bedeckt München 12°

Unterschleißheim:Frische Luft ist teuer

Die Stadt will Schulen und Kitas mit Filtergeräten ausstatten und dafür bis zu 2,3 Millionen Euro investieren

Von Bernhard Lohr, Unterschleißheim

Die Stadt Unterschleißheim hält ungeachtet der fortwährenden Diskussionen über Kosten, Nutzen und störende Laufgeräusche von Luftfiltergeräten an dem Plan fest, diese Technik in möglichst vielen Räumen an Schulen und Kindertagesstätten einzusetzen. Beschlossen ist das noch nicht. Doch zuletzt wurden über die Anschaffung von 18 Geräten hinaus, die im Zuge der Förderrichtlinie des Freistaats für schlecht zu belüftende Räume bereits angeschafft werden, weitreichende Vorarbeiten geleistet, auch andere Räume mit den Geräten auszustatten. Insgesamt geht es einer Bestandsaufnahme der Verwaltung zufolge um 394 Räume und um Investitionen von bis zu 2,3 Millionen Euro nur für die Anschaffung der Geräte. Bis zu einer Entscheidung darüber sollen weitere Tests in Schulen laufen und man hofft auf erste Erfahrungswerte, wenn die 18 vom Freistaat finanzierten Geräte im Einsatz sind.

So ist der Plan, auch wenn die jüngst in Neubiberg geführte Debatte den einen oder anderen nachdenklich stimmte, ob günstiger zu bekommende Trennwände in Klassenzimmern Schüler nicht sogar besser schützten. Auf die Nachfrage von Brigitte Huber (Grüne) hin verteidigte Bürgermeister Christoph Böck (SPD) aber die Vorgehensweise der Stadt und betonte, Trennwände seien gerade bei Schülern wenig praktikabel, weil sie vor allem schützten, wenn man sich gegenüber sitze. Bei Schülern funktioniere das eher nicht. "Wir erhoffen und erwarten uns mehr" von der technischen Lösung mit Luftfiltergeräten, sagte Böck. Trennwände verschlechterten schließlich auch die Luftzirkulation im Raum.

Hoffnungen setzt man bei der Stadt darauf, dass mit Hilfe des am Ort ansässigen Unternehmens Buschek Lufttechnik der Schalldruckpegel der Anlagen sogar "drastisch" gesenkt werden könnte. Zwei Geräte laufen zum Test in der Johann-Schmid-Grundschule. Die offiziellen Messergebnisse würden jeweils vom Gerätehersteller übermittelt, heißt es vom Bauamt. Ziel des Herstellers sei es nach dessen Angaben, ein Luftreinigungsgerät so zu optimieren, dass ein Schalldruckpegel von 33 Dezibel (A) eingehalten wird; und zwar gemessen in einem Meter Abstand bei einer Luftumsatzleistung von 1200 Kubikmetern in der Stunde. Das wäre ein sechsmaliger Luftaustausch bei einem Klassenzimmer mit 60 Quadratmetern. 30 Dezibel entsprechen dem Ticken einer Armbanduhr und leisem Wind.

Das Bauamt hat eine Prioritätenliste für die Räume erstellt, die nicht von den Förderkriterien des Freistaats erfasst sind. Also für Räume, die nicht ausreichend belüftet werden können. Priorität eins für eine Ausstattung mit Geräten haben demnach 135 Räume, bei denen das erforderliche Querlüften nicht möglich ist und raumlufttechnische Anlagen nur teilweise vorhanden sind. Priorität zwei haben 172 Räume, bei denen ein Querlüften nur bedingt möglich ist. Und bei 70 Räumen ist Querlüften zwar möglich, aber es fehlt wiederum die Raumlufttechnik.

Es entsteht eine Prioritätenliste, womöglich braucht man nicht die gesamte angesetzte Summe

Je nach Priorisierung wird womöglich nur ein Teil der bis zu 2,3 Millionen Euro angesetzten Summe investiert. Birte Bode (SPD) empfahl den Einsatz der Geräte, auch wenn man diese wegen der Betriebsgeräusche nur auf halber Kraft laufen lassen könne. Vielleicht müsse ein sechsmaliger Durchlauf in der Stunde gar nicht sein, sagte sie. Es sei besser, die Luft drei Mal in der Stunde gereinigt zu bekommen als gar nicht. Kommende Woche entscheidet sich laut Dirk Uhlig vom Bauamt, welche Firma den Zuschlag für die bereits ausgeschriebenen 18 Geräte bekommt. Auch CO₂-Ampeln für Klassenzimmer und Kita-Räume werden angeschafft. Die Nachfrage sei hoch und die Kosten für die Geräte "explodieren" momentan, sagte Uhlig. Dazu kommen geschätzt 1300 Euro Wartungskosten je Gerät und Jahr, etwa für den Filteraustausch.

© SZ vom 28.11.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema