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Unterschleißheim:CSU-Stadträtin Allwein muss Abbitte leisten

Die Unterschleißheimer CSU-Stadt- und Kreisrätin Lorena Allwein hat sich mit Äußerungen zum Gedenken an NS-Zwangsarbeiterinnen Kritik eingehandelt. Für ihre Aussagen hat sie sich jetzt entschuldigt.

(Foto: Claus Schunk)

Die Unterschleißheimer Kommunalpolitikerin entschuldigt sich für ihre NS-Aussagen. Zwei Parteifreunde stimmen trotzdem für den Fraktionsausschluss.

Die kruden Äußerungen der Unterschleißheimer CSU-Stadträtin Lorena Allwein, in denen sie die Erinnerung an nationalsozialistische Verbrechen als überzogen abgetan hatte, bleiben folgenlos. Allwein hat sich am Mittwoch in einer schriftlichen Stellungnahme für ihre Wortwahl entschuldigt, die CSU-Fraktion im Stadtrat sprach ihr das Vertrauen aus. An einen von SPD, Grünen und Jusos geforderten Rücktritt hat die 31-Jährige offenkundig keinen Gedanken verschwendet.

Am Montagabend hatte sich die CSU-Stadtratsfraktion hinter verschlossenen Türen mit der Causa befasst. Dabei wurde Allwein anscheinend massiv ins Gebet genommen. Jedenfalls schickte die Stadträtin am Mittwochmorgen eine als "2. Stellungnahme" deklarierte persönliche Erklärung an die Medien. In dieser äußert sie ihr Bedauern über ihre Worte im Kulturausschuss, der vor zwei Wochen ein Konzept zum Gedenken an die Zwangsarbeiterinnen in der Lohhofer Flachröste von 1938 bis 1945 beschlossen hatte. Sie habe zum Ausdruck bringen wollen, dass sie dem Mahnmal zustimme, jedoch die Konzeption mit den Stelen ablehne. "Das ist mir gründlich misslungen."

Durch ihre Wortwahl sei ganz offenbar der Eindruck entstanden ist, sie würde die Erinnerungskultur zu den Verbrechen der Nazis ablehnen. Das sei nicht der Fall, lässt Allwein verlauten. "Diesen Fehler bedaure ich und dafür entschuldige ich mich." Sie distanziere sich, so Stadträtin Allwein weiter, "ausdrücklich von jedem rechtsextremem Gedankengut und jeder Verharmlosung oder gar Leugnung von Nazi-Gräueltaten".

Allwein hatte in der fraglichen Kulturausschusssitzung die öffentliche Erinnerung an den Nationalsozialismus als übertrieben kritisiert. Der jüngeren Generation komme das Thema "zu den Ohren raus". In München und Dachau gebe es bereits genug "schöne Denkmäler". Nach erster Kritik war Allwein halbherzig zurückgerudert. Nach der internen Besprechung der Unterschleißheimer CSU-Fraktion am Montag sah sie sich offensichtlich zu einer zweiten Klarstellung gezwungen. Diese erfolge "nunmehr mit eigenen Worten" und "in aller Deutlichkeit", heißt es darin. Die erste Stellungnahme war laut Allwein mit ihren "Kollegen von der CSU" abgestimmt.

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Für die CSU ist der Fall damit erledigt. In einer schriftlichen Stellungnahme nennen Fraktionssprecher Friedrich Kiener und Ortsvorsitzender Stefan Krimmer Allweins Äußerungen "missverständlich". Sie habe sich mittlerweile ausdrücklich davon distanziert und "glaubhaft dargelegt, dass sie ihre Wortwahl für einen Fehler hält". Für die CSU bestünden daher "keine Zweifel an der demokratischen Gesinnung von Lorena Allwein".

Das trifft aber nicht auf alle Mitglieder der CSU-Fraktion zu: Da Allwein über eine Niederlegung ihres Stadtratsmandats nur selbst hätte entscheiden können, hat sich die CSU-Runde nach SZ-Informationen mit der Frage auseinandergesetzt, sie aus der Fraktion auszuschließen. Bei einer Abstimmung votierten demnach zwei aus der zwölfköpfigen Fraktion für ihren Ausschluss. Weder Fraktionschef Kiener noch der CSU-Ortsvorsitzende Stefan Krimmer waren am Mittwoch zu weitergehenden Aussagen bereit. Auch Allwein reagierte wie schon am Dienstag nicht auf Nachfragen. In ihrer schriftlichen Stellungnahme bedankte sie sich bei der CSU-Stadtratsfraktion und insbesondere bei CSU-Ortschef Krimmer für deren Verständnis. Auch an die CSU-Kreistagsfraktion, der sie ebenfalls angehört, richtete die Unterschleißheimerin ihren Dank. Diese habe das Thema "unaufgeregt diskutiert" und sich an ihre Seite gestellt.

Allwein gehört dem Unterschleißheimer Stadtrat und dem Kreistag seit 2014 an. Exponiert Position bezogen hatte sie in ihrer bisherigen Stadtratsarbeit erst einmal: Im September 2015 lehnte sie den Standort für die seinerzeit vorgesehenen Flüchtlingsunterkünfte ab. Mit der Massierung der Unterkünfte würde ein Stadtviertel über Gebühr belastet, monierte die heute 31-Jährige, die die Frauen-Union am Ort führt und beim SV Lohhof Pressearbeit macht.

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