Street-ArtMit Graffiti gegen illegale Sprayer

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Wann kommt der Zug? Auf dem Graffiti von Justus Körtgen und Viktor Hoericht schaut eine Eule auf die Uhr.
Wann kommt der Zug? Auf dem Graffiti von Justus Körtgen und Viktor Hoericht schaut eine Eule auf die Uhr. Stephan Rumpf

Großflächige Auftragskunst soll Schmierereien an den Bahnhöfen in Unterschleißheim verhindern. Das hat zwar bisher nicht immer funktioniert, doch die Stadt hält an ihrem Konzept fest. Als nächstes wird eine Unterführung in Lohhof bunt gestaltet.

Von Bernhard Lohr, Unterschleißheim

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Jetzt ist es also doch passiert. Unbekannte Sprayer haben am Bahnhof in Unterschleißheim Teile der von zwei Künstlern hochwertig gestalteten Flächen mit ihren Zeichen verunstaltet. Die sogenannten „Tags“, Zeichen, finden sich am nördlichen Bahnsteigzugang. Das Rathaus lässt sich dadurch nicht beirren und will auch die neue Bahnsteigunterführung am Lohhofer Bahnhof durch dieselben Graffiti-Künstler gestalten lassen, um illegalen Sprayern zuvorzukommen. In den Herbstferien soll es losgehen.

Vor drei Jahren haben Justus Körtgen und Viktor Hoericht über Wochen die weitläufigen Betonflächen am barrierefrei umgestalteten Bahnhof Unterschleißheim besprüht. Sie schufen mit groß dimensionierten Figuren eine farbenfrohe Fabel- und Märchenwelt und verliehen dem sonst tristen Bahnhof ein fröhliches Antlitz. Da hetzt der Hase zur S-Bahn, die Eule schaut auf die Uhr und der Bär in Warnweste sichert eine Bahnbaustelle ab. Spätestens mit diesem Werk hatten die beiden die Unterschleißheimer Bevölkerung auf ihrer Seite. Seitdem wurde noch der Eingang zum neuen Caritas-Kinderhort gestaltet.

Körtgen arbeitet heute als freischaffender Künstler in Eichenau. Seine Werke sind in einigen Gemeinden im Landkreis Fürstenfeldbruck zu finden, aber auch in München im Werksviertel oder an der Brudermühlbrücke, wo er mit einer Arbeit an die Opfer des Attentats am Olympia Einkaufszentrum erinnert.

Im Rathaus in Unterschleißheim ist der Ärger über die Schmierereien groß. Man hat Anzeige erstattet und 250 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung des Täters führen. Die Kriminalpolizei ermittelt. Erwischt wurde aber bisher niemand. Es könne sicher helfen, sich mit Kunst vor Schmierereien zu schützen, sagt der Oberschleißheimer Polizeichef Stefan Schraut. Doch grundsätzlich verhindern lasse sich das Unwesen der illegalen Graffiti-Szene leider „überhaupt nicht“. Bei anderen Delikten gebe es mal mehr oder weniger Fälle, aber nicht so bei Graffiti, ist Schrauts Erfahrung: „Das ist das Einzige, was stetig zunimmt.“ Die Markenzeichen, mit denen die Täter sich verewigen, um sich in der Szene einen Namen zu machen, seien in Sekunden aufgebracht und die Schmierer schnell wieder verschwunden.

Doch ab und zu wird einer erwischt. Polizeichef Schraut hat das selbst erlebt, als er noch Leiter der Dienststelle in Unterhaching war. Damals hätten seine Beamten ein Zeichen selbst identifizieren können. In einem solchen Fall könnten meist gleich 250 Taten aufgeklärt werden, sagt Schraut. Der Schaden erreiche schnell eine gewisse Dimension, entsprechend groß sei für die meist jungen illegalen Sprayer der Schreck. „Das ist ein Heulen und Zähneklappern“, sagt Schraut. Für den Schaden haben die Verursacher, meist Jugendliche, selbst aufzukommen. Das könne bedeuten, dass jemand, der erwischt wird, „mit dem Eintritt ins Berufsleben in die Privatinsolvenz“ geht. Der Traum vom Führerschein oder eigenen Auto sei dann erst einmal ausgeträumt.

Für die beiden Künstler ist es eine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte

Die Verunstaltungen am Bahnhof in Unterschleißheim können laut Rathaussprecher Steven Ahlrep wieder behoben werden. Die Künstler Justus Körtgen und Viktor Hoericht seien bereits beauftragt. Sie sollen auch den 2019 geschaffenen Bahnsteigzugang in Lohhof gestalten. Der Bauausschuss des Stadtrates billigte vorgelegte Entwürfe. Es werden wieder Alltagsszenen an einem Bahnhof sein, mit fiktiven oder realistischen Figuren. Szenen des Schulalltags sollen künstlerisch umgesetzt, also Schüler beim Lesen, bei der PC-Arbeit oder bei kreativen Tätigkeiten gezeigt werden – schließlich liegt die Fachoberschule ganz in der Nähe.

Für Körtgen und Hoericht ist das eine Rückkehr an ihre alte Wirkungsstätte. Sie haben dort gemeinsam ihren Abschluss in der Fachrichtung Gestaltung gemacht. Mit einer Schularbeit fing alles an, als sie im Auftrag der Stadt ein Trafo-Häuschen besprühten.

Derzeit laufen Gespräche mit der Deutschen Bahn, die laut Rathaus ihre Zustimmung zu dem neuen Werk am Bahnhof Lohhof mündlich bereits gegeben hat. Die Bahn poche nur auf eine erkennbare Gesamtkonzeption und darauf, dass Einrichtungen der Bahn nicht in abschätziger Form dargestellt werden und anstößige Motive unterbleiben. Die Stadt plant für die Umsetzung inklusive Material 17 000 Euro ein. Die alte Bahnsteigunterführung in Lohhof ist von der Umgestaltung nicht berührt. Für diese wird ein eigenes Konzept erstellt.

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