FerienzeitEinmal selbst Star in der Manege sein

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In einer Woche lernen die Teilnehmer richtige Zirkuskunststücke.
In einer Woche lernen die Teilnehmer richtige Zirkuskunststücke.
Stephan Rumpf

Salto schlagen oder auf dem Seil tanzen: In den Ferien können Kinder und Jugendliche in Unterschleißheim echte Zirkusluft schnuppern. Von Profis des „Zirkus Bambino“ werden sie in die Künste der Artisten und Clowns eingeführt.

Von Irmengard Gnau, Unterschleißheim

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Schon von Weitem sind sie zu sehen: Die beiden Wipfel des Zelts ragen in den strahlend blauen Sommerhimmel. Zwei Mädchen biegen an diesem heißen Sommertag auf ihren Fahrrädern auf den gekiesten Volksfestplatz in Unterschleißheim ein und sausen in atemberaubendem Tempo dem Zelt entgegen. Der Vater kommt kaum hinterher. Sie parken ihre Fahrräder und eilen ins Innere. In die Manege.

Einmal selbst Star in der Manege sein. Oben in der Kuppel auf dem Seil tanzen oder am Ring durch die Luft schweben, einen Salto schlagen und den Applaus des Publikums ernten – das ist für viele ein Kindheitstraum. Hier, unter der hellblau-weiß gestreiften Plane, wurde dieser Traum für Dutzende Kinder Wirklichkeit. In der Zirkus-Schule von Juliana und Dennis Frank und ihrem Team des „Zirkus Bambino“ konnten Kinder und Jugendliche aus Unterschleißheim in der ersten Ferienwoche echte Zirkusluft schnuppern und Kunststücke lernen. Und sie dürfen am Ende auch auftreten: Aufführung ist an diesem Samstag, 8. August. Dann präsentieren die jungen Artistinnen, Jongleure und Künstler in einer großen Abendshow (Beginn 18 Uhr, Eintritt frei), was sie geprobt haben.

Einmal nicht nur zuschauen, sondern selbst in der Manege stehen.
Einmal nicht nur zuschauen, sondern selbst in der Manege stehen.
Stephan Rumpf

Drinnen in der Manege erklärt Zirkus-Chef Dennis Frank, was es mit der Fakirkunst auf sich hat. „Wer traut sich, sich mal auf das Nagelbrett zu legen?“, fragt der 35-Jährige in die Runde. Etwa 60 Kinder zwischen sechs und 15 Jahren haben auf den blauen Bänken rund um die Manege Platz genommen. Zaghaft melden sich die Ersten, am Ende schart sich gut ein Dutzend Neugierige um das Brett. Die Allermutigsten legen sich auf die Nägel oder wagen ein paar Schritte über die Glasscherben. Die Scherben werden vor der Nummer gekocht, verrät Frank, außerdem wird ihnen Geigenharz beigemischt, so reiben sich die scharfen Kanten etwas ab. Viel Mut und Geschick gehört freilich dennoch dazu, die Nummer zu bestreiten. Ein paar Mutige melden sich.

An diesem Vormittag müssen sich die Kinder entscheiden, mit welcher Gruppe sie trainieren und dann bei der Abschlussgala auftreten wollen. Die Luftakrobatik ist besonders begehrt. „Wer beim Ring mitmachen will, muss aber den Hüftaufschwung sicher schaffen“, mahnt Zirkuschefin Juliana Frank und schaut prüfend in die vorfreudigen Augen. Wer nun doch lieber zurückzieht, darf bei der Bodenakrobatik-Gruppe mitmachen. Nach kurzer Enttäuschung verspricht auch das viel Spaß. Jedes Kind findet hier in der Manage seinen Platz.

Seit 1991 bietet die Familie die Zirkus-Schule in den Ferien an

Joschi Frank beobachtet das Geschehen mit Wohlwollen vom Rand der Manege. Der Seniorchef ist mittlerweile 74 Jahre alt und seit Kurzem nicht nur stolzer mehrfacher Vater und Großvater, sondern auch Uropa. Das operative Geschäft hat er schon vor vier Jahren an seinen Sohn und die Schwiegertochter übergeben. Gleichwohl lässt er es sich nicht nehmen, als Clown weiterhin aufzutreten und regelmäßig zu moderieren. „Für mich gibt es nichts Schöneres, als die lachenden Kinderaugen in der Manege zu sehen“, sagt Frank.

Die Zirkus-Schule bietet die Familie Frank seit 1991 jedes Jahr in den Sommerferien in Unterschleißheim an. Die Stadt finanziert das Programm, die Kinder können kostenfrei mitmachen. „Wenn die Kinder hier eigene Kunststücke lernen, das gibt ihnen einen riesigen Schub fürs Selbstbewusstsein“, sagt Frank. Oft seien die Eltern am Samstag überrascht, was ihre Kinder alles schafften: „Da klettern die Ängstlichen plötzlich nach oben und die Stillen machen eine super Show.“

Trampolin und Handstand auf der Weichmatte.
Trampolin und Handstand auf der Weichmatte.
Stephan Rumpf

Draußen unter einem großen Pavillon übt Giselle Frank mit sieben Mädels den Umgang mit dem Hula-Hoop-Reifen. Die Zwölfjährige ist bereits die nächste Generation der Zirkusfamilie, die selbstbewusst in die Fußspuren ihres Großvaters und dessen Vorfahren tritt. Von Kindesbeinen an steht sie mit in der Manege. Nun zeigt sie den anderen Mädchen, wie sich der Reifen am besten um die Hand oder die Hüfte drehen und schwingen lässt. Bei Paula klappt es schon super, sogar mehrere Reifen gleichzeitig balanciert sie um die Taille.

In der Manege erklärt Dennis Frank derweil den angehenden Trampolin-Artisten, wie sie das Einlaufen gestalten. Dann geht es an die Technik. In der Mitte der Manege wird eine dicke, blaue Weichbodenmatte aufgebaut, auf der die Kinder nach beherztem Sprung weich landen. „Am Ende nicht vergessen zu lächeln“, ruft Frank einem Jungen zu. Im Eingangsbereich probt Katharina mit einer kleinen Gruppe Lasso-Drehen. Die heute 15-Jährige hatte selbst schon mit acht Jahren an dem Zirkusprojekt teilgenommen, inzwischen ist sie das dritte Jahr als Trainerin dabei und zeigt den Jüngeren erste Tricks. Alle sind sichtlich mit Freude dabei. „Es macht einfach Spaß hier“, sagt die 15-Jährige und grinst.

Damit das Zirkusfieber nicht wörtlich wird, achten die Trainerinnen in diesen heißen Augusttagen darauf, dass die Nachwuchsartisten auch genug trinken und möglichst im Schatten üben. Auf den Biertischen stehen frische Äpfel als Stärkung bereit. „Außerdem haben wir immer ein gutes Eis dabei“, sagt Zirkusdirektorin Juliana Frank und lacht. Im Speisewagen neben dem Eingang verkauft Schwiegermutter Sonja Frank kühle Stärkungen in fester und flüssiger Form. Auch Popcorn darf natürlich nicht fehlen für das echte Zirkusgefühl.

Drinnen in der Manege ertönt schon die Musik für die nächste Nummer. Drei Mädchen eilen hinein. Am Samstagabend wird es dann heißen: Herzlich willkommen zur großen Zirkusgala der jungen Artisten!

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