Planungshoheit:Bürgermeister breitet schon mal das Handtuch aus

Planungshoheit: Dicht an dicht liegen die Besucher des Unterhachinger Schwimmbads - wenn nicht gerade ein Corona-Sommer ist. Zusätzlichen Verkehr durch neue Anwohner oder erst recht deren Beschwerden über den Lärm der Badegäste braucht man im Rathaus nicht auch noch.

Dicht an dicht liegen die Besucher des Unterhachinger Schwimmbads - wenn nicht gerade ein Corona-Sommer ist. Zusätzlichen Verkehr durch neue Anwohner oder erst recht deren Beschwerden über den Lärm der Badegäste braucht man im Rathaus nicht auch noch.

(Foto: Claus Schunk)

Unterhaching will verhindern, dass gegenüber dem Eingang zum Freibad ein großer Wohnkomplex entsteht. Im Rathaus befürchtet man Konflikte der neuen Anwohner mit den Besuchern. Deshalb plant die Gemeinde, tief ins Baurecht des Grundeigentümers einzugreifen.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Direkt gegenüber dem Eingang zum Unterhachinger Freibad gibt es ein großes, nahezu unbebautes Grundstück, nur am Rand steht ein Einfamilienhaus. Solche Areale sind rar in Unterhaching und wecken daher Begehrlichkeiten. Jetzt will der Eigentümer hier 22 Wohnungen errichten lassen. Bei Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) schrillen die Alarmglocken. Er hat das Thema zur Chefsache erklärt, denn er sieht dadurch den Betrieb des Freibads gefährdet. Mit einem Bebauungsplan will er rasch die Notbremse ziehen. Der Bauausschuss hat dafür am Dienstagabend den Weg geebnet.

Wer schon mal an einem schönen Sommertag mit all den anderen Badegästen in das Unterhachinger Freibad strömte, weiß, welche Massen sich durch den Eingang an der Schrenkstraße schieben. 7000 Menschen sind das mitunter, wenn nicht gerade Corona die Anzahl der Eintrittskarten limitiert. Sollte also direkt an dieser kleinen Straße ein solches Wohnbauprojekt verwirklicht werden, wie es offenbar aufgrund des Bebauungsplans für die Grünau aus dem Jahr 1964 vom Landratsamt genehmigt werden könnte, schwant dem Bürgermeister ein kaum zu bewältigendes Chaos in diesem Bereich. Denn 22 Wohnungen würden auch 50 Stellplätze bedeuten. "Das ist eine ganze Menge Fahrverkehr, der Schwimmbadeingang wäre nicht mehr nutzbar", sagte Panzer in der Sitzung des Bauausschusses. "Ich sehe Handlungsbedarf, hier ist eine Bebauung im Anrollen, da müssen wir etwas tun", warb er unter den Gemeinderatsmitgliedern um Zustimmung, mit einem Bebauungsplan regelnd einzugreifen.

Da die Gemeinde zwar die Planungshoheit, aber nicht die Genehmigungshoheit besitzt, schlägt Panzer vor, für die Nutzung des Grundstücks eine Gemeinbedarfsfläche festzusetzen. Damit wäre die Wohnbebauung erst einmal vom Tisch. Dann habe die Gemeinde das Heft des Handelns in der Hand, betonte der Bürgermeister. Denn aktuell gibt es seltsamerweise Baurecht neben dem bestehenden Haus, also in dem Bereich Richtung Hachinger Bach, der als Überschwemmungsgebiet gilt. "Was da der Planungsgedanke von 60 Jahren war, kann ich nicht nachvollziehen", so Panzer. Zumal er befürchtet, dass auch die umliegenden Häuser in Mitleidenschaft gezogen werden könnten, wenn auf diesem Grundstück im Überschwemmungsgebiet eine solche Bebauung realisiert würde. "Wohnanlagen, bei denen Keller überflutet werden, haben wir schon", mahnte der Bürgermeister.

Planungshoheit: Auf dem Grundstück neben dem Freibad will der Eigentümer 22 Wohnungen errichten.

Auf dem Grundstück neben dem Freibad will der Eigentümer 22 Wohnungen errichten.

(Foto: Claus Schunk)

Neben seiner SPD-Fraktion hatte Panzer auch die FDP und die Freien Wähler sogleich an seiner Seite. "Ich sehe das auch sehr kritisch", sprang Gertraud Schubert (Freie Wähler) dem Bürgermeister zur Seite. Neben der Hochwasserproblematik befürchte sie, dass Leute dort einziehen, die sich über den Lärm des Schwimmbads beschweren. Auch seien die Liegeflächen des Bads mittlerweile zu klein. Bleibt das Grundstück frei, hätte die Gemeinde so auch die Möglichkeit, das Freibad irgendwann einmal zu vergrößern und den Eingang neu zu gestalten.

So weit sind die Überlegungen des Bürgermeisters zumindest öffentlich noch nicht gediehen. Er will aus dem Grundstück mit Zustimmung des Gemeinderats am kommenden Mittwoch erst einmal Gemeinbedarfsflächen machen, dann werde man weitersehen. "Wir können das auch wieder verändern", warb er um Zustimmung. Die Grünen, die zunächst etwas zögerlich reagiert hatten, weil sie sich nicht gut genug informiert fühlten, waren schließlich auch für die Aufstellung eines Bebauungsplans. Nur die CSU blieb bei ihrem Nein. "Das ist ein massiver Eingriff in die Eigentumsrechte des Bürgers, dem das Grundstück gehört", findet Franz Felzmann. Die Gemeinde müsse vor einer solchen Entscheidung mit dem Eigentümer reden. Muss sie nicht, findet Panzer. Denn: Sollte durch die Bauleitplanung das Grundstück weniger wert sein, müsse die Kommune den Verlust ausgleichen.

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