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Unterhaching:Trauer um Richard Hörle

Trainer großer Talente: Richard Hörle mit dem Olympia-Silbermedaillen-Gewinner Marcel Nguyen.

(Foto: Claus Schunk)

Der Turnvater des TSV und erste Trainer von Marcel Nguyen ist in der Nacht zum Freitag gestorben

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Es gibt Menschen, die brennen für ihren Sport so sehr, dass man gar nicht anders kann, als sich mitreißen zu lassen. Wer Richard Hörle über das Turnen reden hörte, dem war sofort klar, dass Pauschenpferd und Ringe sein Universum sind und die Kunstturner des TSV Unterhaching seine Buben. Eine Sympathie und eine gegenseitige Hochachtung, die seit Jahrzehnten von beiden Seiten ausging. Er war für viele Athleten nicht nur ein Trainer, er war der Turnvater des TSV Unterhaching. In der Nacht auf Freitag ist Richard Hörle nach schwerer Krankheit gestorben. Im Dezember wäre er 79 geworden.

"Unsere Trainerlegende" haben seine Jungs ihn immer liebvoll genannt, und dazu zählen so erfolgreiche Spitzensportler wie der zweimalige Silbermedaillen-Gewinner von Olympia 2012, Marcel Nguyen, sowie die beiden anderen aktuellen Nationalkaderturner Lukas Dauser und Felix Remuta. Es ist knapp ein Jahr her, dass Hörle die drei zu einer besonderen Ehrung in der Unterhachinger Sportarena am Utzweg traf, was für ihn eigentlich das noch schönere Geschenk war als die Ernennung zum Ehrenmitglied des Vereins.

"Den ersten Trainer vergisst du eh nicht - schon gar nicht den Richard Hörle", hatte Marcel Nguyen bei diesem Treffen im Dezember 2019 gesagt. Hörles Tod ist für den TSV ein schwerer Schlag. "Mit ihm verliert der bayerische und deutsche Turnsport eine der herausragendsten Trainerpersönlichkeiten im Nachwuchsleistungssport", schreibt Abteilungsleiter Oskar Paulicks.

45 Jahre lange war Hörle Mitglied beim TSV Unterhaching. Er stammt aus dem Schwäbischen, hatte als junger Turner den gleichen Trainer wie Weltmeister Eberhard Gienger und brachte es immerhin zum baden-württembergischen Meister. "Turnen bietet die beste Grundausbildung für alle anderen Sportarten", war stets seine Überzeugung. Aber er wusste auch: Wer große Erfolge feiern will, muss ein großes Maß an Disziplin, an Ausdauer und Fleiß besitzen. Er hat vielen Talenten das Einmaleins des Turnens beigebracht und dann dafür gesorgt, dass Landes- oder Bundestrainer auf sie aufmerksam wurden. Der erste, der es bis zur nationalen Spitze schaffte, war Anfang der Achtzigerjahre Andreas Rahm, der Unterhaching in der Jugendnationalmannschaft vertrat.

Dabei vergaß Hörle nie, den jungen Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen, und er hat nie ausschließlich die Leistung in den Vordergrund gestellt. Neben konsequentem Training gehörten für ihn stets auch Spaß und Freude der Kinder dazu. Und wenn es einmal nicht so lief, vermittelte er ihnen stets seine Wertschätzung und gab die oft so wichtige psychologische Hilfestellung. Es gab bis zuletzt kaum eine Meisterschaft, egal ob auf Bezirks-, Landes- oder Bundesebene, bei der Hörle nicht die Betreuung der Buben übernahm, ihnen vor dem Start noch einmal gut zuredete, ihnen letzte Tipps gab, sie tröstete, wenn mal was danebenging.

"Sein jahrzehntelanges, unermüdliches Wirken hat den Grundstein dafür gelegt, dass Unterhaching sowie der Turnsport in Bayern und auch in Deutschland größte Erfolge verzeichnen konnten", sagt Paulicks. Schlüssel zu all den vielen Erfolgen sei vor allem auch seine Bereitschaft und Fähigkeit zur Kooperation gewesen. "Er wusste genau, dass große Erfolge nur zu erreichen sind, wenn man zusammenarbeitet, und man spürte bei allem, was er tat, sein großes Herzblut."

© SZ vom 10.10.2020/lb

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