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Unterschleißheim:Vom Schülersprecher zum JU-Chef

Jan Kämmerer, neuer Kreisvorsitzender der Jungen Union (JU) aus Unterschleißheim

Jan Kämmerer ist als angehender Diplom-Verwaltungswirt derzeit im Landratsamt tätig.

(Foto: Privat)

Der 21-jährige Jan Kämmerer soll den CSU-Nachwuchs im Landkreis führen

Von Stefan Galler, Unterschleißheim

Für einen Parteipolitiker in verantwortlicher Position ist es nicht damit getan, im Hier und Jetzt zu wirken und werkeln, er muss auch an die Zukunft denken. Das gilt auch für den CSU-Bundestagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden Florian Hahn. Der las im Sommer 2017 einen Zeitungsbericht über die Abschlussfeier der Therese-Giehse-Realschule in Unterschleißheim und dabei fiel ihm die positive Erwähnung des Moderators und Schülersprechers auf. Und so lud er den damals 17 Jahre alten Jan Kämmerer zu einem Gespräch in die Wahlkreisgeschäftsstelle nach Unterhaching ein. "Auch weil ich Parallelen zu meiner eigenen Vita gesehen habe, mit der Mittleren Reife in Neubiberg und meiner langjährigen Tätigkeit als Schülersprecher", sagt Hahn.

Offenbar traf der Abgeordnete beim Teenager den richtigen Ton: Wenige Monate später trat Kämmerer nämlich der Jungen Union in Unterschleißheim bei, wurde dann schon 2019 stellvertretender Kreisvorsitzender - und an diesem Freitag wird der gebürtige Magdeburger, der seit 2003 mit seiner Familie im nördlichen Landkreis lebt, als einziger Kandidat aller Wahrscheinlichkeit nach zum neuen JU-Chef im Landkreis München gewählt. Florian Hahn jedenfalls ist von ihm überzeugt: "Ich freue mich sehr für Jan, halte viel von ihm. Er ist eines der großen Talente in der CSU." In der Grundschule Unterbiberg findet - auch unter den Augen des CSU-Kreisvorsitzenden Hahn - die Kreisdelegiertenversammlung statt, die Neubibergerin Nicola Gehringer tritt nach sieben Jahren als JU-Chefin im Landkreis nicht mehr an.

Dass ihr nun Jan Kämmerer nachfolgt, ist - nimmt man Hahns Beispiel - die logische Folge seiner bisherigen Vita: Schon auf der Realschule war er vier Jahre lang Schülersprecher gewesen, hatte sich dort etwa als Siebtklässler bereits mit den Belangen der drei Jahre älteren Kollegen aus dem Abschlussjahrgang beschäftigt. Schon damals habe sich herauskristallisiert, dass er eben gerne mitrede und Verantwortung übernehme, sagt Kämmerer.

Auf der FOS in Unterschleißheim machte er sein Fachabitur, leistete danach freiwilligen Wehrdienst und ist mittlerweile mitten in seinem dualem Studium zum Diplom-Verwaltungswirt, in dessen Rahmen er aktuell im Rechnungsprüfungsamt des Landratsamtes tätig ist. "Ich bin jemand, der gerne überall vor Ort ist, damit ich mir wirklich Einblicke verschaffe und Sachen nicht nur vom Hörensagen erfahre", sagt Kämmerer. Deshalb organisiert er schon seit geraumer Zeit Reisen für Junge-Union-Mitglieder zu Wahlen innerhalb Deutschlands. "Wir waren schon 2019 zur Sachsen-Wahl in Dresden und zur Europawahl in Brüssel. Und zuletzt reiste eine Delegation zur Wahl in Sachsen-Anhalt in meine Geburtsstadt Magdeburg."

Solche Reisen sind auch für die Jung-Politiker attraktiv, ebenso wie alle anderen gemeinsamen Aktivitäten. Denn eines weiß der designierte JU-Chef: Ohne Zusammenhalt und viel Engagement bei der Rekrutierung von Parteinachwuchs steht die Zukunft der CSU auf tönernen Füßen. Sein eigener JU-Ortsverband in Unterschleißheim ist mit 44 Mitgliedern der größte im Landkreis, gefolgt von Neubiberg und Kirchheim. Aktuell ist die Junge Union in 22 der 29 Städten und Kommunen mit einem eigenen Ortsverband vertreten, in Aying Aying gründet sich demnächst der 23.

Es gibt aber immer noch weiße Flecken auf der Karte des Landkreises, etwa in Baierbrunn, Grasbrunn oder Sauerlach. Die Taufkirchner JU ist an den Ortsverband Unterhaching angegliedert, Aschheim an Kirchheim und Schäftlarn an Straßlach-Dingharting. "Wir haben im Landkreisnatürlich auch ganzunterschiedliche politische Regionen", sagt Kämmerer. "In ländlichen Kommunen ist es für die CSU traditionell leichter, für Identifikation zu sorgen als in urbanen Gegenden." Zu seinen Zielen für die erste zweijährige Amtszeit gehört, die personell schwächeren Ortsverbände wie jene in den Würmtalgemeinden Gräfelfing, Planegg und Neuried zu stärken.

Um die Jugend für die Politik zu begeistern, will Kämmerer auch die sozialen Medien nutzen, ein Mittel auf das auch der Unterschleißheimer CSU-Vorsitzende Stefan Krimmer setzt, den der 21-Jährige zu seinen politischen Vorbildern zählt. "Auch der frühere Bürgermeister Rolf Zeitler hat mich politisch geprägt. Als Kind habe ich sehen können, wie die Stadt unter seiner Führung gewachsen ist." Der neue JU-Kreischef bewundert starke Persönlichkeiten. Zu denen zählt er auch Bundesinnenminister Horst Seehofer. "Oft sagen die Leute, der ist alt. Aber ich vertrete eher die Linie, dass wir von den Älteren viel lernen können", sagt Kämmerer.

Nun aber gelte es erst einmal, seinen Mentor Hahn im Wahlkampf zu unterstützen: "Oberstes Ziel ist es, ihn wieder als Direktkandidaten nach Berlin zu entsenden", sagt der Student. Dabei komme es womöglich auch darauf an, den Grünen junge Wähler abzuluchsen. "Wir müssen herausarbeiten, dass auch wir das 1,5-Grad-Ziel bei der Klimaerwärmung erreichen wollen, dabei aber keine Systemumbrüche in Kauf nehmen, wie das bei teilen der Fridays-for-Future-Leute der Fall ist."

© SZ vom 18.06.2021
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