Unterhaching:Ein Turm in der Frischluftschneise

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Trotz Kritik der Grünen genehmigt Unterhaching den Neubau der Schwaiger Group.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Die Umgestaltung und Erweiterung des Gewerbegebiets Nord ist fast schon ein Dauerbrenner in den Sitzungen des Unterhachinger Gemeinderats. Wirtschaftsförderer Simon Hötzl weist immer wieder darauf hin, dass hier die wohl einzige Möglichkeit Unterhachings besteht, noch Gewerbe anzusiedeln. Insbesondere bei den Grünen stößt das seit vielen Monaten auf scharfe Kritik, denn sie sehen die Frischluftschneise Hachinger Tal in Gefahr. Jetzt hat die Mehrheit im Gremium doch dem Neubau eines Gebäudes der Schwaiger Group für 6500 Quadratmeter Büroflächen zugestimmt, das südöstlich des Komplexes Hatrium errichtet werden soll. Dazu wurde dem Bauherrn eine Ausnahme von der Veränderungssperre erteilt.

Die Grünen-Fraktion empört das. Denn im Moment befindet sich für das Gebiet ein Bebauungsplan in Aufstellung. "Es gibt noch einiges zu reden und abzuwägen", mahnte Stefan König vor der Abstimmung. Zwar soll etwa mit blütenreichen und insektenfreundlichen Saatgutmischungen auf den Dächern und einer Fassadenbegrünung dem Umweltschutz Rechnung getragen werden. Die Schwaiger Group verspricht außerdem, den Bestand, also den 19000 Quadratmeter großen Hatrium-Komplex, nach "grünen Kriterien zu revitalisieren und mit dem Neubau die Green Building-Anforderungen von Leed Platin erfüllen."

Es handelt sich dabei um die höchste Stufe des von dem US Green Building Council (USGBC) entwickelte Zertifizierungsverfahren. Michael Schwaiger, CEO der Schwaiger Group, wird in einer Mitteilung des Unternehmens dazu zitiert: "Nachhaltige Bürowelten sind relevanter denn je. Der Arbeitsplatz wird immer mehr als Bestandteil des ökologischen Fußabdrucks sowohl auf Arbeitgeber- als auch auf Arbeitnehmerseite wahrgenommen."

Die Gemeinde Unterhaching hat zudem ein klimatologisches Gutachten erstellen lassen, in dem es auch um die Frage ging, ob der 21 Meter hohe Turm die Frischluftzufuhr für die Stadt München beeinträchtigen könnte. Der Grünen-Gemeinderat König sieht allerdings zwischen den ursprünglich angegebenen Maßen des Gebäudes und den jetzt geplanten eine erhebliche Diskrepanz. Und nach einer telefonischen Nachfrage mit dem Gutachter ist er sich sicher: Der hatte das Gebäude bei seiner Untersuchung so nicht auf dem Schirm.

Zwar ist es bei 21 Metern Höhe geblieben. Doch statt 24 mal 24 Meter in Breite und Länge soll der Turm nun 35 bis 30 Meter groß werden. Daher warb König im Gemeinderat für eine "Beibehaltung der Veränderungssperre bis der Bebauungsplan fertig ist". Eine Mehrheit fand er dafür allerdings nicht. Nach dem Bauausschuss stimmte auch der Gemeinderat dem Vorhaben der Schwaiger Group zu.

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