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Schwimmkurse in Unterschleißheim:Jede Menge Seepferdchen

Seit vier Jahren ermöglicht Christina Wolz - unterstützt vom SV Lohhof und Sponsoren - Kindern aus armen Familien Schwimmunterricht. Mittlerweile übersteigen die Anmeldungen ihre Kapazitäten.

Erst war es nur eine Idee. Jetzt kann Christina Wolz auf weit mehr als 200 Erst- und Zweitklässler schauen, die sich ohne sie vermutlich immer noch nicht über Wasser halten könnten. Seit vier Jahren organisiert die Unterschleißheimerin kostengünstige Schwimmkurse. In der Woche vor Ostern findet der nächste statt. 60 Kinder sind schon angemeldet.

Ein regulärer Schwimmkurs kostet weit mehr als hundert 100 Euro - Geld, das sich viele Eltern nicht leisten können, vor allem wenn mehrere Kinder im Haushalt leben. Die Grundschulen bieten immer seltener Schwimmunterricht an, als Folge wächst die Zahl der Nichtschwimmer seit Jahren. Dagegen setzt Wolz ein Zeichen: Sie sammelt Geld bei Sponsoren, um Schwimmkurse für Kinder aus finanzschwachen Familien anbieten zu können.

Acht Trainer des SV Lohhof waren sofort bereit mitzumachen

Die Idee ist mittlerweile ein Selbstläufer. "Die Schulen warten schon darauf", sagt Wolz, der die Idee für die günstigen Schwimmkurse kam, als sie vor Jahren ihr Enkelkind zu einem Kurs begleitete. Sie fragte bei den Schulen und beim örtlichen Sportverein SV Lohhof und sie suchte Sponsoren, um die Schwimmtrainer bezahlen zu können. Die Schulen meldeten dringenden Bedarf, acht Trainer des SV Lohhof, darunter auch Jugendliche, waren sofort bereit, mitzumachen. Die meisten sind heute noch dabei.

Auch bei Sponsoren stieß Christina Wolz auf Interesse. In diesem Jahr tritt die Kreissparkasse als Hauptsponsor auf, dazu hat der Hobbykreis Lohhof die Einnahmen der Osterdult gespendet, ein Golfklub den Erlös einer Tombola.

Christina Wolz rechnete mit sechs Kindern - 80 meldeten sich an

Ganz am Anfang ist Wolz von der Resonanz bei den Eltern geradezu überrollt worden. "Ich dachte so an sechs Kinder, und dann haben sich 80 angemeldet", erinnert sie sich. Entsprechend nervös sei sie gewesen. "Inzwischen", sagt sie, "bin ich abgeklärter." Die Elternbriefe mit den Anmeldebögen bringt sie an die drei Unterschleißheim Grundschulen, diese leiten sie weiter und sammeln die 20 Euro Eigenbeteiligung der Eltern ein. Die meisten Teilnehmer haben einen Migrationshintergrund, wenn auch nicht alle.

Aber es seien auch schon welche dabei gewesen, die gar kein Deutsch sprachen, erzählt Wolz. "Das ist aber kein Problem. Die machen es einfach den anderen nach." Im Vorjahr waren es gar 100 Anmeldungen, ein Teil musste daher auf den Herbst vertröstet werden. "So viele konnte ich nicht unterbringen. Man muss die Wutzerl ja auch umziehen."

Dass die Schwimmkurse ein zu Stoßzeiten sehr zeitintensives Hobby geworden sind, leugnet Wolz nicht. Aber, versichert sie, "da kommt auch ganz viel zurück". Die strahlenden Kinder, wenn sie das Seepferdchen überreicht bekommen, seien wunderbar. Vor allem, wenn sie sich anfangs kaum ins Wasser trauten. In den vergangenen vier Jahren waren es mehr als 100 Kinder, die nach dem Kurs eine 25-Meter-Bahn schwimmen konnten. Noch einmal 40 konnten sich immerhin ein Stück über Wasser halten. "Sie", sagt Wolz, "haben jetzt wenigstens eine Chance, wenn sie ins Wasser fallen."

© SZ vom 03.03.2016

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