Spendenaktion Bahnhof der Kuscheltiere

Julia Schlosser war selbst überrascht davon, wie viele Kuscheltiere gespendet wurden.

(Foto: Florian Peljak)

Julia Schlosser hat in Unterschleißheim 1200 Teddys und andere Plüschtiere für Kinder in Syrien, Jordanien und dem Libanon gesammelt. Von der großen Zahl der Spenden ist sie selbst überrascht.

Von Nadja Tausche

Mehr als 1200 Kuscheltiere hat Julia Schlosser in den vergangenen zwei Wochen gesammelt. Über die können sich bald Kinder freuen, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien fliehen mussten: Viele von ihnen sind in Flüchtlingsunterkünften in Syrien, Jordanien und im Libanon untergebracht.

Die Kuscheltiere haben Schlosser aus ganz Deutschland erreicht, aufgehoben hat sie die Spenden im Haus ihrer Eltern in Unterschleißheim: "Seit zwei Wochen stapeln sich dort jeden Tag zwei bis sechs Pakete vor der Tür", sagt die 43-Jährige. Aber auch aus Spanien kommt ein Teil der Stofftiere, denn Schlosser lebt auf Mallorca. Dort hat sie die Aktion durch zwei Aufrufe in der Mallorca-Zeitung publik gemacht, in Deutschland hat sie in verschiedenen Gruppen auf Facebook gepostet.

Das große Echo verdanke die Aktion vor allem ihrer Einfachheit, meint Schlosser. Fast jeder habe Kuscheltiere zu Hause, man müsse sie nicht kaufen - "und viele sind froh gewesen, sie los zu sein, ohne sie wegschmeißen zu müssen". Sie habe die Erfahrung gemacht, dass fast jeder Spender 20 Kuscheltiere abzugeben hat.

Und obwohl der Aufwand für die Spender so gering ist, sind die Kuscheltiere für die Kinder, die sie bekommen, wichtig. In Flüchtlingsunterkünften in Deutschland seien die Kinder oft schon mit ihren Familien vereint, so Schlosser, außerdem gebe es Vereine, die sich kümmern. Das sei in den Unterkünften in Syrien, Jordanien und dem Libanon anders. "Die Kinder dort haben nichts mehr, keine Familie, keine Freunde - da macht ein Kuscheltier psychologisch einen Riesenunterschied", sagt Schlosser.

Schlosser selbst lebt mittlerweile auf Mallorca

Schlosser ist im Landkreis München aufgewachsen und arbeitet heute als Traumatherapeutin auf Mallorca. Mit Flüchtlingskindern habe sie noch nicht zusammengearbeitet, gerade baue sie aber Kontakte auf: Auf Mallorca werden im Moment Leute gesucht, die sich um die Kinder kümmern, da möchte sie mitarbeiten. Davor wird sie aber die Kuscheltiere an den gemeinnützigen Verein Orienthelfer übergeben, der die Aktion mit den Kuscheltieren ins Leben gerufen hat. Der Verein leistet humanitäre Unterstützung für die Opfer des Syrienkonflikts. Gegründet wurde er 2012 von dem Kabarettisten Christian Springer.

Von den Säcken voller Kuscheltiere, die Schlosser für sie gesammelt hat, haben die Orienthelfer erst vor einigen Tagen erfahren. Denn Schlosser hat nach den Erfahrungen einer ersten, ähnlichen Aktion selbst nicht damit gerechnet, dass so viele zusammenkommen. "Diesmal habe ich gedacht: Ich fliege bald nach Deutschland und schaue, dass ich ein paar mitbringe", erzählt sie. Dass zu den 150 Stofftieren, die sie auf Mallorca gesammelt hat, noch einmal mehr als 1000 dazukommen, habe sie nicht erwartet. Für ihre Spendenaktion will Schosser jetzt einen Betrag sammeln, um ihr Kosten abzudecken: Zum Beispiel die für das Übergepäck, um die Stofftiere von Mallorca nach Deutschland zu fliegen.

Die Aktion von Julia Schlosser endete zum 30. September. Wer trotzdem noch Kuscheltiere spenden möchte, kann diese direkt beim Verein Orienthelfer am Frankfurter Ring 105a in München abgeben. Die Stofftiere sollten gewaschen und nach Größen (klein, mittel, groß und Baby) sortiert sein.