Süddeutsche Zeitung

Unterhaching:Mysteriöses Geläuf

Unterhachinger Grüne hinterfragen Hybridrasen im Sportpark

Von Iris Hilberh, Unterhaching

Zunächst sah die Beschlussvorlage im Unterhachinger Gemeinderat für die Grünen völlig unspektakulär aus: Die Spielvereinigung will ihren Rasenplatz sanieren. Kann sie ruhig, dachte man sich. Schließlich zahlt der Verein selbst auch für das erneuerte Spielfeld. Die Gemeinderatsmitglieder rechneten laut deren Fraktionsvorsitzender Claudia Köhler damit, dass hier halt neuer Rasen angepflanzt werde. Erst als schließlich von so genanntem Hybridrasen die Rede war, fragten die Grünen nach. "Wir dachten ja erst noch, es handele sich um eine Mischung aus verschiedenen Grassorten, doch dann mussten wir feststellen, dass unter dem natürlichen Rasen eine Unterschicht aus Kunststofffasern, etwa aus Polypropylen, in den Boden hineingebracht wird", so Köhler. Und das sehen die Grünen äußerst skeptisch. "Es könnte sein, dass das eine ziemliche Umwelt-Sauerei ist, die so im Beschlussvorschlag nicht zu ahnen war", sagte Köhler.

Die Bagger sind bereits angerollt, gleichwohl wollen Köhler und ihre Parteifreunde doch noch einmal ganz genau wissen, wie umweltverträglich ein solcher Hybridrasen tatsächlich ist. Üblicherweise wird er im Profifußball eingesetzt, Hersteller werben damit, dass er deutlich stabiler und belastbarer sei; sie garantieren eine hohe Ebenflächigkeit für das gesamte Jahr. "Es ist unseres Erachtens nicht sicher, ob dieser Rasen mit der verwobenen Kunststoffschicht recyclingfähig ist", sagen die Grünen, und Gemeinderätin Evi Karbaumer hatte in der Sitzung am Mittwoch mehrere Fragen zu diesem Thema an Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD).

So wollen die Grünen wissen, ob in die Vereinbarung mit der Spielvereinigung aufgenommen wurde, dass der Rasen nach Ablauf der Haltbarkeit ordnungsgemäß entsorgt werde. Auch interessiert sie, wer dann die Entsorgungskosten zahle, wenn das Material deponiert werden müsse. Vor allem aber fragen sich Köhler, Karbaumer, Hans Potschacher, Gertraud Schuber und Christine Helming in Hinblick auf die weltweite Zunahme von Mikroplastik in der Umwelt und die Diskussion darüber, ob man nicht viel plastikärmer leben sollte: "Braucht es dieses in unseren Augen unkökologisches Verfahren auch bei der Spielvereinigung Unterhaching?" Bürgermeister Panzer nahm zu den Fragen in der Sitzung nicht Stellung. Man werde diese Dinge zunächst überprüfen, sagte er.

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Quelle:
SZ vom 19.05.2018
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