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Unterhaching:Spielvereinigung bekommt das Stadion

Die Gemeinde überlässt dem Fußballdrittligisten die Sportstätte für 3,3 Millionen Euro. Falls der Verein es wieder abstoßen möchte, hat die Kommune ein Vorkaufsrecht

Der Weg für den Verkauf des Unterhachinger Stadions ist geebnet. Der Gemeinderat hat am Mittwochabend in nichtöffentlicher Sitzung die Weichen für die Veräußerung der Sportstätte an die Spielvereinigung Unterhaching gestellt, die dafür nach Informationen der SZ 3,3 Millionen Euro zahlen soll. Vertraglich ist der Deal noch nicht geregelt, dies soll in den kommenden Wochen ausgehandelt und in den gemeindlichen Gremien diskutiert und abgestimmt werden.

Details zu der Vereinbarung wollten die Teilnehmer der Sitzung mit Verweis auf die Wahrung der Nichtöffentlichkeit nicht nennen. Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) bestätigte die Entwicklung aber insoweit, als er die Nachricht nicht dementierte und einräumte: "Vom Gemeinderat geht ein positives Signal aus."

In der direkt vorangegangenen öffentlichen Sitzung betonte Vereinspräsident Manfred Schwabl, dass es eine Vermietung des Stadions an den TSV 1860 München nicht geben werde. Entsprechende Befürchtungen waren von Anwohnern geäußert worden, als bekannt geworden war, dass die Gemeinde über einen Verkauf verhandelt. Schwabl betonte: "Ich sage heute offiziell, dass es das Ziel der Übergabe der Nutzung nicht geben wird." Er habe das zunächst nur deshalb im Raum stehen lassen, da er abwarten wollte, ob der Verein die weitere Nutzung oder Übernahme des Stadions bekommen werde. Da dies aber zur Unruhe unter den Anwohnern geführt habe, wollte er das klarstellen.

Sportpark Unterhaching, 2018

Die Spielvereinigung Unterhaching ist künftig Hausherr im Stadion am Sportpark.

(Foto: Claus Schunk)

Dann aber gingen die Türen des großen Sitzungssaal im Unterhachinger Rathaus für die Öffentlichkeit für gut zwei Stunden zu. Zwar hatten die Grünen beantragt, die Causa Stadionverkauf öffentlich zu beraten. Doch fand sich in dem Gremium keine Mehrheit für dieses Ansinnen. Bürgermeister Panzer verweist darauf, dass Tagesordnungspunkte, die unter das Vertragsrecht fielen, grundsätzlich nichtöffentlich seien, auch damit das Gremium "ohne Druck" arbeiten könne. "Das kann schwierig sein, wenn, etwa wie in diesem Fall, 50 Vereinsvertreter im Zuschauerraum sitzen."

Während die Grünen sich bereits seit 2014 stets gegen eine Veräußerung von gemeindlichen Grundstücken und Liegenschaften aussprechen, haben die Befürworter eines Verkaufs vor allem die hohen Unterhaltskosten des Stadions im Sportpark im Blick. Allein im diesjährigen Haushalt ist für den Betrieb ein Minus von etwa 1,8 Millionen Euro aufgeführt.

Der Fahrplan, wie es nun weitergeht, ist zeitlich bereits festgezurrt. Denn bis zum 30. Juni muss die Spielvereinigung die neue Lizenz beantragen, der DFB als Lizenzgeber müsse vorher wissen, wie es weitergehe, erläutert Panzer. Da im Mai der bis dahin neu gewählte Gemeinderat mit seiner konstituierenden Sitzung beschäftigt sein wird, gilt es nun bis April, die Details zu beraten und einen Vertrag aufzusetzen. Dabei soll es nur um das eigentliche Stadion, nicht aber um die Nebenplätze gehen. Auf acht Eckpunkte habe man sich bereits verständigt, hieß es von Sitzungsteilnehmern. Darunter auch ein Vorkaufsrecht der Gemeinde, das dann greifen würde, wenn der Verein das Stadion wieder verkaufen sollte.

Deal: Bürgermeister Wolfgang Panzer (links) und Vereinspräsident Manfred Schwabl sind sich einig geworden.

(Foto: Claus Schunk)

Wie viel Geld für die auf Kies gebaute 20 Jahre alte Sportstätte vom Verein in die Gemeindekassen fließen wird, darüber kursieren Zahlen, die noch keiner öffentlich bestätigen will. 3,3 Millionen Euro sind im Haushalt der Gemeinde unter dem Posten "Grundstücksverkauf" vermerkt. Konkret vom Stadion ist hier nicht die Rede, Bürgermeister Panzer wollte auch nicht bestätigen, dass dieser Posten damit gleichzusetzen ist. Aus Gemeinderatskreise heißt es jedoch, dass dieser Betrag exakt dem Kaufpreis entspreche.

Für den Verein wird es nun darum gehen, das Stadion zweitligatauglich zu machen. Dazu zählen Überdachungen, aber auch ein neues, wesentlich stärkeres Flutlicht, das für den Videobeweis gefordert wird. Schwabl will zu der Gemeinderatsitzung nicht Stellung nehmen. Er verspricht aber, noch in diesem Jahr gemeinsam mit der Gemeinde zu einer Anliegerversammlung einzuladen und alle Fragen bezüglich der zukünftigen Nutzung des Stadions zu beantworten.

© SZ vom 14.02.2020
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