Unterschleißheim:Voreilige Fällung

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Unterschleißheim: Die alte Eiche am Bahnhof Lohhof im Jahr 2014.

Die alte Eiche am Bahnhof Lohhof im Jahr 2014.

(Foto: privat)

Die Stadt lässt eine 190 Jahre alte Eiche umsägen, weil sie krank ist. Eine Genehmigung dafür hat sie nicht eingeholt.

Von Bernhard Lohr, Unterschleißheim

Johann Wolfgang von Goethe ist seit einem Jahr tot, in Bayern herrscht seit acht Jahren der junge König Ludwig I. und in München wird auf dem Karolinenplatz der Obelisk eingeweiht, um an die bayerischen Toten der Napoleonischen Kriege zu erinnern. Zu dieser Zeit sprießen 30 Kilometer nördlich der Landeshauptstadt die ersten grünen Zweige einer Eiche aus dem Boden. 190 Jahre später wird dieser Baum nahe dem Lohhofer Bahnhof umgesägt - zum "Entsetzen" der Unterschleißheimer Grünen. Wieder einmal sei "unnötigerweise" ein Baum in der Stadt gefällt worden, beklagt Stadtrat Jürgen Radtke und fordert vom Rathaus eine Erklärung. Die Stadtverwaltung kann den Vorgang begründen, gibt sich aber doch auch zerknirscht.

Der Schwund an Bäumen, vor allem an alten, die mit ihren mächtigen Kroneh einen großen Effekt für den Klimaschutz und das Stadtklima haben, stößt bei den Grünen seit langem auf scharfe Kritik. Sie werfen der Stadt vor, etwa beim Abräumen des Walls an der neuen Michael-Ende-Grundschule, die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben. Und sie prangern immer wieder an, dass die Stadt bei den jeweils zugesagten Ersatzpflanzungen nicht mehr hinterherkomme. Im Fall der Eiche, die im Königreich Bayern schon beachtliche Größe erreicht haben dürfte, halten sie die Fällung schlicht nicht für nachvollziehbar.

So hatte der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Stadtrats im November auch mit den Stimmen der Grünen den Weg freigemacht, um am Lohhofer Bahnhof eine Zufahrt zur neuen Buswendeschleife anzulegen. Einer Rodung auf der Baufläche stand damit nichts entgegen. Doch die Eiche stand auf einem angrenzenden Grundstück. Sie sei bei den bisher erfolgten Arbeiten auch bis zuletzt ausgespart worden, schreibt Radtke. Es wäre ausreichend Platz für die Zufahrt gewesen, ohne den alten Baum zu beseitigen.

Unterschleißheim: Die Reste des mächtigen Baums.

Die Reste des mächtigen Baums.

(Foto: privat)
Unterschleißheim: Auf dem Mollgrundstück ist jetzt nur noch der Baumstumpf zu sehen.

Auf dem Mollgrundstück ist jetzt nur noch der Baumstumpf zu sehen.

(Foto: privat)

Dennoch musste dieser laut Auskunft aus dem Rathaus gefällt werden. Pressesprecher Steven Ahlrep erklärt das mit dem schlechten Zustand der Eiche. Diesen habe man festgestellt, als der Baum im Zuge der Arbeiten an der Zufahrt, die im Bodenbereich auch in die Nähe des Baumes reichten, routinemäßig auf seine Vitalität hin untersucht worden sei. Dabei habe sich gezeigt, dass der Baum "im oberen Kronenbereich bereits abgestorben war". Am Stammfuß habe man größere Faulstellen entdeckt, dort sei man auch auf Pilzbefall gestoßen. Der Baum sei "stark beeinträchtigt" gewesen, sagt Ahlrep. In Absprache mit dem Investor habe man sich für eine Fällung entschieden.

Allerdings habe man versäumt, die Fällgenehmigung auf dem dafür vorgesehenen Amtsweg einzuholen, räumt Ahlrep ein. Die Begründung für einen solchen Antrag habe vorgelegen. Nun soll als Ersatz ein junger Baum gepflanzt werden, und der soll mit Blick auf das Alter der gefällten Eiche auch schon etwas größer sein. 10 000 Euro seien dafür vorgesehen, sagt Ahlrep. Die Stadträte seien über den Vorgang mittlerweile informiert.

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