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Unterhaching:Mut zum Kitsch

Jean-Pierre (Jürgen Prochnow) mischt als Putzmann den Verlag auf. Das bekommt auch ein junger Autor (Patrick Dollmann) auf Besuch zu spüren.

(Foto: Claus Schunk)

Jürgen Prochnow überrascht als "Mann fürs Grobe"

Es ist still im Publikum. Kein Rascheln, kein Husten, fast so, als hätten die Zuschauer Angst, den Mann zu verscheuchen, der da soeben die Bühne im Kubiz betreten hat.

Immerhin spielt in "Ein Mann fürs Grobe" ein Filmstar mit, und zwar einer der wenigen Deutschen, der sich durch Rollen in "Der englische Patient" oder "Dune - der Wüstenplanet" auch international etablieren konnte. Sein Durchbruch gelang Jürgen Prochnow Anfang der Achtzigerjahre in "Das Boot" unter der Regie von Wolfgang Petersen, mit nachdenklicher Miene zu stahlblauen Augen spielte er den Kommandanten eines deutschen U-Bootes im Zweiten Weltkrieg. Und so kennt man Prochnow: Ernst, auch in der Rolle des Bösewichts macht er sich gut. Insofern staunte am Freitagabend doch so mancher, als der 75 Jahre alte Schauspieler in der Komödie des französischen Drehbuchautors Éric Assous mit einem Putzlappen über den Bühnenboden robbte, eben als ein "Mann fürs Grobe".

Die Handlung ist schnell erzählt. Im Leben von Séverine (Verena Wengler), Inhaberin eines kleinen Verlages, scheint alles rund zu laufen. Sie führt eine Beziehung mit ihrem Verwaltungschef Patrice und auch die Geschäfte laufen, einigermaßen zumindest. Bis dann eines Tages Jean-Pierre (Prochnow) auftaucht, ihr Ex-Mann, der sie vor Jahren wegen einer Jüngeren verlassen hat. Völlig abgebrannt, pleite, so sagt er. Séverine sieht die Chance auf Rache gekommen. Und lässt ihn unter falschem Namen - August - in ihrer Firma putzen. Natürlich erweist sich die scheinbare Idylle als Fiasko mit den üblichen Problemen. Séverines Lebensgefährte Patrice hat eine Affäre mit ihrer Assistentin, natürlich. Der Laufbote Guillaume ist der Sohn von Jean-Pierre, natürlich. Es war ein gut gemachtes Unterhaltungsstück. Nicht sonderlich anspruchsvoll, dafür mit eingängigen Gags, die sich leicht auflösten und beim Zuschauer unmittelbar Platz machten für den nächsten. Hervorzuheben ist vor allem die Leistung von Verena Wengler, die den Unterhachingern mit der Bösartigkeit einer verletzten Ehefrau zahllose Lachsalven abrang. Und auch Prochnow, dessen Bühnenpräsenz zunächst fast zurückhaltend wirkte, füllte seine Rolle mit der Schauspielkunst des Versierten aus: Ein Großer, der sich ganz klein macht, das darf man guten Gewissens als wahre Größe bezeichnen. Mit einer kalkulierbaren Geschwindigkeit steuerte das Stück einem Höhepunkt entgegen, in dem sich die Verwirrungen auflösten, ohne unnötig künstliche Spannung zu erzeugen.

Der Vater findet zum Sohn, die Untreuen fliegen aus der Firma. Und Séverine und Jean-Pierre, die sich freilich immer noch lieben, küssen sich im gedämpften Bühnenlicht. Es ist ein Ende mit Mut zum Kitsch. In der Vorweihnachtszeit genau das Richtige.