Neujahrsempfang:Die Tücken der Gästeliste

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Beim Neujahrsempfang in Unterhaching begrüßt Bürgermeister Wolfgang Panzer 550 Gäste. (Foto: Claus Schunk)

In Unterhaching startet ein gut gelaunter Bürgermeister nach vier Jahren Pause wieder mit einer Veranstaltung in der Hachinga-Halle ins neue Jahr. Doch da weiß er noch nicht, dass die ehemalige Ministerin Kerstin Schreyer keine Einladung bekommen hat.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Eine Gästeliste zu erstellen, erfordert meist viel Fingerspitzengefühl und genaue Abwägungen. Schließlich soll niemand vergessen werden, der dann zu Recht beleidigt sein könnte. Doch gibt es meist ein Limit. Bei Neujahrsempfängen gilt es daher, die Prominenz der Gemeinde sowie verdiente Bürgerinnen und Bürger, ehrenamtlich Engagierte und in irgendeiner Weise wichtige Menschen auszuwählen und einzuladen. Tausend aus 27 000 Einwohnern, so lautet die Aufgabe für den Unterhachinger Jahresauftakt in der Hachinga-Halle. Doch ein Name fehlte offenbar heuer.

Dabei hatte die Verwaltung akribisch alle notiert, die ihr Kommen zugesagt hatten. Mit 550 Gästen war man bei diesem ersten Neujahrsempfang nach der Pandemie und somit auch dem Debüt dieser Amtszeit etwa wieder auf dem Niveau der Vor-Corona-Zeit. Dass die Halle nicht ganz so überfüllt war wie in manchen Jahren, empfanden viele auch eher als angenehm. Wie immer hatten sich einige allseits bekannte Unterhachinger eingefunden. Der Spielvereinigung-Präsident Manfred Schwabl war da, die ehemaligen Bürgermeister, der Faschingsprinz mit seiner Prinzessin, Schulleiterinnen, viele Gemeinderäte und die Grünen-Landtagsabgeordnete Claudia Köhler. Nur Kerstin Schreyer nicht.

Auch das amtierende Unterhachinger Prinzenpaar war der Einladung gefolgt. (Foto: Claus Schunk)

Das überraschte zunächst einmal nicht, denn Politikerinnen haben viele Termine und jeder weiß auch, dass die ehemalige bayerische Ministerin und gerade erst wiedergewählte CSU-Abgeordnete nach ihrer Krebserkrankung noch gut auf ihre Gesundheit achten muss. Allerdings: Kerstin Schreyer wäre schon gerne gekommen, teilte sie am Tag darauf via Facebook mit. Doch sie sei diesmal nicht eingeladen gewesen.

Im Rathaus löst das große Bestürzung aus. "In der Rede des Bürgermeisters wurde sie sogar genannt, so sicher waren wir uns eigentlich, dass sie kommt", teilt Sprecher Simon Hötzl mit. Frau Schreyer habe "selbstverständlich" auf der Einladungsliste gestanden und hätte nach unseren Informationen eine Einladung bekommen müssen, ist man sich im Rathaus sicher. Hat sie offenbar aber nicht. "Es ist nicht auszuschließen, dass von der Versendung bis zur Zustellung bei der Empfängerin etwas passiert ist. Wir versenden solche Einladungen natürlich mit einfachem Brief, nicht mit Einschreiben. Deshalb wird es schwierig sein nachzuvollziehen, wo der Fehler lag", so Hötzl weiter. Er betont ausdrücklich, dass dies in jedem Fall sehr ärgerlich sei, "wir hätten Frau Schreyer gestern sehr gerne bei uns gehabt. Sie hat als Staatsministerin und als Abgeordnete immer ein offenes Ohr für die Belange ihrer Heimat gehabt."

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Bürgermeister Wolfgang Panzer wolle sich noch persönlich bei Kerstin Schreyer melden. Wenn es nach ihm geht, wird er noch viele Male Gelegenheit haben, zusammen mit seinen Stellvertretern die Prominenz an der Eingangstür zur Hachinga-Halle zu begrüßen. Man merkte dem gut gelaunten Rathauschef an, dass er es genoss, nach vier Jahren Empfangs-Pause wieder hier zu stehen. Amtsmüde wirkt er nach 15 Jahren Bürgermeisterjob nicht. "Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab", hat Panzer in seiner Rede gleich zweimal Marc Aurel zitiert. Und denkt der 56-Jährige an die nächste Kommunalwahl, die 2026 bevorsteht, dann ist er sich sicher, wieder antreten zu wollen. Das bestätigte er in einem persönlichen Gespräch, natürlich mit dem Zusatz: "Wenn meine Partei mich wieder aufstellt."

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