Geplante Energieanlage in Grasbrunn„Geothermie gern, aber nicht mitten in unserem Wohngebiet“

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Der Grasbrunner Bolzplatz an der Grenze zu Vaterstetten soll bald Vergangenheit sein. Anwohner wollen das verhindern.
Der Grasbrunner Bolzplatz an der Grenze zu Vaterstetten soll bald Vergangenheit sein. Anwohner wollen das verhindern. (Foto: privat)

Der Bolzplatz und der Grüngürtel an der Grenze zwischen Grasbrunn und Vaterstetten sollen einer Energiezentrale weichen. Betroffene Anwohner in beiden Gemeinden gehen gegen das Bauvorhaben vor.

Von Magalie Mohler, Grasbrunn

172 Unterschriften hat die Interessengemeinschaft Bolzplatz Technopark Neukeferloh bis dato mit ihrer Onlinepetition „Energiezentrale zerstört Siedlung“  gesammelt. Flyer wurden verteilt, ein Bürgerdialog organisiert.  Die Anwohner fordern auf der Website der Onlinepetition: „Die Anlage gehört ins Industrie- statt ins Wohngebiet.“

Peter Walczuch, der Sprecher der Interessengemeinschaft, lebt seit 1988 – also seit den Anfängen des Grasbrunner Wohnviertels – in seinem Haus in Neukeferloh. Er betont, dass es nicht darum gehe, das Geothermie-Projekt grundsätzlich zu verhindern. Für die geplante Energiezentrale müssten der Bolzplatz und der angrenzende Spielplatz mit Tischtennisplatten aber deutlich verkleinert werden. Der Ort sei für die Kinder und Jugendlichen der Nachbarschaft ein zentraler Treffpunkt und würde der ursprünglichen Funktion kaum noch gerecht werden. Zudem fürchtet die Initiative Lärm durch den Dauerbetrieb, eine Wertminderung der Immobilien und die Rodung angrenzender Bannwälder.

Der vorläufige Lageplan der geplanten Anlage in Grasbrunn.
Der vorläufige Lageplan der geplanten Anlage in Grasbrunn. (Foto: Zanker)

Bei dem Bauvorhaben geht es um die Sicherung einer nachhaltigen Energieversorgung für die Gemeinden Vaterstetten, Grasbrunn, Haar und Zorneding. Im Zuge dieses interkommunalen Großprojekts planen die Gemeinden, von Ende 2026 an warmes Wasser aus der Tiefe zu fördern. Das in Vaterstetten gewonnene Thermalwasser soll in der Energiezentrale aufbereitet und von dort aus an alle angeschlossenen Haushalte in Grasbrunn verteilt werden.

Die Energieversorgungsanlage soll direkt an der Gemeindegrenze zwischen Vaterstetten und Grasbrunn auf dem derzeit asphaltierten Bolzplatz errichtet werden. Das geplante Gebäude misst 30 mal 30 Meter bei einer Höhe von 8,5 Metern und soll Pumpen, Wärmetauscher sowie einen Gasbrenner aufnehmen.

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Julia Haigis wohnt auf Gebiet der Gemeinde Vaterstetten und blickt ebenfalls besorgt auf das geplante Bauvorhaben. Die Mutter zweier Kinder, zwölf und vierzehn Jahre alt, fordert: „Wieso kann man nicht den Standort überprüfen? Geothermie ja, gern, aber nicht mitten in unserem Wohngebiet.“ Haigis betont, dass die Vaterstettener stärker betroffen seien als die Grasbrunner Nachbarn. Sie fürchtet, dass sie künftig durchs Fenster statt auf den Bannwald auf eine acht Meter hohe Mauer der Energieanlage schaut.

Im Netz nennen Anwohner das Vorhaben eine „Frechheit“ und kritisieren den Verlust eines wichtigen Ortes für Kinder und Jugendliche. Hasan Suat Arslan warnt, dass „der Bau eines Kraftwerks hier bedeuten würde, dass dieser Ort kleiner wird oder sogar ganz verschwindet“. Ein weiterer anonymer Kommentator fragt provokativ: „Würde der Bürgermeister dem Vorhaben auch zustimmen, wenn das Gebäude in seinem Wohngebiet stehen würde?“

Der Bürgermeister zeigt Verständnis und erklärt die Standortwahl

Der Grasbrunner Rathauschef Klaus Korneder (SPD) begründet den Standort mit wirtschaftlichen Erwägungen: Der Bolzplatz sei Gemeindeeigentum und nahe an Vaterstetten gelegen – lange Leitungswege seien zu teuer.

Christian Wenzl, Geschäftsführer der Grasbrunner Netzgesellschaft, erklärt: „Je länger ein Fernwärmenetz ist, desto höher sind die Kosten für den Tiefbau und die Leitungen –  auch die Wärmeverluste nehmen zu. Deshalb ist eine kompakte Leitungsführung besonders wichtig, um die Wirtschaftlichkeit des Netzes zu sichern.“ Im Durchschnitt muss für jeden Kilometer Fernwärmeleitung mit Investitionskosten von etwa einer Million Euro gerechnet werden, so Wenzl.

Die Anwohner fühlen sich laut Peter Walczuch übergangen: „Das Gespräch vorab fehlt.“ Trotz mehrfacher Bitten, den Standort zu überdenken, blieb die Gemeinde bislang bei ihrer Linie. Laut dem Bürgermeister sind alternative Flächen, etwa Gewerbe- oder Waldgebiete jenseits der Bahnhofstraße, als Bannwald geschützt und daher schwer bebaubar. Zwar prüfe die Gemeinde weiterhin mögliche Gewerbeflächen, doch eine Rückmeldung stehe noch aus – ebenso die Klärung, ob dort überhaupt Baurecht für eine Energiezentrale besteht. Er ergänzt: „Natürlich wäre uns ein Ort, an dem niemand gestört wird, am liebsten. Solche Flächen müssen aber auch vorhanden und nutzbar sein – daran scheitert es aktuell.“ Die Interessengemeinschaft sieht darin lediglich den Weg des geringsten Widerstands und die kostengünstigste Lösung für die Gemeinde.

Korneder  versteht die Sorgen der Anwohner, betont aber, dass er als Bürgermeister das große Ganze sehen müsse: „Wir investieren in Geothermie, um alle Ortsteile langfristig klimafreundlich zu versorgen. Dafür brauchen wir Infrastruktur und Flächen.“

Umstrittene Waldrodung und Angst vor Lärm

Die Interessengemeinschaft befürchtet zudem eine Rodung des Bannwaldes von bis zu 2500 Quadratmetern. Laut Bürgermeister Korneder geht es nicht um großflächige Rodungen. Zudem sei der betroffene Bereich kein ausgewiesener Bannwald. Zur erwarteten Lärmbelästigung heißt es vonseiten der Gemeinde: „Es wird keinen Lärm geben, der über die gesetzlich erlaubten Grenzwerte hinausgeht.“

Eine offizielle Bürgerbeteiligung war bisher nicht möglich, da zunächst technische und rechtliche Fragen geklärt werden müssen. Auch die Gemeinde Vaterstetten wurde bisher nicht eingebunden. Die Pläne sollen demnächst in Grasbrunn öffentlich ausgelegt werden – dann können sich Bürgerinnen und Bürger äußern. Peter Walczuch verspricht: „Unser Protest wird weitergehen.“ Die Interessengemeinschaft schließt nicht aus, auch rechtliche Schritte einzuleiten.

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