Etwas schaffen, was über die Schulzeit hinausgeht: Das war das Ziel der Schülerinnen und Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums Unterhaching, des Oskar-Maria-Graf-Gymnasiums in Neufahrn bei Freising und des Staatlichen Gymnasiums Kirchseeon, als sie sich ihr P-Seminar aussuchten. Ihre Ergebnisse wurden nun vom Kultusministerium mit einem Regionalpreis ausgezeichnet. Das P-Seminar dient der beruflichen Orientierung und soll die Schülerinnen und Schüler in der Jahrgangsstufe elf in die wissenschaftliche und berufliche Praxis einführen. Dabei soll die Zusammenarbeit mit externen Partnern ein zentraler Aspekt sein.
Die Schülerinnen und Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums kooperierten mit der Ludwig-Maximilians-Universität in München für eine Ausstellung mit dem Titel „München 1945“. Dabei tauchten die Schüler in die Nachkriegsgeschichte der Universität ein und erforschten zusammen mit Studierenden, wie akademisches Leben direkt nach dem Zweiten Weltkrieg in München möglich war. Das Oskar-Maria-Graf-Gymnasium entwickelte zusammen mit dem Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke in München eine interaktive Museumssafari. Das Staatliche Gymnasium Kirchseeon wurde für ein Seminar zur Geschichte der Rivalität zwischen Bayern und Tirol geehrt.
Die Museumssafari des Oskar-Maria-Graf-Gymnasiums ist angelehnt an Escape-Rooms, obgleich das nicht der Plan gewesen sei, wie Lehrer Lorenz Vogt erklärt: „Ursprünglich war das Ganze als eine Schnitzeljagd gedacht, aber die Schülerinnen und Schüler haben das dann selbständig zu einem Escape-Room weiterentwickelt.“ Mithilfe einer App entwickelten sie eine Geschichte, die Besucher durch das Museum leitet: Diese sind mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit gereist. Um zurückreisen zu können, müssen sie sich ihren Weg durch das Museum bahnen, Fragen beantworten und Rätsel lösen. Für den interaktiven Guide ist dabei lediglich die App nötig. Vor allem für jüngere Besucher wollten die Schüler das Angebot des Museums aufbereiten.
Coaching für Produktentwicklung
Das Seminar habe sich stark an Abläufen in Firmen und Unternehmen orientiert, erklären die Schüler. „Dass man agiles Projektmanagement kennenlernen konnte, hat mir sehr gut gefallen“, sagt Julia Klein. „Wir hatten sogar ein Coaching für Produktentwicklung von meinem Bruder, einem Unternehmensberater“, ergänzt Vogt. „Am Anfang war die Kommunikation unter uns nicht gut, aber zum Ende sind wir ein echtes Power-Duo geworden“, ordnet die Schülerin Ceren Sen die Zusammenarbeit mit Joost Tolkmitt, der anderen Führungskraft im Projekt, ein. „Mir war wichtig, dass das Projekt nach unserem Seminar weitergeführt wird“, erklärt Tolkmitt. Das Museum habe schon zugesagt, die Museumssafari im Escape-Room-Stil in das dauerhafte Angebot aufzunehmen.
Dass das Projekt auch außerhalb der Schule Wirkung zeigt, stand auch bei dem Forschungsprojekt des Lise-Meitner-Gymnasiums im Vordergrund. „Ich wollte, dass die Arbeit einen Sinn auch außerhalb der Schule hat“, meint die Schülerin Denise Graf zur Zusammenarbeit mit der LMU für die Ausstellung. Für das Projekt wühlten sich die Schüler zusammen mit Studenten durch alte Akten und Dokumente zur Arbeit der LMU in der Nachkriegszeit.

„Es war Geschichte zum Anfassen“, erklärt Vedanth Naik. „Im Schulbuch ist Geschichte oft sehr grob, hier konnten wir uns mal auf Einzelfälle fokussieren“, bestätigt Schülerin Marieke Hüsken. Ausgestellt wurden unter anderem alte Bilder von zerstörten Universitätsgebäuden, ein Gedicht über studentische Bautrupps, welches von einem Schüler in einen Rap umgewandelt wurde, und Briefe jüdischer Studenten, die nach ihrer Vertreibung um die Anerkennung ihrer Leistungen kämpften. Auch die professionelle Zusammenarbeit mit der LMU habe sie selbständiger werden lassen, erklären Schüler.
Im Dezember werden vier Landessieger aus den 27 Regionalsiegern aus ganz Bayern von Kultusministerin Anna Stolz geehrt.

