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Unterschleißheim:Mängel ohne Ende

Die Serie an Hiobsbotschaften am Ballhausforum reißt nicht ab

Von Irmengard Gnau, Unterschleißheim

So richtig freuen können sich die meisten Unterschleißheimer Stadträte nicht mehr, wenn sie die Lichtkuppel des Ballhausforums in der Sonne glänzen sehen. Das Kongress- und Veranstaltungszentrum mit Mehrzweckhalle bekommt zwar von Besuchern gute Bewertungen, doch für die Stadt hat sich die Halle zu einem teuren Ärgernis entwickelt. Noch dazu zu einem, das nicht enden mag: Seit mehr als einem Jahr laufen die jüngsten Reparaturen am Dach über der 1340 Quadratmeter großen Arena, nun sind dabei wieder neue Schäden entdeckt worden. Die Stadt muss dafür voraussichtlich noch einmal etwa 380 000 Euro an Mehrkosten schultern. Insgesamt belaufen sich die Kosten, die von der Stadt für Reparaturen und Sanierungen am Ballhausforum zu bezahlen sind, inzwischen auf mehr als vier Millionen Euro.

Die aktuellen Arbeiten sind nötig geworden, weil seit Längerem Wasser in das Dach über Arena und Foyer eingedrungen war. Die Undichtigkeiten am Dach der Arena sind inzwischen beseitigt, dabei wurden unter anderem die Lichtkuppeln neu abgedichtet. Bei den Ausbesserungen stellten die Fachleute zudem fest, dass bei Errichtung des Ballhausforums auch Teile des Kanalnetzes der Klimaanlage auf dem Dach offensichtlich mangelhaft montiert worden sind, sodass Bereiche der Anlage Schaden genommen haben; diese werden derzeit ausgetauscht. Als wäre das nicht bereits genug stellte sich heraus, dass die vorhandene Abdichtung am Glastonnendach ebenfalls Mängel aufweist und Wasser eindringen kann. Um diese neu entdeckten Schäden zu beseitigen, müssen auch im kommenden Frühjahr noch Reparaturarbeiten stattfinden.

Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass beim Beheben eines Schadens der nächste sichtbar wird. 2005 ging das Ballhausforum in Betrieb, als erstes großes Bauprojekt in Unterschleißheim in Public-Private-Partnership für 25 Millionen Euro von einem Generalunternehmer errichtet; Eigentümer ist die Apollo Verwaltungsgesellschaft, die Stadt ist Hauptmieterin und Mitgesellschafterin und überlässt ihrerseits Teile des Zentrums dem SV Lohhof sowie dem Infinity Hotel und Congress Resort. Seither gab es in Teilen des Gebäudes massiven Schimmelbefall, sodass der Breitensport gezwungenermaßen auf viele Trainingsmöglichkeiten verzichten musste. Ein Wasserschaden im Untergeschoss musste kostenaufwendig beseitigt werden und brachte Mängel beim Brandschutz zu Tage. Im April kam zudem heraus, dass Elektrik- und Wasserleitungen nicht ordnungsgemäß verlegt wurden.

Das schmerzt die Breitensportler vom SV Lohhof, aber auch die Stadt: Mehr als vier Millionen Euro kommunales Geld ist seit 2006 nur in den Bauunterhalt geflossen. Und Katharina Bednarek, langjährige SPD-Stadträtin, fürchtet, dies könne noch nicht das Ende sein. Eine Lehre zieht sie aus dem Projekt: Der Weg der Public Private Partnership sei für Kommunen "nicht zielführend".

© SZ vom 17.09.2020

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