OrtsgestaltungLieber Parkplatz statt Parklet

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Im Sommer 2023 stand das Parklet im Ortsteil Fasanenpark. Damals war Charlotte Schmidt (rote Jacke), Referatsleiterin im Rathaus.  noch ganz optimistisch, dass die Bürger das Angebot annehmen. Inzwischen sieht sie das anders.
Im Sommer 2023 stand das Parklet im Ortsteil Fasanenpark. Damals war Charlotte Schmidt (rote Jacke), Referatsleiterin im Rathaus.  noch ganz optimistisch, dass die Bürger das Angebot annehmen. Inzwischen sieht sie das anders. (Foto: Claus Schunk)

Vor drei Jahren hat die Gemeinde Unterhaching eine zerlegbare Holzterrasse angeschafft und sie seither jeden Sommer an einer anderen Straße aufgestellt. Damit hat sie mehr Unmut als Begeisterung ausgelöst. Jetzt will sie das Parklet neu interpretieren.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Über kaum etwas haben sich die Unterhachinger in den vergangenen drei Jahren so echauffiert, wie über ein Stadtmöbel. Es ist 1,95 Meter breit, sieben Meter lang und aus Holz. Das Parklet ist eine öffentliche Terrasse, mit Stühlen, Tischen und sogar Blumenschmuck. Allerdings ohne Bewirtung. Essen und Getränke muss man selbst mitbringen. Gegen ein solches Trumm hätten die meisten sicherlich grundsätzlich nichts einzuwenden. Wenn es nicht ausgerechnet jeden Sommer aufs Neue auf zwei Parkplätzen positioniert wäre. Da hört bei vielen der Spaß auf. Die Gemeinde reagiert jetzt und ändert das Konzept.

Das Parklet geht auf eine Initiative der CSU-Fraktion im Gemeinderat zurück. Damals hatten bereits Neuried und Planegg solche selbst gezimmerten Holzterrassen an den Straßenrand gestellt, um den Bürgern die Möglichkeit zu bieten, draußen Platz zu nehmen, ohne in ein Lokal einkehren und etwas konsumieren zu müssen. Zudem sollen Parklets die Straßen in Zukunft klimaresistenter gestalten und zur Mobilitätswende betragen. Das Unterhachinger Parklet, das die Gemeinde zwischen 3000 und 5000 Euro gekostet hat, kann man zerlegen und einfach an einem anderen Standort wieder aufbauen. Entworfen hat es die Architekturstudentin Paula Giauque aus dem Würmtal an der TU München.

Und so stand es im ersten Jahre seines Unterhachinger Daseins an der Hauptstraße, im Jahr darauf an der Bussardstraße, dann an der Von-Stauffenberg-Straße und schließlich an der Walter-Paetzmann-Straße. Jeden Sommer in einem anderen Ortsteil. Und jeden Sommer gab es die gleichen Beschwerden. Die Leute hielten das Ding für überflüssig, geradezu nutzlos und ärgerten sich darüber, dass dadurch zwei Parkplätze wegfallen.

Am Anfang hielt die Gemeinde noch eisern an dem Vorhaben fest, die Bürger von der großartigen Idee dieser anderen Nutzung des öffentlichen Raums zu überzeugen. Was sind schon zwei Parkplätze im Vergleich zu der Möglichkeit, auf einen Ratsch mit der Nachbarschaft unkompliziert zusammenzukommen? Die Verwaltung hat sich bemüht, aufzuklären und Überzeugungsarbeit zu leisten. Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD)  hat selbst in dem Parklet an der Bussardstraße Platz genommen, um mit den Leuten ins Gespräch über diese Aktion zu kommen. Auch wurde stets ein Informationsschild aufgehängt, eine Art Gebrauchsanweisung, zweisprachig und mit zusätzlichem QR-Code.

Man sah sich auf einem guten Weg, dass die Unterhachinger die flexible Holzterrasse doch irgendwann lieb gewinnen oder zumindest ohne Murren akzeptieren. Doch an jedem neuen Standort ging die gleiche Diskussion wieder los.  Im vierten Sommer fragten die Leute immer noch, wozu das gut sei und warum man dafür zwei Parkplätze opfere. Die CSU stellte schließlich gemeinsam mit den Freien Wählern den Antrag, das Parklet im kommenden Jahr doch besser mal nicht auf einen Parkplatz zu stellen. Schließlich gebe es noch andere versiegelte Flächen, etwa in der Ortsmitte, im Ortspark oder im Landschaftspark. Als der Vorschlag kürzlich im Ferienausschuss des Gemeinderats diskutiert wurde, sagte CSU-Fraktionssprecher Korbinian Rausch: „Ich halte das Projekt nicht für gescheitert, wir wollen es nur neu interpretieren.“

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Das Parklet soll fürs Erste im Stadtpark verschwinden

In der Verwaltung hält man eine weitere Nutzung des Parklets in der jetzigen Form jedenfalls nicht für sinnvoll. „Wir haben das mit Herzblut betrieben, aber es funktioniert in Unterhaching nicht, Parkplätze anders zu nutzen“, stellte Charlotte Schmidt, Leiterin des Referats Bürgerservice und Mobilität fest. Es habe zwar auch Mails gegeben, in denen Bürger vorschlugen, das Parklet vor ihrer Haustür aufzustellen. Zudem hätten Hausverwaltungen die Anwohner aufgefordert, das Angebot wahrzunehmen. „Aber wir mussten auch viel Prügel einstecken“, so Schmidt, ihre Mitarbeiter sähen den Sinn des Parklets nicht erfüllt.

Während die Grünen weiterhin von dem Konzept überzeugt sind und immer Leute sehen, die das nutzen, spricht die FDP von einer „Lachnummer von Anfang an“ und würde es lieber ganz lassen. Die Mehrheit aber will das Parklet jetzt in den Park verfrachten. Zumindest mal für ein bis zwei Jahre und dann das Ganze noch mal überdenken. CSU-Mann Rausch ist überzeugt: „Manche Themen brauchen Zeit.“

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