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Unterrichtsausfall:Ein geschenkter Tag

Schnee von gestern: In den Gemeinden - hier Unterhaching - läuft das Aufräumen nach den großen Schneefällen.

(Foto: Claus Schunk)

Obwohl sich die Situation in weiten Teilen des Landkreises München bereits normalisiert hat, fällt am Montag flächendeckend der Unterricht aus. Das Landratsamt rechtfertigt die Entscheidung mit der negativen Wetterprognose.

Was hätten die Schulkinder aus dem Landkreis München doch am Montag für einen spaßigen schulfreien Tag im Schnee verbringen können - wäre nicht ein guter Teil der weißen Pracht durch das Tauwetter und den Regen seit Samstagnachmittag bereits wieder verschwunden gewesen. Vermutlich wunderten sich vor allem jene Eltern, deren Improvisationstalent in Sachen Kinderunterbringung durch den bereits am Freitag verordneten Unterrichtsausfall besonders gefragt war, über diese Maßnahme des Landratsamtes. Dort begegnete man entsprechenden Stimmen jedoch gelassen: "Uns ist bewusst, dass die Entscheidung im Nachhinein und insbesondere für den nördlichen Landkreisbereich schwer nachvollziehbar ist", teilte eine Sprecherin der Behörde am Montag auf Anfrage mit.

Die Koordinierungsgruppe habe sich aber nicht leichtfertig zu diesem Schritt entschlossen: "Aufgrund der bis einschließlich Montag angekündigten 50 bis 80 Zentimeter Neuschnee, unterbrochen von einem Regengebiet, war mit einer massiven Verschärfung der Sicherheitslage für Schülerinnen und Schüler auf dem Schulweg sowie während des Unterrichts zu rechnen", so die Sprecherin. Aus diesem Grund habe man die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt für gerechtfertigt gehalten. Erst im Laufe des Sonntags habe sich herausgestellt, dass die Wetterprognosen "nicht in diesem Maße" zutreffend gewesen seien.

In der ein oder anderen Gemeinde wurde auch öffentlich Unmut über die Entscheidung laut, den Unterricht pauschal ausfallen zu lassen. Etwa in Neubiberg, wo der Elternbeirat der Grundschule das Landratsamt um Auskunft bat, warum die Schulschließungen nicht lokal differenziert wurden. Doch das Landratsamt habe vor allem deshalb eine frühzeitige und pauschale Absage beschlossen, weil absehbar gewesen sei, dass nicht sämtliche öffentlichen Gebäude bis Montagfrüh von Schnee und Eis befreit sein würden, heißt es aus der Pressestelle.

Der Krisenstab am Mariahilfplatz, bestehend aus Vertretern des Schulamts und verschiedenen Abteilungen des Landratsamts (Katastrophenschutz, die zuständigen Mitarbeiter für Schülerbeförderung und Öffentlichen Nahverkehr), hatte die Situation auch mit der Feuerwehreinsatzzentrale, dem Deutschen Wetterdienst, der Straßenmeisterei Riem, einzelnen Kommunen sowie der Regierung von Oberbayern erörtert. Man sei sich einig gewesen, den Eltern möglichst früh Planungssicherheit geben zu wollen.

In einzelnen Gemeinden stellte sich die Entscheidung auch als absolut richtig heraus. Denn obwohl die Feuerwehren das komplette Wochenende über im Einsatz waren, wurden diverse Schulgebäude erst am Montagnachmittag wieder freigegeben. Etwa in Unterhaching, wo nach den Räumarbeiten am Wochenende am Montag die Statik der Gebäude überprüft wurde. Erst danach konnte für die Schulhäuser, die Horte und die Mittagsbetreuung eine Freigabe erteilt werden. Weiterhin gesperrt bleiben in Unterhaching sogar die Schulturnhallen an der Grund- und Mittelschule am Sportpark sowie am Lise-Meitner-Gymnasium.

Die Sperrungen für die Hachinga Halle mit Festsaal und Turnhalle und die Stockschützenhalle am Sportpark gelten auch weiterhin. Die Sportarena am Utzweg ist von Dienstag an dagegen wieder freigegeben. So schlimm erwischte es den nördlichen Landkreis bei weitem nicht, Rektor Stephan Ambrosi von der Johann-Andreas-Schmeller-Realschule Ismaning hat dennoch Verständnis für die Entscheidung des Landratsamts vom Freitag. Denn es hätte auch im Norden wesentlich heftiger kommen können: "Wäre die Schneefallgrenze ein paar hundert Meter niedriger gewesen, hätte die Situation ganz anders ausgesehen", so der Rektor.

In Ismaning wurde wie an allen anderen Schulen, die wie jene in Unterhaching wegen der Gefährdungslage nicht komplett gesperrt waren, ein Betreuungsnotdienst für die Schüler eingerichtet. Allerdings wurde dieser nur vereinzelt genutzt. So wollte Reinhard Rolvering, Schulleiter des Gymnasiums Neubiberg, eigentlich ein Völkerballturnier für die Kinder organisieren, es musste jedoch wegen der zu kleinen Zahl anwesender Schüler entfallen.

Bleibt die Frage, wie es in den nächsten Tagen weitergeht. Am Montagnachmittag schneite es zwischenzeitlich nochmals heftig, es gab eine amtliche Warnung vor Windböen und bis zu fünf Zentimeter Neuschnee bis zum Abend. Dennoch scheint das Gröbste vorerst überstanden zu sein. Und so bestand am Montagabend auch kein Grund für das Landratsamt, weitere Maßnahmen zu verfügen.

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