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Unterhaching:Sauer wegen Tower

Ein Flieger mit Rutsche und Leiter sowie ein Turm und ein Trampolin - genau das haben sich Kinder und Jugendliche in einer Abstimmung gewünscht.

(Foto: Claus Schunk)

Anwohner wehren sich gegen einen Kletterturm auf einem umgestalteten Spielplatz

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Auf der Unterhachinger Stumpfwiese ist ein Flieger gelandet. So groß, dass Kinder darin spielen können. Und das sollen sie auch, denn das blaue Flugzeug mit Rutsche und Leiter ist ein Gerät auf dem neu gestalteten Spielplatz an der Budapester Straße. Kinder und Jugendliche hatten im vergangenen Herbst darüber abgestimmt, welcher Plan hier verwirklicht werden soll und die Variante mit dem Flieger, einem Turm und einem Trampolin hatte deutlich gewonnen. Bald soll der Spielplatz fertig sein. Einigen Anwohner gefällt das offenbar überhaupt nicht.

In ihrem Ärger, vor allem über den "Tower" hinter ihren Reihenhausgärten, hatten sie sich an die CSU-Fraktion im Gemeinderat gewandt und die trug das Anliegen in der jüngsten Bauausschusssitzung vor. "Ist es wirklich notwendig, in einer kleinen Siedlung einen Spielturm und einen Dreidecker vor den Gartenzaun zu bauen", fragte Franz Felzmann. Das sei doch völlig überzogen und die Fallhöhe von 2,50 bis drei Metern recht hoch, gab er zu bedenken. Mehr sei gar nicht erlaubt. Man hätte das doch vorher bei einem Ortstermin besprechen können. "Wir haben schon mal einen Spielturm in einem Garten abgelehnt", sagte er. CSU-Fraktionssprecher Korbinian Rausch ergänzte, dass die Anwohner eigentlich nichts gegen den Spielplatz hätten, aber die Gemeinde hätte sie vorher über die Pläne informieren sollen, "wir sind da in einer Bringschuld", findet er.

Diesen Vorwurf will sich Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) nicht machen lassen. Schließlich sei die Öffentlichkeit an dem Bauvorhaben beteiligt worden, es haben zwei Vor-Ort-Termine vor der Abstimmung der Kinder gegeben. Zudem sei das Projekt in den sozialen Medien vorgestellt und auf einer Bautafel am Spielplatz der Plan für jeden sichtbar aufgehängt und das Vorhaben angekündigt worden. "Wir haben bei einem Spielplatz noch nie so viel Öffentlichkeitsarbeit betrieben wie hier", sagte der Bürgermeister.

Der Umbau an der Budapester Straße ist einer von mehreren Vorhaben in der Gemeinde, die Spielplätze attraktiver zu gestalten. "Hier gab es schon immer einen öffentlichen Spielplatz für Kinder bis zwölf Jahre", verweist Panzer auf den Bebauungsplan. Bis vor kurzem bestand der Spielplatz aus Sand- und Grünflächen, einer Schaukel und ein paar in die Jahre gekommenen Wipptieren. Diesmal durften nun die Kinder mitbestimmen, was sie gerne hätten, und daran will die Gemeinde auch festhalten. "Wir brauchen die Jugendlichen nicht zu beteiligen, wenn wir hinterher sagen, was ihr wollt, ist ein Schmarrn", sagte Panzer. Schließlich seien bei diesem Konzept sämtliche rechtlichen Vorgaben eingehalten. "Ich kann nicht die Kinder befragen und hinterher sagen, da ist einer, der dagegen ist", findet der Bürgermeister. Unterhaching habe viele Spielplätze, da rege sich immer jemand auf.

Auch Julia Mittermeier (Freie Wähler) verteidigte das Konzept. "Ich finde es toll, was wir gestaltet haben, das ist ein deutliches Signal an die Kinder", sagte sie. Sie glaube auch nicht, dass die auf den Turm klettern, um in die Gärten reinzuschauen. Dieser Spielplatz sei wichtig, "denn nicht jede Familie ist so privilegiert und hat ein Haus mit Garten". Viele wohnten auf der Stumpfwiese in Mehrfamilienhäusern.

Der Ausschuss verständigte sich schließlich darauf, eine zusätzliche hohe Hecke zu pflanzen.

© SZ vom 14.05.2021
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