Unterhaching/Unterschleißheim Unkraut jäten statt Daten verarbeiten

Annette Maier, Deutschland-Chefin von VMware greift in Unterhaching mit Mitarbeitern zur Axt.

(Foto: Bardehle)

Mit "Social Days" zeigen Unternehmen soziales Engagement und bilden gleichzeitig ihre Mitarbeiter weiter

Von Trang Dang, Unterhaching/Unterschleißheim

"Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten ist ein Erfolg." Als Geschäftsführerin Annette Maier an diesem Morgen das Haus verlässt, hält sie kurz inne und zitiert den Automobilherstellers Henry Ford. Doch nicht wie sonst jeden Werktag fährt die 47-Jährige nach Unterschleißheim in die Zweigniederlassung ihres Arbeitgebers, des amerikanischen Softwareunternehmens VMware, um dort ihren Rechner hochzufahren, sich mit virtualisierter Datenverarbeitung auseinanderzusetzen und dann abends mit dem Gefühl nach Hause zu fahren, in einem beengten Büro gesessen zu haben.

Denn an diesem "Social Day" tauschen sie und ihre rund 150 Mitarbeiter ihre Accounts und Anzüge gegen einen ungewöhnlichen Arbeitsplatz ein. Das 16 000 Quadratmeter große Areal in Unterhaching ist bis auf etwa 14 "Social Days" im Jahr sonst nur rund 3000 Kindern des pädagogischen Kinder- und Jugendhilfezentrums der Anton Schrobenhauser Stiftung "Kids to Life" vorbehalten. Stiftungsleiterin Barbara Hathaway, 53, betont wie dringend Unterstützung von außen gebraucht werde, um die Grünanlagen zu pflegen, die Zäune und die Häuser zu streichen.

Ein "Social Days" ist mehr als ein Betriebsausflug. Mitarbeiter bringen sich gemeinnützig ein, sie renovieren Kinderzentren, schrauben Tische zusammen oder begleiten Menschen mit Behinderungen zu einem Ausflug. Eintägig oder mehrtägig ist dieses Konzept nur ein Teil der Unternehmenspraxis des "Corporate Volunteering", wie es in der Managementsprache heißt. Allerdings ist dieser Austausch auch differenziert zu betrachten. "Die Einführung der Freiwilligenarbeit passt dann nicht zur eigenen Unternehmenskultur, wenn im Unternehmen selbst nicht respektvoll miteinander umgegangen wird," sagt Egon Endres, Sozialwissenschaftler an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München.

In Zusammenarbeit mit der ETH Zürich fand der Professor für Soziale Arbeit in Studien und Befragungen mit Unternehmen, Wohlfahrtsverbänden und Stiftungen zur Freiwilligenarbeit heraus, dass ehrenamtliche Tätigkeiten wie "Social Days" von den Mitarbeitern sogar als Widerspruch empfunden werden könnten. Endres zufolge müssten Freiwilligen- und Erwerbsarbeit also als stimmig für die eigene Unternehmenskultur und als sinnhaft für die Mitarbeiter erachtet werden.

Die Weiterbildung der Mitarbeiter durch soziales Engagement etablierte sich als Unternehmenspraxis in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend in amerikanischen Unternehmen. In den vergangenen zehn Jahren sehen nicht nur große DAX-Unternehmen, sondern inzwischen auch mittelständische Firmen, welchen Nutzen sie aus der Freiwilligenarbeit ziehen können. "Man adaptiert diese Erfahrung ins Berufsleben mit dem Blick, was man geschaffen hat," sagt Annette Maier, Deutschlandchefin von VMware. Die karitative und handwerkliche Arbeit sei schöner als nur zu spenden, diese Art von Arbeit bringe auch den Mitarbeitern Themen wie Kinder- und Jugendhilfe näher.

Die Rückmeldungen ihrer Mitarbeiter zum Social Day seien extrem positiv, sagt die Mutter von drei Kindern. Dass zunehmend mehr deutsche Firmen für "Social Days" auf sie zukommen, sieht auch Stiftungsleiterin Barbara Hathaway an der steigenden Nachfrage. Erst vor drei Jahren hat sie ihre Einrichtung für sozial benachteiligte Kinder und Jugendlichen für Unternehmen geöffnet. Auch Stiftungsgründer Anton Schrobenhauser sei als Unternehmer in vielen Bereichen sozial engagiert. Die Errichtung des Zentrums geht auf die Zusammenarbeit mit dem Clemens-Maria-Kinderheim zurück.

Von einem eintägigen sozialen Engagement bis hin zur Stiftung - auch bei VMware sucht man Wege, das Wissen aus der Freiwilligenarbeit zu sichern. Vor zehn Jahren hat man dort eine Initiative namens Foundation Global Citizen Council gegründet. Diese koordiniert die ehrenamtliche Tätigkeit der Mitarbeiter.

Darüber hinaus findet unternehmerisches Engagement auch oftmals im Stillen statt, sagt Sozialwissenschaftler Endres. Er kenne viele Unternehmen, die sich einbringen, ohne dass die Öffentlichkeit jemals davon erfährt.