Linienstraße die Einrichtung einer Fahrradstraße grundsätzlich schon möglich wäre. Allerdings rät er davon ab, eine Bevorrechtigung für Fahrradfahrer einzuführen, da dies nur zu erhöhten Geschwindigkeiten führen würde. Auf einer Fahrradstraße gilt Tempo 30, schneller darf auf der Linienstraße aber jetzt auch nicht gefahren werden. Wie fast das gesamte Ortsgebiet liegt sie in einer Tempo-30-Zone. Das Ende dieser Zone aber müsste man überall dort beschildern, wo die Fahrradstraße beginnt. So ist die Vorschrift. Es wären also jede Menge Schilder und Markierungen nötig. Wie teuer das die Gemeinde käme, konnte Hessel nicht beziffern. Er machte aber deutlich, dass so etwas nicht billig wird, da vor dem Markierungsarbeiten meist eine Fahrbahnerneuerung notwendig sei.

Für die Sauerlacher Straße muss sich die Gemeinde solche Kosten wohl gar nicht erst ausrechnen, denn der Verkehrsplaner machte klar, dass die Einrichtung einer Fahrradstraße dort aufgrund der Busse nicht möglich sei. Um auf der gesamten Strecke die Verkehrssicherheit zu erhöhen, empfiehlt er, das Parken auf der Fahrbahn in Seitenräume zu verlagern. Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) denkt auch, dass dadurch Konflikte am ehesten abgebaut werden könnten. "Der ruhende Verkehr ist das Problem, da der Radfahrer sich immer vorbeischummelt. Da sollten wir uns Gedanken machen", sagte er. Zunächst aber, versprach Schelle, sollten die Anlieger zu Wort kommen.

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