Süddeutsche Zeitung

Unterschleißheim:Mit Schlauch und Schrubber im Schwimmbecken

Das Hallenbad des Aquariush wird gerade auf die neue Saison vorbereitet. Allein das Abpumpen des Wassers hat eineinhalb Tage gedauert.

Von Luisa Wick, Unterschleißheim

Das Wasser strömt mit solch einem Druck aus den Schläuchen, dass die blau-gelben Schwimmplatten darunter quietschen. Die Schaumstoffplatten halten den Schlauch in Position und sorgen dafür, dass das Wasser in hohem Bogen im noch leeren Becken landet. Schließt man die Augen und denkt sich Kindergeschrei dazu, hört es sich beinahe so an, wie an einem gewöhnlichen Tag im Hallenbad. Doch im Becken des Aquariush in Unterschleißheim toben aktuell keine Kinder. Stattdessen schrubben Angestellte in Gummistiefeln den Boden des Beckens.

Das Bad hat gerade wegen Revisionsarbeiten geschlossen. Zwischen dem 14. und 29. September werden die Böden gereinigt, Fliesen ausgebessert, Wasserfilter mit neuer Aktivkohle befüllt, Pumpen gewartet und Liegen geputzt. Zehn Firmen koordinieren Fachbereichsleiter Christian Kunz und sein Team in diesen zwei Wochen. Die Arbeiten, die einmal jährlich erledigt werden müssen, wurden bewusst in die Zeit des Oktoberfestes gelegt. Die Menschen in der Region München denken aktuell an andere Erfrischungen. Auch der Schulbeginn mache sich an den Besucherzahlen bemerkbar, sagt Kunz.

1000 Kubikmeter Wasser fasst das Becken. Das sind eine Million Liter. Hätte das Team nur den Stöpsel gezogen, hätte es eine Woche gedauert, bis das Becken geleert gewesen wäre. Tauchpumpen der Feuerwehr Unterschleißheim haben den Prozess deutlich beschleunigt. Nach zwei Tagen war das Becken leer. Anschließend konnte mit den Arbeiten begonnen werden. Nun wird das Becken mit Frischwasser befüllt. Eineinhalb Tage lang strömt das Wasser mit 12 bis 13 Grad Celsius aus der Leitung. Anschließend dauert es weitere drei Tage, bis die 1 000 000 Liter mollige 29 Grad erreicht haben.

"Um die 3000 Euro kostet eine Füllung", sagt Kunz. Auch wenn die Überlaufbecken dafür sorgen, dass der Großteil des Wassers immer wieder frisch gefiltert seinen Weg zurück ins Becken findet, müssten pro Badegast jeden Tag 30 Liter nachgefüllt werden. Bikini und Badehose saugen sich voll, ein anderer Teil des Wassers verdampft. An einem üblichen Sonntag besuchen um die 1200 Menschen das Bad.

Auch der Saunabereich wird runderneuert. Ein Schreiner schleift die Bänke ab und pflegt das Holz. Die Granitsteine auf den Öfen verkalken durch die Aufgüsse mit der Zeit. "Die waren komplett weiß", sagt Valentin Geiger. Nun sind sie ausgetauscht und geben die Wärme wieder ungehindert in den Raum ab.

Apropos Energie: Dass man direkt nach dem Essen lieber nicht ins Wasser gehen sollte, ist tatsächlich kein Mythos. Geiger, der als Fachangestellter für Bäderbetriebe auch Aufsichtstätigkeiten eines Bademeisters übernimmt, erklärt: "Um eine Portion Pommes zu verdauen, braucht der Körper Energie". Fehle ihm diese Energie zum Schwimmen, könne man schlimmstenfalls tatsächlich untergehen. Wenn das Aquariush am 30. September seine Türen wieder öffnet, sollte man also lieber 20 Minuten nach der Stärkung warten, bis man wieder ins Wasser hüpft.

In einer früheren Fassung hieß es fälschlich, sonntags besuchten üblicherweise 12 000 Menschen das Schwimmbad, tatsächlich sind es 1200.

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