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Unterschleißheim:Baum vor Biber

Naturschützer beanstanden Zerstörung von Drahtgittern

Unbekannte haben am Rande des Unterschleißheimer Wohngebiets Am Weiher die Gitterdrahthosen zerstört, die die Bäume vor Biberverbiss schützen sollen. Bereits vor einigen Monaten waren die Vorrichtungen nach oben geschoben worden, sodass die Biber darunter an die Bäume gelangen konnten. Vor etwa einer Woche wurden die Kabelbinder durchgeschnitten, mit denen die Drahtgitter zusammengehalten werden.

Birgit Annecke-Patsch, Vorsitzende der Schleißheimer Ortsgruppe des Bundes Naturschutz (BN), bezeichnet die Aktion als "unverständlich". Die Gitterdrahthosen stellen ihrer Meinung nach einen guten Kompromiss zwischen Natur und Zivilisation dar: Sie verhindern, dass Biber an den Bäumen nagen und erhöhen somit die Verkehrssicherheit, denn angebissene Bäume können leicht auf die Straße fallen. Gleichzeitig greift die Maßnahme nicht in den Lebensraum der Biber ein, die Tiere können dennoch genügend Nahrung finden.

Der Zwischenfall erinnert an die Zerstörung einer Biberburg an gleicher Stelle im vergangenen Jahr. Damals hatte der Bund Naturschutz Anzeige erstattet, jedoch ohne Erfolg. Die Täter wurden nicht gefunden, es blieb bei Vermutungen. Umso mehr freuten sich die Naturschützer, als sich in der Gegend wieder Biber eingenistet hatten. Durch die Nähe zum Wohngebiet handelt es sich um ein "schwieriges Revier", wie Annecke-Patsch erläutert. "Es ist daher wichtig, Konflikte zu entschärfen. Dazu gehört auch, die Bäume zu sichern."

Ob es einen Zusammenhang zwischen der Zerstörung der Burg und dem Durchschneiden der Kabelbinder gibt, ist unklar. Annecke-Patsch hält das zwar für denkbar, doch sie hat eine andere Vermutung. "Es kommt auch vor, dass Menschen den Tieren etwas Gutes tun wollen", sagt sie. Möglich sei demnach, dass ein Tierschützer den Bibern wieder Zugang zu den Bäumen verschaffen wollte. "Die Vorgehensweise spricht dafür." Annecke-Patsch appelliert daher an die Vernunft des Täters: Die Biber würden nicht unter den Schutzmaßnahmen leiden.

Mit Hilfe der Stadt Unterschleißheim und der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes möchte die BN-Ortsgruppe die Gitterdrahthosen nun wieder reparieren. Damit es in Zukunft nicht wieder zu Zwischenfällen kommt, soll es in Zukunft verstärkte Kontrollen geben. Die Polizei möchten die Naturschützer aber nicht einschalten.