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Unterschleißheim:Schon längst im Wahlkampf-Modus

Platzhirsche im Norden: Christoph Böck, Maximilian Böltl und Dietmar Gruchmann (v. l. im Uhrzeigersinn). Illustration: Alper Özer

In der Kommune läuft es auf ein Duell zwischen SPD-Bürgermeister Christoph Böck und Stefan Krimmer von der CSU hinaus

Von Klaus Bachhuber, Unterschleißheim

21 Jahre, von 1968 bis 1989, hat Hans Bayer von der SPD als Bürgermeister von Unterschleißheim amtiert - eine Ära. 24 Jahre, von 1989 bis 2013, war anschließend Rolf Zeitler (CSU) Chef im Rathaus - erneut eine prägende Epoche. Nach sieben Jahren mit Bürgermeister Christoph Böck (SPD) steht die Kommunalwahl in der größten Kommune des Landkreises unter dem Aspekt, ob es Böck gelingt, eine neuerliche Ära zu begründen - und ob der Bürgermeister auch mit einer Mehrheit im Stadtrat ausgestattet wird.

Böcks SPD ist aktuell nur zweitstärkste Fraktion und stellt gerade einmal zehn der 30 Stadträte. Eine auch nur informelle Koalition oder fixe Zusammenarbeit mit einer der vier anderen Gruppierungen im Gremium hat es nie gegeben. Gleichwohl hat der Bürgermeister für seine Politik fast immer wechselnde Mehrheiten und meist einmütige Geschlossenheit erreicht.

Ebenso leicht freilich ist es, Mehrheiten gegen den Bürgermeister zu organisieren; das war so gleich zu Beginn der Amtsperiode, als ihm eine Kooperation von CSU und Grünen Stefan Krimmer (CSU) als Zweiten Bürgermeister aufzwang, den Böck gern verhindert hätte, mit Blick auf genau das, was sich sechs Jahre später bewahrheiten sollte: dass Krimmer gegen ihn kandidieren wird.

Mit zwölf Stadträten stellt die CSU trotz des Verlusts des Bürgermeisterpostens und einstiger üppigerer Mehrheiten immer noch die stärkste Fraktion am Ratstisch. Angesichts der dominanten Blöcke von CSU und SPD und der Popularität ihrer Kandidaten dürfte die Bürgermeisterwahl ein Zweikampf zwischen Böck und Krimmer werden - ungeachtet, wer noch seinen Hut in den Ring werfen wird. Böck hat seine Bereitschaft zur Kandidatur schon erklärt, die SPD will ihn am 10. April nominieren. Krimmers Kür, die auch nur noch Formsache ist, soll nach Aussagen aus der CSU auch noch vor der Europawahl im Mai erfolgen. Die Grünen wollen ebenfalls einen Kandidaten stellen, die FB auch eher, die FDP überlegt noch. Ausgeschlossen hat eine Bürgermeisterbewerbung bislang nur die ÖDP.

Die vier Parteien, die zusammen acht Räte stellen, müssen Sorge tragen, dass sie im Windschatten des Duells von Böck und Krimmer noch genügend Aufmerksamkeit für ihre Themen und Personen bekommen. Den Amtsbonus nutzen sie 2020 immerhin weidlich aus: Alle acht Stadträte von Grünen, FB, ÖDP und FDP treten zur Wiederwahl an. Auch bei der CSU hat bislang noch kein einziger amtierender Stadtrat seinen Abschied verkündet, die SPD will sich diesbezüglich noch nicht äußern.

"Für eine ausgewogene Ortspolitik ist es entscheidend, dass nicht nur die großen Parteien mit absoluten Mehrheiten regieren, sondern parteiübergreifend Mehrheiten im Einzelfall gesucht und gefunden werden müssen", plädiert Manfred Riederle (FDP) für eine starke Rolle der "Kleinen". Ob sich hier weitere Listen finden, etwa von AfD oder Linken, ist auch in der größten Kommune noch fraglich.

Der Wahlkampf zwischen den großen Parteien hat schon längst begonnen. Erst ging es darum, wer sich an die Fahne heften darf, den teuren Neubau des Rathaus-Foyers verhindert zu haben, jetzt tobt der Streit um die mögliche BMW-Ansiedlung, bei der die CSU vorgeprescht ist, was Bürgermeister Böck sehr verärgert hat. Dabei ist es bis zur Wahl noch ein Jahr hin.

© SZ vom 16.03.2019
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