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Unterschleißheim:Grüne Ideen für die Stadt

Tino Schlagintweit tritt für die Grünen an.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Biologe Tino Schlagintweit will Bürgermeister werden

Die Grünen in Unterschleißheim treten mit einem Quereinsteiger an. Tino Schlagintweit ist am Donnerstagabend bei der Aufstellungsversammlung einstimmig als Bürgermeisterkandidat nominiert worden. Zwar ist der 60-Jährige in der Stadt kein Unbekannter, da er sich seit vielen Jahren im Bund Naturschutz engagiert und dort in jüngster Zeit besonders für den Moos-Haide-Park kämpft, aber er hat bislang keine Erfahrungen in kommunalen Gremien. Der Biologe sagt dazu, das mache für ihn auch den Reiz der Herausforderung aus. Er wechsle jetzt "vom Spielfeldrand auf den Rasen", ein Schritt, der notwendig sei, wenn man sich wirklich einbringen will. Was ihn zum Kandidaten befähigt? "Mein naturwissenschaftlicher und journalistischer Hintergrund, die Befähigung, mich schnell in unterschiedlichste Themen einzuarbeiten." Das sei ein Vorteil in einer Zeit, in der sich die Welt "an vielen Ecken total verändert".

Schlagintweit ist in Oberschleißheim aufgewachsen und lebt seit 1992 in Unterschleißheim. Er arbeitet freiberuflich als Umwelt- und Wissenschaftsjournalist und sagt, "die Grünen in Unterschleißheim haben diesmal tatsächlich eine reelle Chance, den Bürgermeister zu stellen". Für seinen Wahlkampf hat er sich drei Schwerpunkte gesetzt. Da ist einmal die "Stadtentwicklung und grüne Infrastruktur". Stichworte dazu sind "keine neuen Gewerbegebiete", bezahlbarer Wohnraum auch durch städtisches Engagement, Umwandlung brachliegender Gewerbeflächen in Wohnraum, wie etwa beim "Moll-Gelände", und eine grüne Infrastruktur, für die man auch Geld in die Hand nehmen müsse. Aus seiner Sicht ist es wichtig, "unsichtbare Grenzen" in der Stadtentwicklung aufzuziehen, wie zum Beispiel den Moos-Haide-Park, über den die Menschen in 50 oder 100 Jahren sehr dankbar sein würden, "aber dann heißt er vielleicht Central-Park", sagt Schlagintweit in Anspielung an New York. Grünzüge hätten eine Versorgungsfunktion für die Menschen, sie garantierten frische Luft und Erholungsqualität.

Beim Thema Verkehr fordert er ein stadteigenes Netz von Kleinbussen, die autonom oder als Diesel-Version viele Haltestellen bedienen. Er erwartet in Zukunft ein durch die Digitalisierung stark verändertes Verkehrssystem, das möglicherweise Entspannung auch auf Unterschleißheimer Straßen bedeute. Deshalb fände er es tragisch, wenn vor der Verkehrswende noch unnötige Straßen gebaut würden. Und er fordert für die Bezirksstraße einen "Shared Space", wo Autos nur noch geduldet wären, um mehr Aufenthaltsqualität dort zu erreichen. Das würde auch den Gewerbetreibenden nutzen. Schließlich hat er sich noch Transparenz und Bürgerbeteiligung auf die Fahnen geschrieben, mit dem Ziel, die Bürger "besser und früher einzubinden".

Seine Vorstellung von einem Unterschleißheim der Zukunft: "Eine Stadt, die lebens- und liebenswert ist", das lebenswert funktioniere schon, aber für das liebenswert wünsche er sich noch "mehr kleinstädtischen urbanen Flair" in Unterschleißheim.

© SZ vom 14.09.2019
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