Genau genommen hat Museumsleiterin Veronika Leikauf die Feuerwehr seit dem ersten Tag im Haus. Jeder Besucher des Unterschleißheimer Stadtmuseums stößt im Treppenhaus auf die Zeichnungen von Feuerwehrleuten, die an den Wänden neben Feuerlöscher, Brandmeldeknopf und Warnschild angebracht worden sind. Die Figuren legen die Leiter an, hieven den Löscheimer nach oben oder ziehen über der Schulter den Schlauch zum Einsatzort. Es ist eine humorige Antwort auf die strengen Brandschutz-Auflagen, die die Eröffnung des Museums fast verhindert hätten.
Mitte 2023 war es mit einiger Verzögerung dann doch so weit, und jetzt hat Leikauf ihre erste Sonderausstellung der örtlichen Feuerwehr gewidmet. Es ist ein Rückblick auf 150 Jahre Engagement „im Dienst der Gesellschaft“, wie sie sagt. Es geht um Retten, Löschen, Bergen und Schützen, also die klassischen Aufgaben von Feuerwehrleuten. Aber nicht nur. „Wir haben versucht, den Blick zu weiten und zu zeigen, dass sie so viel mehr tun in ihrer Freizeit.“
Dass die Unterschleißheimer Wehr gerade 150-jähriges Bestehen feiert, ist kein Zufall – in vielen Kommunen wurde dieses Jubiläum in den vergangenen Jahren begangen oder es steht noch an. Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/1871 wurden viele der heute noch bestehenden Einheiten in den Gemeinden gegründet. Seitdem sind sie da, wenn es brennt, oder kümmern sich auch schon vorab mit Sachverständigen um Brandschutz wie in dem Museum. Doch die Aufgaben haben sich stark ausgeweitet. Technische Hilfeleistung etwa bei Unfällen macht heute einen Großteil der Einsätze aus. Es gibt die Lebensretter von der First-Responder-Einheit, die Feuerwehr ist für austretende Gefahrenstoffe gerüstet, für Taucheinsätze und für Bienenschwärme. Und mit dem fortschreitenden Klimawandel geht es darum, auf Waldbrände oder Hochwasser vorbereitet zu sein.

Die Ausstellung in den drei Räumen im Museum soll Leikauf zufolge die Arbeit der ehrenamtlichen Retter heute zeigen und wie diese technisch sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen müssten. „Das bedeutet stetige Schulungen und weiter zu lernen.“
Die Ausstellung beginnt mit dem Blick zurück. Eine Uniform von anno dazumal mit goldglitzerndem Helm und Gürtel ist zu sehen. Sie gehörte einem gewissen Simon Schuster, der auch einige Orden für seine Einsätze erhielt. Ein Foto zeigt die Mannschaft um die Wende zum 20. Jahrhundert und ein nicht genau datiertes Mannschaftsbuch liegt unter einer Vitrine, aus dem hervorgeht, wer von den Feuerwehrleuten 1914 zum Militär eingezogen worden ist. Es sind praktisch alle auf der aufgeschlagenen Seite. Bei einem steht: „gefallen“.

Runde Infotafeln, die an Schnüren von der Decke hängen, laden zum Ratespiel ein, die Auflösung steht auf der Rückseite. „Über wie viele Kilometer Schlauch verfügt die Freiwillige Feuerwehr Unterschleißheim aktuell?“, lautet eine Frage. Die Antwort: Es sind circa 14.
Der offizielle Gründungstag der Feuerwehr in Unterschleißheim ist der 30. Juni 1874. Die Gründungsurkunde liegt nicht vor. Aber man erfährt, dass das erste Feuerwehrhaus ein aus dem Jahr 1840 stammendes Gemeindehaus war. Später entstand ein Neubau an der Hauptstraße gebaut, die Feuerwehr wuchs weiter, und es entstand die Wache an der Carl-von-Linde-Straße, die gerade saniert wird. Dort ziert heute ein großflächiges Bild von Sankt Florian den Schlauchturm. Den als römischen Soldaten dargestellten Heiligen hat Witold Bezszko gemalt. Seine farbkräftige Vorlage in Öl ist in der Ausstellung zu sehen, mit dem Unterschleißheimer Wappen auf dem gereckten Römerschild.
Die Ausstellung ist klein, aber nach einer Idee durchkomponiert. Museumsleiterin Leikauf zielt auf die Bedeutung der Feuerwehr heute ab und will deren breites Leistungsspektrum darstellen. Die eigens produzierten Schautafeln mit Erklärtexten transportieren diese Botschaft, wenn etwa ein Bild zeigt, wie Feuerwehrleute Schnee von den Ständen am Christkindlmarkt räumen. Ein klobiger Defibrillator aus dem Jahr 1994 liegt in einer Vitrine neben einem modernen Gerät von heute. „Das sind 30 Jahre, das ist nicht die Welt“, sagt Leikauf. Aber so viel habe sich verändert.
Wie in dem kleinen Stadtmuseum im ersten Stock schon bei der Dauerausstellung praktiziert, gibt es wieder QR-Codes, über die man auf dem Smartphone vertiefende Informationen abrufen kann. Auch zusätzliches Bildmaterial sowie Filme gibt es zu sehen – Arthur Winzek hat die Feuerwehr bei Übungen und Einsätzen begleitet. Und wer will, kann auch die Rückseite der in der Ausstellung an der Wand hängenden Feuerwehrfahne sehen, die im Jahr 1999 geweiht worden ist.
Das Stadtmuseum ist bei freiem Eintritt auch in den Sommerferien zu den regulären Zeiten geöffnet: donnerstags von 17 bis 20 Uhr, freitags von 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags jeweils von 11 bis 16 Uhr. Die Sonderausstellung ist noch bis 22. Dezember neben der stadthistorischen Schau und der Ausstellung von Gemälden aus der Sammlung Graf zu sehen. Führungen durch die Feuerwehrausstellung gibt es am Samstag, 7. September, und am Samstag, 2. November, jeweils um 10 Uhr. Am Freitag, 6. September, steht ein Sommerferienangebot für Kinder von fünf bis elf Jahren auf dem Programm. Am Samstag, 9. November, werden die Filme von Arthur Winzek gegen eine Gebühr von zwei Euro gezeigt. Beginn ist hier jeweils um 15 Uhr.

