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Unterricht in der Pandemie:Ein Hauch von Normalität

(Foto: Claus Schunk)

Luftreiniger wie in Neubibergs Grundschule sollen die Maskenpflicht obsolet machen - Wirtschaftsminister Aiwanger ist angetan

Von Martin Mühlfenzl, Neubiberg

Susanne Sieben führt in eines der Klassenzimmer im Erdgeschoss der Neubiberger Grundschule und zeigt auf die kleinen Tische. Schutzwände aus Plexiglas sind dort aufgestellt, verankert mit Haken auf den Tischplatten; sie sollen verhindern, dass es unter den Schülern zu direkten Infektionen mit dem Coronavirus kommt. Dann deutet Schulleiterin Sieben, die natürlich einen Mund-Nasen-Schutz trägt, auf eine Bank neben der Tafel. Dort soll schon übernächste Woche ein schwarzer Kasten stehen, mit dem die Rektorin große Hoffnungen verbindet: ein Raumluftreiniger. Wenn der einmal im Einsatz ist, sagt Sieben, dann könne hoffentlich auch die Maskenpflicht während des Unterrichts an ihrer Schule aufgehoben werden.

Sieben präsentiert das umgestaltete Klassenzimmer am Rande des Besuchs von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Mittwochnachmittag in der Neubiberger Grundschule. Aiwanger ist gekommen, um sich über ein Projekt der Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Universität der Bundeswehr zu informieren: Neubiberg stattet alle Klassenzimmer und Gemeinschaftsräume in den Schulen, für die die Gemeinde Sachaufwandsträger ist, mit Raumluftreinigern aus - 40 Räume insgesamt.

Wie mit dem Einsatz von Luftreinigern und Schutzwänden das Infektionsrisiko möglichst gering gehalten werden soll, präsentierte Christian Kähler, Professor am Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik der Bundeswehruniversität, dem Minister und der Presse. Hochwirksame Luftreiniger seien in der Lage, das indirekte Infektionsrisiko wirksam zu minimieren, wenn sie drei Kriterien erfüllen, sagte Kähler in der Aula der Grundschule: Sie müssen das Sechsfache des Raumvolumens pro Stunde umwälzen, die Geräte müssen hochwertige Filter der Klassen H 13 oder H 14 beinhalten und sie müssen leise sein. Dann, so Kähler in Richtung Aiwanger, sei es auch sinnvoll, wenn die Politik deren Anschaffung fördere. In Kombination mit Schutzwänden an den Tischen sei es dann auch möglich, die Masken abzulegen - egal ob im Klassenzimmer oder im Großraumbüro.

Aiwanger zeigte sich sichtlich angetan von der Neubiberger Initiative und den Ausführungen Kählers. Er begrüße diese pragmatische und kostengünstige Ergänzung; jede Maßnahme müsse geprüft werden, die dazu beitrage, die Luft in geschlossenen Räumen möglichst virenfrei zu halten. Neubiberg gehe dabei "forsch" voran. Zwar werde es keine absolute Sicherheit geben, aber es müsse alles getan werden, um "etwas Normalität" inmitten der Pandemie zu erreichen. Dabei müsse auch die Gastronomie in den Blick genommen werden. Investitionen lohnten sich, so Aiwanger, schließlich gebe es auch weitreichende Förderungen von Bund und Land.

Neubibergs Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) sagte, Ziel sei, in den Neubiberger Schulen einen "weitgehend normalen Alltag" für Schüler und Lehrer herzustellen und einen erneuten harten Lockdown zu verhindern. "Wir wollen einen reibungslosen Unterricht ohne frierende Kinder", so der Rathauschef mit Blick auf den Winter und die anhaltende Debatte ums Lüften. Übernächste Woche sollen die Luftreiniger in den Klassenzimmern stehen - und die Schüler blicken sich dann durch Plexiglasscheiben an.

© SZ vom 19.11.2020
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