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Unterschleißheim:Virenfreie Luft im Klassenzimmer

Der Elternbeirat initiiert den Aufbau einer kostengünstigen Abluftanlage am Carl-Orff-Gymnasium. Allerdings weist diese Mängel auf. Bis zum Einsatz im Unterricht muss einiges optimiert werden

Von Magdalena Scheck, Unterschleißheim

Ein animiertes Video unter dem Titel "Aufbau der Aerovac Eco AirTube Zu- und Abluftanlage am Carl-Orff-Gymnasium" gibt es im Netz. Screenshot Youtube

Um die Virenbelastung in einem Klassenzimmer in Unterschleißheim zu verringern haben engagierte Eltern des Carl-Orff-Gymnasiums eine Abluftanlage einbauen lassen. Optisch macht diese eher wenig her, besteht sie doch aus großen, langen Aluröhren, doch schön auszusehen ist auch nicht ihr Ziel. Die Anlage der Firma Aerovac aus Mainz soll eine zusätzliche Möglichkeit darstellen, die Luft im Raum zu verbessern und damit den Schülern eine geschütztere Lernatmosphäre zu bieten. Doch jetzt gib es Probleme mit der Betriebsgenehmigung.

Das Ganze hat sich als komplexer erwiesen als gedacht. Erst hieß es, die Anlage könne laufen, dann klinkte sich auch Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) in seiner Funktion als Vorsitzender des Schulzweckverbands in die Diskussion ein und verkündete, die Anlage könne im Testbetrieb laufen. Schließlich erklärte Schuldirektorin Greta Schicker, selbst von einem Testlauf sei man im Moment weit entfernt. Zunächst müssten diverse Mängel behoben werden.

Die Elternbeiräte Roderich Busch und Harald Winter betreuen das Projekt, welches nach erster Skepsis schließlich mit Unterstützung des Zweckverbands sowie der Stadtverwaltung angegangen wurde. Bürgermeister Böck zeigt sich jetzt trotz Problemen zuversichtlich, dass sich der Aufwand gelohnt hat. "Der Reiz war, zu sagen, es ist ein einfaches System, das man schnell und flexibel aufbauen kann, das schauen wir uns mal an - aber es müssen natürlich die Anforderungen, die in den Schulen gegeben sind, erfüllt werden." Zweiter Bürgermeister Tino Schlagintweit (Grüne) hat mitgewirkt und erklärt, dass es besonders wichtig gewesen sei, die Anlage professionell einbauen zu lassen, um technische Fehler auszuschließen und Risiken für die Schüler zu minimieren. Auch die Funktionsfähigkeit des Systems habe zuvor ausreichend recherchiert werden müssen. Die Anlage sei angesichts "der aktuellen Umstände" eine gute Option, sagt Schlagintweit. Professor Bernhard Kurz von der Fakultät für Wirtschaftsingenieurswesen an der Hochschule München begleitet das Projekt.

Die Anlage beruht auf Überlegungen des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz und funktioniert nach dem Prinzip des Wärmeaustauschs. "Über 300 solche Anlagen wurden bereits in Klassenzimmern eingebaut," weiß Roderich Busch. Dabei wird die warme, nach oben steigende und verbrauchte Atemluft der Schüler - und damit die darin enthaltene Virenlast - abgesaugt und durch ein Loch im Fenster nach draußen befördert. Durch ein weiteres Loch werde frische Luft von draußen in den Raum gezogen, die durch die Abluft erwärmt werde, erklärt Harald Winter.

Es sei ein "fließender Prozess", sagt Winter, der keine großen Schwankungen von Temperatur, Aerosolen, also den Trägern der Viren, sowie CO₂ verursachen soll, wie es beim Stoßlüften passiert. Auch im Vergleich zu Luftreinigungsgeräten mit Filtern hat die Aerovac-Anlage laut Schülereltern einige Vorteile. Zum einen bringt sie die Luft von der Decke aus ins Klassenzimmer. Die Luft könne sich demnach gleichmäßig verteilen, ohne quer durch den Raum, an allen Schülern vorbei zu müssen, sagt Busch. Zum anderen seien Reinigungsgeräte sowie auch gewöhnliche Lüftungsanlagen weitaus kostspieliger und schwieriger einzubauen, als die einfache Abluftanlage in Unterschleißheim. Für ein Klassenzimmer hat diese inklusive Materialien und Montage, die innerhalb eines Tages vonstatten gehen kann, circa 4400 Euro gekostet. Den Betrag hat die Stadt übernommen. Ein Video zeigt den Aufbau der Anlage unter dem Link https://www.youtube.com/watch?v=r-OgcDYw1fs.

Technische Vorschriften müssen bei alldem allerdings eingehalten werden. Das wissen auch die Eltern. Doch aktuell erfüllt das einfache System nach Darstellung der Stadt nicht alle Anforderungen, es weist Sicherheitsmängel auf. Beispielsweise könnten Fasern der von den Eltern selbsteingebauten Mineralwolldämmung in die Luft gelangen, die Verkabelung ist fehlerhaft und die Befestigung der Anlage an der Decke nicht ausreichend. Zudem benötigt die Anlage noch einen Filter an der Außenluftansaugung und die Lärmbelastung muss deutlich verringert werden. Diese Mängel gilt es nun zu beheben. Erst mit der Beseitigung der sicherheitsrelevanten Mängel könne der Raum für den laufenden Schulbetrieb wieder freigegeben werden, teilt die Stadt mit.

Derweil sollen Messungen der Raumluft erfolgen, um Erfahrungen zu gewinnen, wie effektiv die Anlage arbeitet. Elternbeirat Roderich Busch sagt, bisherige Ergebnisse zeigten, dass sich im Vergleich mit einem identischen Klassenzimmer ohne Abluftanlage die CO₂-Werte tendenziell verbesserten. "Natürlich ist das Ziel, möglichst viele Klassenzimmer mit Anlagen auszustatten, doch jetzt muss man erst mal schauen, macht das Sinn, wird es akzeptiert und funktioniert's." Die Elternvertreter wollen sich weiter einsetzen. Busch: "Wir machen das mit Überzeugung."

© SZ vom 01.03.2021
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