OrtsgestaltungTische raus

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Vor dem Kubiz gibt es jetzt Gastronomie. Das nahe Restaurant ‘51 by Georg hat hier einen „Genussgarten“ eröffnet.
Vor dem Kubiz gibt es jetzt Gastronomie. Das nahe Restaurant ‘51 by Georg hat hier einen „Genussgarten“ eröffnet. Claus Schunk

Seit Jahren bemüht sich die Gemeinde Unterhaching um eine Belebung der Plätze im Ort. Nun will sie unkompliziert und rasch Außengastronomie ermöglichen  ‒  der erste sogenannte „Genussgarten“ ist bereits vor dem Kubiz entstanden.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Unterhaching hat viele Plätze. Die meisten kennt man auch als Einheimischer allerhöchstens vom Vorbeifahren, vielleicht ist einem auch der eine oder andere Name schon in einer Adresse untergekommen. Viel passiert auf den wenigsten, man könnte sogar sagen: Da ist nichts los. Schade eigentlich, dachten sich die sogenannten Zukunftsteams, Gruppen aus der Bürgerschaft, die gemeinsam mit der lokalen Agenda 21 an der Ortsentwicklung mitarbeiten. Jetzt hat man begonnen diese Plätze durch Gastronomie zu beleben ‒ und zwar rasch und unkompliziert, wenige Wochen, nachdem die Idee geäußert wurde. Auf dieses Tempo ist die Verwaltung im Rathaus fast schon ein wenig stolz.

Wer in diesen Tagen zur Post an der Hauptstraße will, dem fällt sicher auf: Da stehen plötzlich gedeckte Tische auf dem Vorplatz des Kultur- und Bildungszentrums (Kubiz). Wo bisher neben den doch lange etwas vernachlässigten Boulebahnen städtische Wüste herrschte und seit Schließung des Discounters Penny nicht mal mehr die Schüler des benachbarten Lise-Meitner-Gymnasiums abhängen, sitzen Leute mit Kaffeetassen oder löffeln Suppe. Genussgarten nennt sich jetzt dieser Platz, der eigentlich nicht einmal einen Namen hat.  Hier zwischen Hauptstraße, Jahnstraße und Schulstraße hat das nahe Restaurant „ʼ51 by George“ eine Außengastronomie eröffnet. Doch das soll erst der Anfang sein. Vor dem Kubiz aber auch auf anderen Plätzen.

Im Zuge der ersten Umgestaltung sind zudem beide Boulebahnen renoviert und neu eingefasst worden. In den kommenden Wochen würden noch die Fahrradständer auf dem Platz komplett erneuert und das in die Jahre gekommene Buswartehäuschen ersetzt, teilt die Gemeinde mit. „Wir haben einfach festgestellt, dass Gastronomie gut funktioniert, um Plätze zu beleben“, sagt Rathaussprecher Simon Hötzl und verweist auf das Café Lani im Ortszentrum. Allerdings lief dies dort nicht ohne Reibereien mit Anwohnern ab, die es lieber ruhig vor ihrer Haustüre haben anstatt belebt.  Da es vor dem Kubiz allerdings weniger Wohnbebauung gibt, rechnet Hötzl an dieser Stelle nicht mit ähnlichen Problemen. Bis 22 Uhr darf hier gegessen und getrunken werden. Auch die gegenüberliegende Trattoria da Salvino hat ihren Außenbereich erweitert.

Eine große Baustelle hat die Gemeinde hingegen derzeit noch 350 Meter weiter nördlich an der Hauptstraße vor dem S-Bahnhof. Seit die Döner-Bude und der Gemüsestand weg sind, gibt es hier nur noch eine staubige Fläche unter Bäumen vor einem Bahnhof, den die wenigstens als vorzeigbare Visitenkarte für die Ortschaft empfinden. Der Platz selbst gehört tatsächlich der Gemeinde, das alte, unter Denkmalschutz stehende Bahnhofsgebäude ist in Privatbesitz und bewohnt, die Bahnsteige sind freilich Bahnsache. Mittlerweile finden manche Unterhachinger ihren Bahnhof nicht mehr nur unattraktiv, heruntergekommen und mit zahlreichen Automaten inzwischen reichlich hässlich; die Rede ist sogar von einer Risikozone. Weshalb es bereits zwei Anträge ‒ von der CSU und von der parteifreien Gemeinderätin Julia Stifter ‒ gibt, die neben einer Umgestaltung ein Sicherheitskonzept für das gesamte Bahnhofsareal fordern.

Dem vorausgegangen war ein gewalttätiger Diebstahl Mitte März, als ein Täter versuchte, einen Snackautomaten aufzubrechen, ein Zeuge ihn daran hindern wollte und von ihm mit einem Brecheisen verletzt wurde. Die Gemeinderäte gaben die Aussagen von Bürgern weiter, sie fühlten sich im Bahnhofsbereich unsicher, außerdem gibt es Klagen über häufige Fahrraddiebstähle. Gefordert werden eine bessere Beleuchtung, sicherere Radabstellanlagen und eben endlich eine Umgestaltung des Areals.

Auf dem Bahnhofsvorplatz soll bis zum Sommer ein weiterer Genussgarten entstehen.
Auf dem Bahnhofsvorplatz soll bis zum Sommer ein weiterer Genussgarten entstehen. Claus Schunk

Nun hat die Gemeinde vor etwa zwanzig Jahren laut Hötzl verpasst, das Bahnhofsgebäude selbst zu erwerben, als die Bahn es zum Verkauf anbot. Rund um den alten Bau, in dem es weder einen Kiosk, geschweige denn Gastronomie gibt, sondern nur die Automaten und ein Dixi-Klo, bleiben viele Wünsche von Pendlern und Reisenden offen. Ein Sicherheitskonzept soll in den nächsten Sitzungen des Gemeinderats auf der Tagesordnung stehen.

„Übertriebene Planungsbürokratie“ führt eben nicht weiter

Zudem will Unterhaching den Vorplatz ähnlich wie am Kubiz durch Gastronomie beleben und endlich auch richtige Toiletten zur Verfügung stellen. Jahrelang hatte die Gemeinde zuvor die Umgestaltung vor sich hergeschoben, weil man erst einmal die Bushaltestellen umbauen wollte und weil man dann auf den ganz großen Wurf zwischen Bahnhof und Kubiz hoffte. Diverse Konzepte von Fahrradstraßen über Fußgängerzonen wurden diskutiert und wieder verworfen. Passiert ist aber nichts.

Jetzt ist man auch im Rathaus zu der Einsicht gekommen, dass „übertriebene Planungsbürokratie“, wie Hötzl unumwunden zugibt, den Ort auch nicht weiterbringt. Vor allem will man die Bürger, die sich in Workshops über die Zukunft der Gemeinde Gedanken gemacht und bei den Treffen konkrete Vorschläge erarbeitet haben, nicht wieder ewig warten lassen.  „Einfach mal machen“ lautet zumindest in diesem Fall plötzlich die Devise. Mit dem am Bahnhof ansässigen Bäcker und mit der Eisdiele in unmittelbarer Nähe sei man bereits im Gespräch, auch andere hätten Interesse geäußert, die Fläche für Außengastronomie zu nutzen. Noch sind hier Bagger dabei, Rohre zu verlegen. Die Gemeinde will aber den Turbo einschalten. Der zweite Genussgarten soll bereits in diesem Sommer öffnen.

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